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„Regulärer Spielbetrieb nicht möglich“
Es gehe darum, dass die „irregulär zustande gekommene Spielwertung“ aufgehoben werde. „Die Spieler hatten Angst. Es ging nicht mehr um das sportliche Geschehen, sondern um die eigene Sicherheit“, führte Preetz aus. Über den Einspruch und damit auch den Aufstieg der Düsseldorfer entscheidet nun das DFB-Sportgericht.
Die Partie war am Dienstag unter skandalösen Umständen zu Ende gegangen. Weil Fortuna-Anhänger schon vor dem Abpfiff den Rasen stürmten, musste Schiedsrichter Wolfgang Stark das Spiel für rund 20 Minuten unterbrechen. Sportlich hatte Düsseldorf mit dem 2:2 (Hinspiel 2:1) im Rückspiel die Rückkehr in die Bundesliga geschafft.
Ermittlungen eingeleitet
Über den Einspruch und damit auch den Aufstieg der Düsseldorfer entscheidet nun das DFB-Sportgericht am Freitag. Der DFB-Kontrollausschuss leitete derweil Ermittlungen gegen beide Vereine ein. Darüber hinaus ermittelt das Gremium auch gegen die Hertha-Spieler Lewan Kobiaschwili, Thomas Kraft, Christian Lell und Andre Mijatovic sowie Fortuna-Profi Andreas Lambertz.
Kobiaschwili wird nach DFB-Angaben vom Mittwochabend vorgeworfen, Schiedsrichter Wolfgang Stark nach Spielschluss in den Nacken geschlagen zu haben. Seine drei Teamkollegen sollen den Referee nach dem Abpfiff beleidigt haben. Düsseldorfs Kapitän Lambertz soll im Anschluss an die Partie ein „bengalisches Feuer“ gehalten haben.
Feier abgesagt
Düsseldorf hat unterdessen die geplante Feier zum Aufstieg abgesagt. Nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa reagierte der Verein damit auf den Einspruch von Hertha BSC. „Wir werden uns dazu offiziell am Donnerstag äußern“, erklärte Fortuna-Sprecher Tom Koster am Mittwoch. Die Rheinländer hatten eine große Party in der Esprit-Arena vorgesehen.
Partie am Rande des Abbruchs
Die Partie vor 51.000 Zuschauern in der ausverkauften Düsseldorfer Esprit-Arena stand in der Nachspielzeit am Rande des Abbruchs, weil Hunderte von Fortuna-Fans voreilig den Rasen gestürmt hatten.
dapd/Roberto PfeilDüsseldorfer Fans ließen ihre Freude auch am Rasen des Stadions aus„War eine Eskalation“
Die Spieler und das Schiedsrichtergespann unter der Leitung von Wolfgang Stark gingen daraufhin in die Kabinen. Erst nach 20-minütiger Unterbrechung setzte der Referee die Begegnung fort. Zu absolvieren waren zu diesem Zeitpunkt noch 90 Sekunden der offiziellen Nachspielzeit von sieben Minuten. Für seine Besonnenheit erntete Stark Lob. „Das war eine Eskalation, wir können froh sein, dass es so glimpflich ausgegangen ist“, sagte Hellmuth Krug, Schiedsrichterchef der Deutschen Fußball Liga (DFL).
Die Freude der Düsseldorfer fiel aufgrund der Tumulte gedämpft aus. „Das ist einfach nicht schön. Ich hatte mir das anders vorgestellt“, sagte Abwehrspieler Jens Langeneke. „Ich weiß nicht, ob ich nach diesen Bildern froh sein soll. Ich hätte nicht gedacht, dass so etwas bei uns möglich wäre“, sagte der Vorstandsvorsitzende von Fortuna Düsseldorf, Peter Frymuth. In die Erschütterung mischte sich aber auch Ärger über das Verhalten der Berliner Spieler, die laut Düsseldorfer Ansicht einen Abbruch provozieren wollten.
