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Keine Verschnaufpause

Am 8. Juni beginnt mit den ersten Spielen der Gruppe A die Fußball-Europameisterschaft in Polen und der Ukraine. Für so manchen Spitzenspieler ist aber auch zwei Wochen vor dem Saison-Höhepunkt der Zeitpunkt, um sich endlich voll auf die EM zu konzentrieren, noch immer nicht gekommen.

Einige potenzielle EM-Stars waren oder sind kurz vor dem Turnierauftakt noch in Bewerbsspielen oder bei Freundschaftspartien ihrer Clubs im Einsatz. Die Vorbereitung im Kreise der Nationalmannschaft kommt da notgedrungen zu kurz. Die Folge all dieser Zusatzverpflichtungen in einem ohnehin schon dichtgedrängten Terminkalender könnten Spieler und Fans bei der EM zu spüren bekommen.

Training der spanischen NationalmannschaftAPA/EPA/Dietmar StiplovsekWie Spaniens Del Bosque mussten und müssen Teamchefs auf ihre Stars warten

Es wäre nicht das erste Mal, dass zuvor mit ihren Clubs auftrumpfende Stars bei einem Großereignis enttäuschen, weil sie ausgelaugt und am Ende ihrer Kräfte sind. Neben größerer Verletzungsanfälligkeit dürfte auch die fehlende Feinabstimmung in der Mannschaft so manchem Teamchef sauer aufstoßen.

Titelverteidiger noch ohne Barca-Spieler

So hat die spanische Nationalmannschaft ihr Trainingslager in Schruns ohne die Profis des FC Barcelona aufgeschlagen. Der Welt- und Europameister wird auch den Test am Samstag in St. Gallen gegen Serbien ohne Andres Iniesta, Xavi Hernandez & Co. bestreiten. Denn Barca trifft am Vortag im spanischen Cupfinale auf Athletic Bilbao. Viel Zeit zur Regeneration bleibt den Barca-Spielern vor dem EM-Auftakt dadurch nicht.

Nicht viel besser ergeht es den Teamspielern von Bayern München und Chelsea, die erst am vergangenen Samstag in einem nerven- wie kräfteraubenden Champions-League-Finale im Einsatz waren. Bei den deutschen Teamverantwortlichen hatte zuvor schon die Tatsache für Unmut gesorgt, dass Mesut Özil und Sami Khedira mit Real Madrid noch zu einem Freundschaftsspiel nach Kuwait gereist waren und so das erste DFB-Trainingslager versäumt hatten.

Löw fordert längere Pause

Der deutsche Teamchef Joachim Löw plädierte daher für längere Abstellzeiten der Teamspieler vor Welt- und Europameisterschaften. „Vor einem Turnier muss man schon etwas andere Lösungen finden“, erklärte er. Die diversen Vereine sind erst ab 25. Mai verpflichtet, die Spieler für die Nationalmannschaften abzustellen.

Sami Khedira und Cacau beim Training der deutschen NationalmannschaftReuters//Ina FassbenderSami Khedira stieß wie Clubkollege Mesut Özil erst spät von Real zum DFB-Team

Dass das Champions-League-Finale nach Ende der nationalen Meisterschaften stattfindet, ist für Löw noch verständlich. Die Freundschaftsspiele von Real in Kuwait oder des FC Bayern gegen die niederländische Nationalmannschaft stören ihn jedoch. „Aus Sicht der Vereine ist es vielleicht sinnvoll, dass sie irgendwo hinfliegen und viel Geld verdienen“, sagte Löw. Aber vor einem Turnier müsste das möglichst früh sein. „Da müssten UEFA und FIFA sagen, vor einem Turnier brauchst du alle Konzentration“, erklärte er.

Auch Italiener spät dran

Unter suboptimalen Vorzeichen stehen auch die italienischen EM-Pläne. Die Serie A endete erst am 13. Mai, eine Woche später stand noch das Cupfinale zwischen Juventus Turin und dem SSC Napoli auf dem Programm. Teamchef Cesare Prandelli musste daher lange auf seine Juve-Stars um Torhüter Gianluigi Buffon und Mittelfeld-Ass Andrea Pirlo verzichten.

Ein für Mitte April geplantes erstes, dreitägiges Kurztrainingslager in Coverciano bei Florenz hatte zuvor schon aus Termingründen abgesagt werden müssen. Es bleibt also abzuwarten, wie gut sich die vielbeschäftigten Stars der diversen Nationalmannschaften auf ihren Auftritt in Polen und der Ukraine einstellen können.

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Publiziert am 25.05.2012