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Veränderungen „durchaus denkbar“

Joachim Löw ist wie Wickie, wenn sich der 52-Jährige an der Nase kratzt und mit dem Finger schnippt, hat er meist eine gute Idee. Bisher lag der DFB-Teamchef nämlich mit seinen Entscheidungen stets richtig und bewies bei der EM ein goldenes Aufstellungshändchen. Vor allem sein Wechselcoup gegen Griechenland brachte nicht nur den Sieg, sondern stellt den nächsten Gegner Italien auch vor ein großes Rätsel.

Mit dem Austausch der nahezu kompletten Offensive machte Löw sein Team noch unausrechenbarer. Niemand weiß, wie Deutschland im nächsten Spiel personell auftreten wird. Es sei denn, der berüchtigte Maulwurf plaudert vor dem Spiel wieder Interna aus. Bisher ist die undichte Stelle im DFB-Team noch nicht entlarvt. Bei den deutschen Journalisten ist dieses Thema von ähnlicher Größenordnung wie in Österreich im Winter die Denunzierung von ÖSV-Star Marcel Hirscher, die die „Einfädler-Affäre“ auslöste.

Kaum ein Spieler wird bei den Pressekonferenzen nicht nach dieser Causa befragt. Philipp Lahm und Co. können und wollen freilich weder zu diesem Thema noch zur möglichen Aufstellung gegen Italien eine Antwort geben. Auch Löw lässt sich vor dem Spiel am Donnerstag nicht in die Karten blicken und stiftet lieber noch mehr Verwirrung im Lager der „Squadra Azzurra“. „Es ist durchaus denkbar, dass es die eine oder andere Veränderung gibt zum Griechenland-Spiel. Manchmal sind eben andere Spielertypen gefragt“, erklärte der DFB-Teamchef.

Deutschlands Trainer Joachim Löw kratz sich an seinem KopfAPA/EPA/dpa/Andreas GebertEine schwere Entscheidung: Löw grübelt intensiv über seine Startelf

Löw hat „sein Näschen bewiesen“

Personell hat Löw, dessen Gedanken sich 24 Stunden am Tag nur noch um das Italien-Spiel drehen, natürlich ein Luxusproblem. Jede Position ist ohne Qualitätsverlust doppelt besetzt, Rotation leicht gemacht. „Der Trainer hat das Glück, den aufzustellen, für den er ein Näschen hat. Das hat er ja schon bewiesen“, erklärte Miroslav Klose. Bereits vor dem ersten Spiel gegen Portugal lag Löw richtig, als er sich statt Routinier Per Mertesacker für Mats Hummels entschied. Der Dortmunder Innenverteidiger spielte bisher ein herausragendes Turnier.

Auch die Entscheidung pro Mario Gomez, der in der Gruppenphase drei Tore erzielte, war sicher nicht die schlechteste. Was Mastermind Löw aber für das Italien-Spiel ausheckt, ist völlig offen. Spielt Klose? Oder Gomez? Kehren Lukas Podolski und Thomas Müller ins Team zurück? Darf Marco Reus neuerlich seine Dynamik einbringen? „Es ist nicht das Allheilmittel, mit dem Team zu spielen, das gewonnen hat. Italien ist eine ganz andere Hausnummer als Griechenland. Wir müssen schon noch mal einen draufsetzen, um zu gewinnen“, weiß Löw.

EM-Semifinale

Donnerstag 20.45 Uhr:

Live in ORF eins und im Livestream

Deutschland - Italien

Warschau, Nationalstadion, SR Lannoy (FRA)

Mögliche Aufstellungen:

Deutschland: Neuer - Boateng, Hummels, Badstuber, Lahm - Schweinsteiger, Khedira - Reus, Özil, Podolski - Klose

Italien: Buffon - Abate, Barzagli, Bonucci, Balzaretti - Marchisio, Pirlo, Montolivo, De Rossi - Balotelli, Diamanti

Wieder Klose oder doch Gomez?

Die Frage, die die deutsche Fußballnation dabei am meisten beschäftigt, ist die Wahl des Stürmers. Sowohl Gomez als auch Klose haben ihren Torinstinkt schon unter Beweis gestellt. „Ich gehe davon aus“, sagte der 34-jährige Lazio-Legionär auf die Frage, ob er auch gegen Italien erste Wahl sei. Zumindest bereite er sich so vor, „als ob ich spielen würde“. Auch Gomez hofft natürlich auf einen Einsatz. „Ich glaube nicht, dass schon eine Entscheidung gefallen ist“, erklärte der Bayern-Torjäger.

Klose hat in 120 Länderspielen 64 Tore geschossen und liegt damit nur noch vier Treffer hinter dem ewigen Rekord von Gerd Müller. Gomez hat bei 25 Toren in 56 Einsätzen auch keinen schlechteren Schnitt. Klose gilt allerdings als besserer Kombinationsspieler, der weitere Wege geht und sich mehr in die Partie einbringt. Gomez steht als Prototyp für den klassischen Mittelstürmer, der von den Vorlagen seiner Kollegen lebt. „Letztlich lebt eine Mannschaft davon“, erklärte Gomez zu den verschiedenen Möglichkeiten.

Vertrauen in Schweinsteiger

An einer Personalentscheidung lässt Löw allerdings gar keine Zweifel aufkommen. Bastian Schweinsteiger wird - ungeachtet seiner Blessur am Sprunggelenk und der mäßigen Leistung beim 4:2 gegen die Griechen - auch im fünften EM-Spiel von Beginn an spielen: „Wir brauchen Bastian Schweinsteiger, er ist ein emotionaler Leader. Wir brauchen seine Präsenz, seine Ruhe am Ball, seine Physis auf dem Platz. Ich glaube, dass wir das bis Donnerstag hinbekommen.“

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Publiziert am 28.06.2012