Dem widersprach Clubanwalt Christoph Schickhardt. „Der Schiedsrichter hat die Mannschaft nicht wegen des Fußballs auf den Platz zurückgeführt, sondern nur auf Bitten der Polizei, um eine Eskalation - man hat von einem Blutbad gesprochen - zu verhindern“, sagte Schickhardt Mittwochfrüh im „Morgenmagazin“ von ARD und ZDF. Hertha habe seinen Beitrag dazu geleistet. „Es ging nur darum, Schlimmeres für den deutschen Fußball zu verhindern.“
dapd/Sascha SchuermannDie Ordner hatten mit den Anhängern des Aufsteigers hart zu kämpfenBerliner Fans randalieren im Zug
Schaden könnte Hertha das Verhalten der eigenen Fans. Bereits nach dem 2:1 für die Gastgeber hatten Berliner Anhänger das Spiel an den Rand des Abbruchs gebracht. Schiedsrichter Stark musste die Partie für mehrere Minuten unterbrechen, nachdem es im Gästeblock zu Tumulten gekommen war. Bengalische Feuer und Böller - aus beiden Fanblocks - landeten auf dem Spielfeld. Ordner und Polizei brachten die Situation jedoch wieder unter Kontrolle.
Auch bei der Rückfahrt in die Hauptstadt sorgten einige Berliner Fans für negative Schlagzeilen. Ein Sonderzug mit 750 Fans musste in Hamm von der deutschen Bundespolizei angehalten werden. Der Zug sei wegen zerschlagener Fensterscheiben für drei Stunden im Bahnhof gestanden, sagte ein Sprecher der Bundespolizei Münster. Einer der elf Waggons musste aus Sicherheitsgründen ersetzt werden.
Wiederholung möglich
Im Falle einer Annullierung des Ergebnisses ist eine Neuaustragung des Rückspiels eine mögliche Variante. Fortuna Düsseldorf ist dagegen fest davon überzeugt, nicht nachträglich am grünen Tisch den Aufstieg abgesprochen zu bekommen oder eventuell ein Wiederholungsspiel bestreiten zu müssen.
„Ich gehe fest davon aus, dass wir aufgestiegen sind“, sagte Fortuna-Manager Wolf Werner. „Die Fans sind nach einem geglaubten Abpfiff auf das Spielfeld gelaufen. Das sind unschöne Szenen, die sind unnötig“, so Werner. Aber der Schiedsrichter habe für die letzten 90 Sekunden die Begegnung wieder angepfiffen. „Der Spielablauf kann nicht infrage gestellt werden.“
Sportrechtler sieht nur geringe Chancen
Der deutsche Sportrechtler Siegfried Fröhlich hält es für einen Fehler, dass die Spieler von Hertha BSC nach dem Spielabbruch auf den Platz zurückgekehrt sind. „Sie haben das Spiel noch zu Ende gespielt. Ein Protest hat daher wenig Aussicht auf Erfolg“, sagte der Jurist im Gespräch mit der Nachrichtenwebsite N-tv.de.
Die Chancen auf ein Wiederholungsspiel oder eine nachträgliche Wertung der Begegnung zugunsten der Berliner wären höher, wenn sich der Verein gegen eine Fortsetzung geweigert hätte. In diesem Fall hätte ein Sportgericht über die Ursache des Abbruchs verhandeln müssen.
„Grundsätzlich verliert dann die Mannschaft, deren Fans für den Abbruch sorgen“, sagte Fröhlich. Wäre das Gericht zu dem Ergebnis gekommen, dass die Sicherheit der Spieler gefährdet und eine Fortsetzung des Spiels nicht zumutbar gewesen ist, „hätte man das Spiel 2:0 für Hertha werten müssen“. Fröhlich geht davon aus, dass der Protest scheitert und der Abstieg der Berliner in die zweite Fußball-Bundesliga besiegelt ist.
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Publiziert am 16.05.2012