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„Nicht spektakulär genug?“

Die einen waren froh, dass nicht mehr passiert war. Die anderen mutmaßten über zu hohes Tempo und jugendlichen Leichtsinn in einem 525-PS-Auto. Der Unfall des Salzburger Skistars Marcel Hirscher polarisierte. Die Diskussion darüber ist ebenso wenig spurlos an ihm vorübergegangen wie der Unfall. Hirscher machte sich Gedanken. Im ORF.at-Interview gibt der 23-Jährige darüber Auskunft.

ORF.at: Herr Hirscher, wie haben Sie die ersten Nächte nach dem Unfall verbracht?

Marcel Hirscher: Zu Hause, und danke, ich habe ganz gut geschlafen. War nicht schlaflos, wie manche glauben würden.

ORF.at: Woran denken Sie, wenn Sie an den Unfall denken?

Hirscher: Dass so ein Unfall - ja leider - wahrscheinlich mehrmals täglich passiert. Oft genug gehen solche Unfälle leider nicht so glimpflich aus. Natürlich macht man sich nachher Gedanken: wie knapp es eigentlich hergegangen ist, dass es im Straßenverkehr blitzschnell eng werden kann oder dass man selber einen Fehler macht. Dass ich froh bin, Fahrertrainings gemacht zu haben. Und dass sich zeigt, dass Good News offenbar wirklich weniger beliebt sind als Bad News. Ich für meinen Teil bin einfach nur froh und dankbar, dass niemandem was passiert ist.

Unfallauto Audi R8 von Marcel HirscherAPA/FF AbtenauHirscher ist „einfach nur froh und dankbar, dass niemandem was passiert ist“

ORF.at: Wie schnell waren Sie tatsächlich unterwegs?

Hirscher: Etwas langsamer, als die dort erlaubte Geschwindigkeit (80 km/h, Anm.), ganz genau weiß ich es nicht.

ORF.at: Inwiefern ärgerten Sie manche kritische Stimmen danach?

Hirscher: Naja, angenehm ist nicht, wenn Klischees strapaziert und Fakten ignoriert werden, weil sie vielleicht nicht spektakulär genug sind. Eine Frau mit ihrer Tochter im Auto hat mich übersehen. Ist vor mir rübergebogen. Ich hab gottseidank intuitiv richtig reagiert, eine Kollision vermeiden können und bin beim Ausweichmanöver in einen Baum. Mein Auto ist vorne hin. Zum Glück bin ich in einem so sicheren Auto gesessen, ob das jetzt viel oder wenig PS hat, ist für den Unfallhergang vollkommen irrelevant. Genauso wie vereinzelte Diskussionen, welches Auto für mich das richtige sei.

ORF.at: Glauben Sie, dass Sie den Audi-R8 im Griff haben?

Hirscher: Ich habe seit fünf Jahren den Führerschein, bin jährlich 50.000 bis 60.000 Kilometer unterwegs, hatte noch nie einen Unfall und habe in fünf Jahren zwei Strafmandate wegen Falschparkens erhalten. Erst kürzlich habe ich wieder mit dem R8 ein ganztägiges Fahrertraining beim ÖAMTC absolviert.

ORF.at: Ihr Skifahrmotto ist bekannt, worauf legen Sie auf der Straße wert?

Hirscher: Ich lege schlichtweg darauf wert, sicher von A nach B zu kommen - wie jeder andere auch.

ORF.at: Dennoch fiel der Vergleich mit Rudi Nierlich und anderen Skifahrern, die im Straßenverkehr verunglückten.

Hirscher: Irgendein Vergleich findet sich immer, ist so ein Reflex scheinbar, daran hab ich mich schon gewöhnt. Natürlich haben Lehrer, Köche, Gärtner, Tischler, Polizisten und Feuerwehrmänner auch Verkehrsunfälle - keine Ahnung, vielleicht sogar prozentuell mehr als Skifahrer. Viele, die mit einem Auto unterwegs sind, sind auch irgendwann in einen Unfall verwickelt.

ORF.at: Was haben Sie jener Frau, die den Unfall offenbar verschuldete, in Ihrer ersten Reaktion gesagt?

Hirscher: Im ersten Moment war ich natürlich aufgeregt. Ich glaub, sie hat mich übersehen, weil sie die Sonne geblendet hat. Sie ist vor mir in den Parkplatz beim Kindergarten gefahren. Und ehrlich: Kann jedem von uns jederzeit genauso passieren. Hauptsache, ich bin noch an ihrem Auto vorbeigekommen.

ORF.at: Welche Lehre ziehen Sie aus dem Vorfall?

Hirscher: Dass man im Straßenverkehr nie vorsichtig genug sein kann.

Das Gespräch führte Michael Fruhmann, ORF.at

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Publiziert am 09.07.2012