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New Jerseys Erfolgsgarant

Viele Spitzensportler befinden sich mit 40 Jahren bereits im wohlverdienten Ruhestand. Martin Brodeur ist die Ausnahme der Regel. Der Torhüter der New Jersey Devils stellt nach wie vor viele junge Kollegen in den Schatten. Ab Mittwoch greift der „Teufel“ mit der Goaliemaske in der Finalserie gegen die Los Angeles Kings nach seinem bereits vierten Titel in der National Hockey League (NHL).

Am 6. Mai feierte Brodeur seinen 40. Geburtstag standesgemäß. Der Kanadier führte die Devils mit 20 Saves zu einem 4:2-Sieg über die Philadelphia Flyers und leistete seinen Beitrag zur Vorentscheidung in der „Best of seven“-Serie. Am vergangenen Freitag brachte Brodeur schließlich die Stürmer der New York Rangers beim 3:2-Sieg nach Verlängerung zur Verzweiflung und sicherte New Jersey die erste Finalteilnahme seit 2003. Damals gewannen die Devils gegen die Anaheim Ducks ihren bisher letzten von drei Stanley Cups.

New Jersey Devils Martin Brodeur stoppt den PuckAP/Frank Franklin IIBrodeur hielt gegen die Rangers im entscheidenden Moment dicht

Kritiker eines Besseren belehrt

Nachdem die Devils in der vergangenen Saison erstmals seit 1996 das Play-off verpasst hatten, stand auch Brodeur heftig in der Kritik. Für viele hatte der Torhüter seinen Zenit bereits weit überschritten. Doch der 40-Jährige, der vor jedem Spiel seine Maske mit den Bildern seiner Kinder küsst, belehrte alle Kritiker eines Besseren. Im Halbfinale gegen die Rangers wurde Brodeur im fünften und sechsten Spiel der Serie seinem Ruf gerecht und sicherte seinem Team den Aufstieg.

„Die Saison hat bisher sehr viel Spaß gemacht“, sagte Brodeur nach dem Overtime-Sieg über den Erzrivalen aus New York, „ich weiß, was ich kann. Ich arbeite jeden Abend hart und will meinem Team die Chance geben zu gewinnen.“ Der Aufstieg gegen die Rangers war für den Torhüter auch persönliche Genugtuung. 1994 war Brodeur mit den Devils im Conference Finale an den „Blueshirts“ noch in sieben Spielen gescheitert. 18 Jahre danach wetzte der Kanadier diese Scharte aus.

Dreifacher Stanley-Cup-Sieger

Der Erfolg der New Jersey Devils ist untrennbar mit dem 1972 in der kanadischen Metropole Montreal geborenen Brodeur verbunden. In der Saison 1991/92 absolvierte er seine ersten vier Spiele für die Devils. Gleich sein erstes Spiel konnte Brodeur mit 4:2 gegen die Boston Bruins für sich entscheiden. Seit der Saison 1993/94 ist der Goalie die Nummer eins der „Teufel“ - und verwandelte den Club, der davor schon in Kansas City und Denver beheimatet war, zum Titelkandidaten.

New Jersey Devils Torhüter Martin Brodeur hält den Stanley Cup in die HöheReuters/Ray Stubblebine2003 durfte Brodeur zum letzten Mal den Stanley Cup stemmen

Mit Brodeur im Tor gewannen die Devils 1995, 2000 und 2003 den Stanley Cup, im Finale 2001 musste man sich den Colorado Avalanche erst nach sieben Spielen geschlagen geben. Auch international sorgte der Goalie für Furore. Mit seinen Paraden führte er Kanada 2002 zu Olympiagold in Salt Lake City. Vor zwei Jahren in Vancouver war Brodeur zwar meist nur Ersatzmann von Roberto Luongo, trug mit zwei Einsätzen aber ebenfalls seinen Teil zum Olympiasieg bei.

Rekorde über Rekorde

Nicht nur Trophäen, auch zahlreiche NHL-Rekorde gehen auf das Konto des fünffachen Familienvaters. Seine 656 Siege im Grunddurchgang sind unerreicht, insgesamt 143-mal (Regular Season und Play-off) hielt der Kanadier seinen Kasten komplett sauber. Sein 24. Play-off-Shutout gelang ihm heuer in der ersten Runde beim 4:0 gegen die Florida Panthers. Auch in die Torschützenliste trug sich Brodeur bereits zweimal ein. Ein Kunststück, das zuvor nur Ron Hextall von den Philadelphia Flyers gelungen war.

Brodeurs aktive Zeit hatte auch Auswirkungen auf das Regelbuch der NHL. Seine Ausflüge aus dem Tor, gepaart mit ausgefeilter Stocktechnik, animierten die Liga zur Installierung der trapezförmigen Zone, in der es dem Torhüter erlaubt ist, den Puck hinter dem Tor zu spielen. Die Rolle des Goalies als sechster Feldspieler wurde damit entschärft. Auch die „Sean-Avery-Regel“ - Feldspieler dürfen die Torhüter nicht mit Winkbewegungen behindern - geht auf eine Auseinandersetzung Brodeurs mit dem ehemaligen Rangers-Raubein zurück.

„Er ist unser Anführer“

Im Finale gegen die Los Angeles Kings setzt man bei New Jersey voll und ganz auf die Erfahrung Brodeurs. „Er passt in jeder Serie auf uns auf“, sagte der russische Torjäger Ilja Kowaltschuk, „er ist unser Anführer.“ Sein Sturmkollege David Clarkson pflichtete bei: „Es beginnt alles bei ihm. Es gibt nur einen Grund, warum wir im Finale stehen: Weil wir ihn im Tor haben.“ Anders als sein Gegenüber bei den Kings Jonathan Quick ist Brodeur heuer nicht für die „Vezina Trophy“ als bester Torhüter nominiert.

Ein Umstand, der dem 40-Jährigen egal sein dürfte, denn im Finale gibt es neben dem Stanley Cup noch eine weitere prestigeträchtige Trophäe zu holen. Die „Conn Smythe Trophy“ für den wertvollsten Spieler (MVP) der Finalserie fehlen dem Kanadier noch in seiner Sammlung. Genauso wie die Auszeichnung zum MVP der regulären Saison. Aber die „Hart Trophy“ wird auch im kommenden Jahr wieder ausgespielt. Und dass Martin Brodeur noch lange nicht zum alten Eisen gehört, hat er spätestens im aktuellen Play-off bewiesen.

Karl Huber, ORF.at

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Publiziert am 30.05.2012