Themenüberblick

Dreifacher Olympiasieger und Weltmeister

Der dreifache kubanische Boxolympiasieger Teofilo Stevenson ist im Alter von 60 Jahren in Havanna an einem Herzinfarkt gestorben. Das berichteten am Montag (Ortszeit) kubanische Medien. Stevenson - berühmt für seine Gentleman-Manieren und gefürchtet für seine Rechte - galt als einer der größten Amateurboxer der Schwergewichtsklasse. Er holte bei Olympia 1972, 1976 und 1980 jeweils Gold.

„Die kubanische Sportfamilie ist heute vom Dahinscheiden eines der Größten aller Zeiten erschüttert worden“, hieß es in den kubanischen Nachrichten. „Am Abend ging es ihm noch gut“, berichteten Freunde. Nun trauert ein ganzes Volk um seinen Helden, der in einfachsten Verhältnissen aufwuchs und seinem Land viel Ehre machte.

Rückschläge weggesteckt

Teofilo Francisco Stevenson Lawrence, wie er mit vollem Namen hieß, wurde am 29. März 1952 in Puerto Padre, in der Provinz Las Tunas, geboren. Im Alter von 14 Jahren startete der „Pirolo“ genannte Jugendliche seine Boxkarriere im Halbmittelgewicht mit einer Niederlage. Er soll von seinen ersten 20 Kämpfen 14 verloren haben. „Pirolo“ ließ sich aber nicht entmutigen und holte 1968, dann schon im Schwergewicht, bei den kubanischen Juniorenmeisterschaften seinen ersten Titel.

Von da an blieb Stevenson an der Spitze: Es folgten elf kubanische Meistertitel und sieben Titel in den karibischen Meisterschaften. Die Krönung gelang ihm mit der Goldmedaille bei den Olympischen Spielen 1972 in München. In Deutschland schlug der Kubaner so richtig ein: Für seinen ersten Kampf gegen den Polen Ludwik Denderys benötigte er nur seine harte Rechte und 30 Sekunden, dann gewann er durch technisches K. o. Nachdem Stevenson im Halbfinale den Deutschen Peter Hussing ausgeschaltete hatte, musste er im Finale nicht mehr kämpfen - sein Gegner Ion Alexe (ROU) trat nicht an.

Dreimal Olympiagold in Folge

1976 folgte bei den Spielen in Montreal Stevensons zweites Olympiagold. „Die Olympischen Spiele in München und Montreal sind die schönsten Erinnerungen, die ich in meinem Leben habe, die beste Phase meiner Karriere“, befand er rückblickend. Damit war aber noch nicht genug, auch bei Olympia 1980 in Moskau verteidigte der Kubaner seinen Titel mit Erfolg.

Pjotr Sajew und Teofilo Stevenson bei den Olympischen Spielen 1980 in MoskauAP1980 feierte Stevenson gegen Pjotr Sajew seinen letzten Olympiasieg

Damit war er erst der zweite Boxer nach dem Ungarn Laszlo Papp, der dreimal hintereinander Olympiagold holte. Ein vierter Olympiasieg blieb ihm verwehrt, auch weil Kuba aus politischen Gründen die Spiele 1984 in Los Angeles boykottierte. Zum Drüberstreuen wurde Stevenson auch noch 1974, 1978 und 1986 Amateurboxweltmeister.

Die Liebe der Kubaner

Logisch, dass internationale Boxpromoter den Kubaner verpflichten wollten und Kämpfe wie zum Beispiel gegen Muhammed Ali andachten. Stevenson aber verzichtete, auch weil er seinen Amateurstatus nicht verlieren wollte. Dafür hätte er aus Kuba auswandern müssen. „Er will lieber rot als reich sein“, titelte 1974 die Zeitschrift „Sports Illustrated“ in Anspielung auf den Kommunismus auf der Karibikinsel. Stevenson selbst hatte eine andere Erklärung, warum er dem Profileben und dem vielen Geld entsagte: „Ich bevorzuge die Liebe von acht Millionen Kubanern!“

Fidel Castro schenkte ihm ein Haus, und diese Liebe begleitete ihn auch in den letzten Jahren als Vizepräsident des kubanischen Boxverbands und als er im Jänner 15 Tage mit einem Blutgerinnsel in der Herzgegend auf der Intensivstation verbrachte. Stevensons gewann 301 Kämpfe und kassierte dabei nur 20 Niederlagen. Gegen die Herzattacke war der 60-Jährige dann chancenlos. Stevenson hinterlässt zwei Kinder.

Link:

Publiziert am 12.06.2012