„Ziel muss sein, ganz vorne mitzufahren“
Die 64. Österreich-Rundfahrt wartet erneut mit einer starken Besetzung auf. Nach Carlos Sastre und Denis Mentschow im Vorjahr stehen diesmal die früheren Giro-Gewinner Stefano Garzelli und Danilo di Luca auf der Startliste. Die Teilnahme weiterer starker Kletterer reduziert auch die Chance auf den ersten ÖRV-Erfolg seit Thomas Rohregger im Jahr 2008.
Rohregger ist bei der am Sonntag in Innsbruck beginnenden 64. Auflage der einzige heimische Sieganwärter. Der Tiroler fährt seit Saisonbeginn im Team RadioShack-Nissan, das trotz zahlreicher Stars heuer bisher weit hinter den Erwartungen blieb.
Dafür gab es heftige Turbulenzen - intern mit den Brüdern Schleck und nun mit dem Dänen Jakob Fuglsang, der nach der Ausbootung für die Tour de France zur Ö-Tour kommen soll, und höchst offiziell um Manager Johan Bruyneel, der gemeinsam mit Ex-Schützling Lance Armstrong ins Visier der US-Anti-Doping-Agentur geraten ist.
Rohregger geht aufs Ganze
Rohregger kann sich davon ziemlich unbeeindruckt voll auf sein Rennprogramm konzentrieren. Nach dem harten Giro und zwei Wochen Höhentraining stellt sich der 29-Jährige dem Druck, der auf dem Lokalmatador lastet. Rohregger will die Erwartungen nicht noch höher schrauben und hält mit Aussagen hinter dem Berg. „Der Giro steckt noch in den Beinen, ich muss schauen, wie die Form ist, ich weiß nicht, wo ich stehe“, versuchte er im Vorfeld abzuwiegeln.

GEPA/Andreas Pranter
Rohregger legte sich schon beim Giro mächtig ins Zeug
Doch angesichts seines Sieges, einem zweiten Platz nach seinem bisher einzigen Etappensieg auf dem Horn 2007 und dem vierten Rang im Vorjahr zählt sich der Kramsacher auch selbst zum Favoritenkreis. „Ich habe bei der Rundfahrt schon viel erreicht, das Ziel muss sein, ganz vorne mitzufahren“, erklärte Rohregger. „Ich will eine super Leistung bieten und meine Chancen nützen. Ich kann nur mein Bestes geben und dann schauen, was herauskommt.“
Kletterspezialisten im Vorteil
Das Streckenprofil könnte für den Kletterspezialisten passender nicht sein. Neben Kitzbüheler Horn (2. Etappe) und Glockner (4.) warten ein steiler Schlussanstieg in Sonntagberg (NÖ) nach dem 5. und längsten Abschnitt und die Niederösterreich-Etappe mit mehreren Steigungen. Zudem wurde die Distanz des Zeitfahrens in Podersdorf etwas reduziert. RadioShack hat ein starkes Aufgebot genannt, in dem neben Fuglsang auch der Schweizer Oliver Zaugg (Sieger Lombardei-Rundfahrt 2011) steht.
Mit der Konkurrenz will sich Rohregger vorab nicht viel befassen, doch sie ist groß. Danilo di Luca, der 2009 in Innsbruck noch das Rosa Trikot des Giro getragen hatte, kehrt nach Aberkennung des späteren zweiten Gesamtranges und einer Dopingsperre als Italiens Vizemeister nach Tirol zurück. Garzelli, sein Teamkollege bei Acqua e Sapone, klettert auch noch immer stark.
Und dann sind da noch der Schweizer Johann Tschopp (BMC), der 2005 Gesamtzweiter der Österreich-Rundfahrt war, und vor allem Domenico Pozzovivo (ITA), der als Etappensieger und Gesamtachter des heurigen Giro vor allem bei der vorentscheidenden Kitzbüheler-Horn-Etappe sehr hoch einzuschätzen ist.
Sprinterduell Schorn - Haller
Fünf der sieben Österreicher, die bei Rennställen der zwei höchsten Kategorien engagiert sind, fahren in der Heimat. Es fehlen nur Tour-Teilnehmer Bernhard Eisel und Stefan Denifl, dessen Rennstall nicht an der Ö-Tour teilnimmt. Der Vorarlberger Matthias Brändle (NEtApp) fühlt sich heuer in den Bergen nicht so stark und legt sein Augenmerk daher auf einen Etappensieg. Auf gute Tagesplatzierungen setzt auch der Steirer Georg Preidler (Type 1).
Den Sprintern Daniel Schorn (NetApp) und Marco Haller (Katjuscha) bieten sich in der Alpenrepublik nur wenige Möglichkeiten, sie hoffen auf die erste und letzte Etappe. Den bisher letzten ÖRV-Etappenerfolg hat übrigens Rene Haselbacher 2008 geschafft. Seither gab es drei Auflagen ohne österreichischen Tagessieg.
Im Konzert der sechs Rennställe der ProTour und acht der Professional Continental Tour wollen auch die vier heimischen Teams Vorarlberg, Tirol, Wels Gourmetfein und WSA-Viperbike da und dort mitmischen. Die zwei ersten machen sich mit den Slowenen Robert Vrecer und Jure Golcer auch Hoffnungen in der Gesamtwertung.
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