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Neuer Teamchef, alte Taktik

Griechenland zehrt immer noch vom Ruhm des sensationellen EM-Titels bei der EM 2004 in Portugal. In die Fußstapfen von Erfolgstrainer Otto Rehhagel, der als „König Rehakles“ geadelt wurde, werden wohl noch die nächsten Teamchefgenerationen nicht hineinpassen. Der jetzige Coach Fernando Santos hat sich von Rehhagel immerhin eine Erfolgstaktik abgeschaut: Defensive.

Das Rezept ist, überspitzt formuliert, simpel: Hinten rühren die Hellenen Beton an, vorne hofft man auf einen Glückstreffer. Ob diese Taktik gegen Polen, Russland und Tschechien reicht, können die Griechen gleich im Eröffnungsspiel gegen die Gastgeber unter Beweis stellen.

Nur fünf Gegentore in EM-Quali

Für die EM-Qualifikation hat es gereicht. Griechenland ließ in der Qualifikationsgruppe F unter anderem Kroatien hinter sich und kassierte dabei in zehn Partien lediglich fünf Gegentore. „Meine Spieler sind für ihre guten Leistungen seit dem Sommer 2010 mit der Qualifikation für die EM belohnt worden. Allerdings ist unser Job damit noch nicht erledigt“, sagte Santos.

Zudem blieben die Hellenen in der Quali ohne Niederlage (sieben Siege und drei Unentschieden) und taten es damit den Kalibern Deutschland, Italien, Niederlande, England und Spanien gleich. Freilich hatte aber auch keiner der Gruppenersten so wenige Tore - nämlich nur 14 - auf der Habenseite.

Griechenland ohne Messi

Teamchef Santos verteidigt seine kompromisslose Defensivstrategie: „Griechenland hat keinen Messi, also hat die Taktik bei uns allererste Priorität.“ Mit diesem Rezept schaffte es der Portugiese immerhin, in insgesamt 16 Spielen in Folge ungeschlagen zu bleiben. Damit übertraf Santos sogar „König Rehakles“, unter dem die Griechen „nur“ 15 Partien ohne Niederlage blieben.

Griechenlands ehemaliger Erfolgstrainer Otto Rehhagel feiert den EM-Titel mit seiner MannschaftReuters/Yiorgos KarahalisOtto Rehhagel wird dank des EM-Titels 2004 als „König Rehakles“ verehrt

Diese Erfolgsbilanz veranlasste den Verband, den Vertrag mit dem 57-Jährigen bereits im April über die EM-Endrunde hinaus zu verlängern. Der Fußballlehrer, der zuvor unter anderem den FC Porto, Benfica und Sporting Lissabon sowie Panathinaikos Athen betreut hatte, soll das Team auch zur WM 2014 nach Brasilien führen.

Hellenische Verjüngungskur

Zu Beginn seiner Ära 2010 musste Santos allerdings einige Widerstände innerhalb des Teams überwinden, so traten verdiente Kräfte wie Theofanis Gekas und Ioannis Amanatidis zurück. Aber so wie Gekas zurückkehrte, ist inzwischen auch die griechische Öffentlichkeit davon überzeugt, dass nach enttäuschenden Vorstellungen bei der EM 2008 und der WM 2010 (jeweils Aus in der Vorrunde) wieder einiges möglich ist. Santos’ Verdienst ist es, eine Verjüngung eingeleitet zu haben.

Schon bei seinem ersten Spiel brachte er acht Debütanten. Inzwischen sind es Namen wie jener des gerne als „griechischer Messi“ titulierten Sotirios Ninis (20 Jahre/Panathinaikos Athen), Ioannis Fetfatzidis (21/Olympiakos Piräus) oder Ioannis Maniatis (25/Olympiakos Piräus), die für den jungen Weg stehen. Der am höchsten gehandelte Kicker ist derzeit wohl Schalkes robuster Innenverteidiger Kiriakos Papadopoulos. Auch dieser zählt erst 20 Jahre. Mit dem 38-jährigen Tormann Konstantinos Chalkias stellen die Griechen aber auch den ältesten Spieler des Turniers.

EM-Kader Griechenland

Tor:
1 Konstantinos Chalkias PAOK Saloniki 30.05.1974
12 Alexandros Tzorvas US Palermo (ITA) 12.08.1982
13 Michail Sifakis Aris Saloniki 09.09.1984
Abwehr:
2 Ioannis Maniatis Olympiakos Piräus 12.10.1986
3 Georgios Tzavellas AS Monaco (FRA) 26.11.1987
4 Stylianos Malezas PAOK Saloniki 11.03.1985
5 Kyriakos Papadopoulos Schalke 04 (GER) 23.02.1992
8 Avraam Papadopoulos Olympiakos Piräus 03.12.1984
15 Vassilios Torosidis Olympiakos Piräus 10.06.1985
18 Sotirios Ninis Panathinaikos Athen 03.04.1990
19 Sokratis Papastathopoulos Werder Bremen (GER) 09.06.1988
20 Jose Holebas Olympiakos Piräus 27.06.1984
Mittelfeld:
6 Grigorios Makos AEK Athen 18.01.1987
10 Georgios Karagounis Panathinaikos Athen 06.03.1977
16 Georgios Fotakis PAOK Saloniki 29.10.1981
21 Konstantinos Katsouranis Panathinaikos Athen 21.06.1979
22 Konstantinos Fortounis Kaiserslautern (GER) 16.10.1992
23 Ioannis Fetfatzidis Olympiakos Piräus 21.12.1990
Angriff:
7 Georgios Samaras Celtic Glasgow (SCO) 21.02.1985
9 Nikolaos Lymperopoulos AEK Athen 04.08.1975
11 Konstantinos Mitroglou Panionios Athen 12.03.1988
14 Dimitrios Salpingidis PAOK Saloniki 18.08.1981
17 Theofanis Gekas Samsunspor (TUR) 23.05.1980
Teamchef:
Fernando Santos (POR) 10.10.1954

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Publiziert am 01.06.2012