Themenüberblick

„The Fields of Athenry“

1:3 gegen Kroatien, 0:4 gegen Spanien, 0:2 gegen Italien - aus sportlicher Sicht ist die EM für Irlands Kicker ernüchternd in der Vorrunde zu Ende gegangen. Dennoch dürfen sich die Inselkicker als Sieger fühlen, denn die Auszeichnung für die besten Fans ist der Mannschaft von Giovanni Trapattoni wohl nicht zu nehmen. „The Fields of Athenry“ wird bei dieser EM aber nicht mehr zu hören sein.

Nach der Abschiedspartie gegen Italien am Montagabend zollte sogar der Gegner den fairen „Fans in Green“ höchsten Respekt. „In meiner kurzen Zeit als Trainer habe ich noch nie so starke Emotionen empfunden wie diesmal beim Abspielen unserer Hymne“, betonte Italien-Coach Cesare Prandelli. Die irischen Fans hatten auch während der italienischen Hymne euphorisch mitgeklatscht und damit weitere Sympathiepunkte gesammelt. „Das ist ein fantastisches Publikum“, staunte Prandelli.

Verkleidete irische Fans mit Hut

AP/Gero Breloer

Sentimentaler Abschied

Wie schon in der Schlussphase gegen Spanien standen die Fans ihren Inselkickern auch gegen den vierfachen Weltmeister bis nach dem Schlusspfiff mit inbrünstigen Gesängen zur Seite. Die sympathische Geste zuvor, während des „Inno di Mameli“, veranlasste den italienischen Verband sogar zu einer offiziellen Stellungnahme. „Ich danke allen Fans, die vor dem Spiel bei unserer Hymne mitgeklatscht haben“, sagte eine Sprecherin nach der Partie am Montag in Poznan (Posen). Prandelli quittierte die Worte auf dem Podium bei der Pressekonferenz spontan mit Applaus.

Emotionaler EM-Höhepunkt

Die sangesfreudigen Fans der Iren hatten bereits bei der Niederlage gegen Titelverteidiger und Weltmeister Spanien, als der Abschied längst besiegelt war, mit minutenlangen Gesängen in der Schlussphase für einen emotionalen Höhepunkt dieser EM gesorgt. Während ihr Team den spanischen Ballkünstlern hilflos hinterherlief, sangen sich mehr als 20.000 Anhänger der „Boys in Green“ in der Arena von Gdansk (Danzig) die Seele aus dem Leib und sorgten damit für Gänsehautstimmung.

Irische Fans mit dem Rücken zum Spielfeld

Reuters/Dominic Ebenbichler

So schön kann Fußball sein

Die gegnerischen Fans erstarrten beim Erklingen der inbrünstigen Version der irischen Folkballade „The Fields of Athenry“ regelmäßig in Ehrfurcht und verstummten. Wie später bei Prandelli hatten diese Choräle auch auf Spaniens Teamchef-Routinier Vicente del Bosque großen Eindruck gemacht. „Die irischen Fans waren großartig. Das, was sie gezeigt haben, ist ein Beispiel dafür, worum es im Fußball geht“, bedankte sich der Weltmeister-Coach.

„Best supporters in the world“

Irland-Coach Trapattoni entschuldigte sich sogar, dass die Leistungen seiner Mannschaft mit jenen der Fans nicht Schritt halten konnten. „Wir sind mit viel Selbstvertrauen und Enthusiasmus zur EM gekommen, und sie haben uns immer angefeuert, auch wenn wir in Rückstand waren. Das dürfen die Spieler nie vergessen.“ Irlands Spieler rollten nach dem Italien-Match auf dem Spielfeld ein Dankesplakat aus: „Thank you best supporters in the world.“

Nur Roy Keane wollte nicht in den allgemeinen Lobgesang über die irische Anhängerschaft einstimmen. „Wir müssen unsere Einstellung ändern. Sicher sind wir ein kleines Land mit kleinen Ressourcen, aber wir sollten nicht zu einem Turnier fahren, nur um schöne Lieder zu singen“, bilanzierte der als TV-Experte arbeitende, frühere Star von Manchester United. Was die Frage aufwirft: Warum eigentlich nicht?

Links: