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Los Angeles auf Rekordkurs

Los Angeles steht seit dem Beginn des Play-offs der National Hockey League (NHL) für mehr als nur Hollywood. Die ganze Liga spricht über den Höhenflug der Kings. Die Kalifornier stehen nur noch zwei Siege vom Einzug ins Finale um den Stanley Cup entfernt. Dabei galt das Team aus der „Stadt der Engel“ vor dem Play-off als krasser Außenseiter.

Als achtes und damit letztes Team der Western Conference schafften es die Kings gerade noch in das Play-off. Die Vancouver Canucks, bestes Team im Grunddurchgang, galten als unüberwindbare Hürde. Coach Darryl Sutter, der im Dezember 2011 anstelle des glücklosen Terry Murray das Ruder übernahm, brachte seine Mannschaft aber rechtzeitig zur Höchstform. Mit 4:1 im „Best of seven“ wurden die Canucks in den Urlaub geschickt, den St. Louis Blues ließ man gar mit 4:0 überhaupt keine Chance.

Los-Angeles-Kings-Coach Darryl Sutter spricht mit seiner MannschaftAP/Jae C. HongCoach Darryl Sutter führte die Kings auf den Erfolgsweg zurück

Königliche Auswärtsmacht

Und auch von den Phoenix Coyotes, selbst eine der Überraschungen in der bisherigen Postseason, war der Kings-Express bisher nicht zu stoppen. Mit 4:2 und 4:0 entschied Los Angeles die ersten beiden Spiele für sich. Zehn Siege in elf Play-off-Partien lautet die beeindruckende Bilanz der Kings. Und vor allem auswärts sind die Kalifornier eine Klasse für sich. Siebenmal trat man bisher in der Fremde an, sieben Mal ging man als Sieger vom Eis - NHL-Rekord.

Die bisher einzige Niederlage kassierte man zu Hause gegen die Vancouver Canucks (1:3). Sieben Auswärtssiege schafften noch nicht viele Teams. Zuletzt gelang dieses Kunststück 2010 den Chicago Blackhawks - die sich im selben Jahr die Meisterkrone aufsetzten. Experten vergleichen die Kings 2012 schon mit den legendären Edmonton Oilers rund um Wayne Gretzky. Die Oilers beendeten das Play-off 1988 mit einer Bilanz von 16 Siegen und nur zwei Niederlagen.

Kluge Personalentscheidungen

Dass am Ende auch der Stanley Cup von Gretzky in die Höhe gestemmt wurde, war die logische Folge. Der legendäre Kanadier ruft auch bei den Fans der Kings schöne Erinnerungen hervor. Immerhin führte Gretzky Los Angeles 1993 ins bisher einzige Finale, dass damals jedoch gegen die Montreal Canadiens verloren ging. Diese Scharte will die aktuelle Mannschaft auswetzen. „Wir wollen es unbedingt schaffen“, sagte Kings-Stürmer Dustin Penner nach dem zweiten Sieg in Phoenix.

Kluge Personalentscheidungen zur richtigen Zeit formten aus dem Mitläufer einen Titelkandidaten. Vor der Saison wurde mit Mike Richards der langjährige Kapitän der Philadelphia Flyers an die Westküste geholt und verstärkte damit die Offensive rund um Anze Kopitar, seines Zeichens die slowenische Ausgabe von Thomas Vanek. Zum Ende der Transferzeit gelang den Kings jedoch der entscheidende Schachzug. Mit Jeff Carter bekam Richards jenen Mann an seine Seite, mit dem er schon Philadelphia 2010 bis ins Finale geführt hatte.

Trainer bleibt gelassen

Der Stürmer bedankte sich mit drei Toren beim 4:0 bei den Coyotes - dem ersten Play-off-Hattrick eines L.-A.-Spielers seit Gretzky 1993. Defensiv vertrauen die Kings auf die schnellen Hände von Jonathan Quick. Der 26-jährige US-Amerikaner gilt als heißer Kandidat auf die Auszeichnung zum wertvollsten Spieler des Play-offs - sollte L. A. den Titel holen.

Los-Angeles-Kings-Goalie Jonathan QuickAP/The Canadian Press, Jonathan HaywardQuick brachte die gegnerischen Stürmer in dieser Saison zum Verzweifeln

Neben Henrik Lundqvist (NY Rangers) und Pekka Rinne (Nashville) ist Quick auch für die Auszeichnung als bester Torhüter des Grunddurchgangs nominiert. Coach Sutter, der dem Team erst die Siegermentalität einimpfen musste, lässt sich von der Euphorie in Los Angeles jedoch nach außen hin nicht anstecken. „Ich sehen es nicht als beeindruckenden Lauf an“, so der Trainer, "wir müssen immer besser spielen, als in der Partie zuvor.

Erfüllen seine Spieler diese Vorgabe, ist die Chancen auf den ersten Stanley Cup in der Geschichte des 1966 gegründeten Clubs so groß wie nie. Die Kings würden auch einen Trend im US-Sport fortsetzen. Denn im Jahr 2011 krönten sich sowohl die Green Bay Packers (Football), als auch die St. Louis Cardinals (Baseball) zu meistern, nachdem sie im Grunddurchgang erst im letzten Abdruck ins Play-off gerutscht waren.

Karl Huber, ORF.at

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Publiziert am 16.05.2012