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Van Marwijk unter Zugzwang
Auch für Bondscoach Bert van Marwijk ist die Partie gegen Portugal die allerletzte Chance. Van Marwijk ist nach dem 0:1 gegen Dänemark und dem 1:2 gegen Deutschland nicht nur aufgrund der Tabellensituation angezählt. Mit seinem sturen Festhalten an seinem System - sowohl gegen die Dänen als auch gegen Deutschland begann die „Elftal“ nur mit einer Sturmspitze - verspielte der 60-Jährige die Sympathien bei Experten und Fans in orange. Am Sonntag wird Van Marwijk jedoch über seinen Schatten springen und dem Druck nachgeben. „Wir haben zwei Mal verloren. Daher werde ich etwas ändern“, sagte der Trainer
Personalrochaden stehen an
Klaas-Jan Huntelaar, immerhin Torschützenkönig der abgelaufenen Saison der deutschen Bundesliga, wird erstmals von Beginn an neben Robin van Persie stürmen und soll für die nötigen zwei Tore Unterschied sorgen. „Robin hat sehr gut gespielt und Klaas-Jan hat es auch gut gemacht, als er reingekommen ist“, so der Bondscoach. Zudem wird auch der Einsatz von Rafael van der Vaart erwartet. Van Marwijks Schwiegersohn und Kapitän Mark van Bommel ist in diesem Fall erster Kandidat für einen Platz auf der Bank.
APA/EPA/Kim LudbrookHuntelaar (l.) und Van Persie werden gegen Portugal von Beginn an stürmenDie Niederlande haben ihr Schicksal nicht in eigener Hand. Ein Sieg mit mehr als zwei Toren Unterschied gegen Portugal ist Pflicht, um bei einem parallelen Sieg der Deutschen über Dänemark doch noch den Aufstieg in die Runde der letzten Acht zu schaffen. Um den eigenen Teil des Deals zu erfüllen, muss bei „Oranje“ jedoch eine deutliche Leistungssteigerung her - offensiv und auch defensiv. „Über die Außen muss bei uns mehr passieren“, stellte Van Marwijk dem bisher unter den Erwartungen gebliebenen Ibrahim Afellay die Rute ins Fenster.
Gruppe B, dritter Spieltag
Sonntag, Beginn 20.45 Uhr
Live in ORF eins und im Livestream
Portugal - Niederlande
Charkiw, Metalist-Stadion, SR Rizzoli (ITA)
Mögliche Aufstellungen:
Portugal: Patricio - Pereira, Alves, Pepe, Coentrao - Meireles, Veloso, Moutinho - Nani, Postiga, Ronaldo
Niederlande: Stekelenburg - Van der Wiel, Heitinga, Mathijsen, Willems - Van der Vaart, N. de Jong, Sneijder, Robben - Huntelaar, Van Persie
Liverpool-Stürmer Dirk Kuyt ist erster Kandidat auf eine Personalrochade auf der Außenbahn. Auch das Abwehrverhalten und das Zusammenspiel zwischen Abwehr und Mittelfeld gegen Deutschland waren nicht nach dem Geschmack des Teamchefs: „Die Abstimmung zwischen den beiden Innenverteidigern und dem Zentrum war schlecht.“ Immerhin hatte die bittere Niederlage gegen die Deutschen für Van Marwijk auch ihr Gutes: „Ich habe aus dem Spiel gegen Deutschland wieder etwas gelernt.“
Verheerende Bilanz
Lernen kann der Trainer auch etwas aus der Geschichte. Noch nie in der EM-Historie hat eine Mannschaft die Gruppenphase überstanden, wenn sie die ersten beiden Partien verloren hat. Und: Portugal das Prädikat Angstgegner zu verleihen, ist aus niederländischer Sicht noch untertrieben. Von zehn Duellen entschied „Oranje“ erst ein einziges für sich: in der Qualifikation für die Europameisterschaft 1992.
Im Halbfinale der EM 2004 und im Achtelfinale der WM 2006 kam jeweils gegen Portugal das Aus. Die größte Schmach fügten die Iberer den Niederländern 2002 mit dem Aus in der WM-Qualifikation zu: Zu Hause verlor die „Elftal“ mit 0:2, auswärts erreichte man nur ein 2:2. „Ich glaube trotzdem noch daran, dass wir weiterkommen“, sagte Stürmer Huntelaar. „Wir müssen nun alles oder nichts spielen“, sagte Mittelfeldregisseur Wesley Sneijder. „Es wäre eine Schande, wenn ‚Oranje‘ schon in der Vorrunde ausscheiden würde.“
Mourinho tippt auf Landsleute
Portugal tritt mit Selbstvertrauen aus dem Last-Minute-Sieg gegen Dänemark (3:2) zum Showdown in Charkiw an. Allerdings geht es bei den Portugiesen intern weiter rund. Auslöser der neuen Diskussion sind aber diesmal nicht die Personalentscheidungen von Teamche Paulo Bento, sondern die Ladehemmung von Superstar Cristiano Ronaldo.
AP/Armando FrancaRonaldos mangelnde Treffsicherheit wird in Portugal heftig diskutiertEin Thema, dass nicht nur die Leistungssteigerung der Portugiesen gegen die Dänen überlagert hat. Laut der seriösen Zeitung „Publico“ ist „die Siegesbesessenheit zu Ronaldos größtem Feind geworden“. Seine zwei vergebenen Topchancen gegen Dänemark beschäftigen nicht nur die Gazetten. Teamchef Bento hat das Gerede um seinen Superstar jedoch satt. „Aus unserer Sicht hat er zwei gute Spiele gemacht.“ Gegen die Niederlande zählt nur der Sieg - ob mit Ronaldo-Tor oder ohne.
„Wir wollen das Spiel gewinnen und in die nächste Runde einziehen. Dann schauen wir weiter“, sagte Joao Moutinho. Der portugiesische Startrainer Jose Mourinho ist von der Klasse seiner Landsleute überzeugt. „Portugal zählt zu den zwei, drei besten Mannschaften des Turniers“, verkündete der Real-Madrid-Meistermacher in der Sporttageszeitung „A Bola“. Sollten es Ronaldo und Co. ins Viertelfinale schaffen, könne „alles passieren“.
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Publiziert am 17.06.2012