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Australier nutzt „Heimvorteil“

Mark Webber hat mit seinem Sieg beim Grand Prix von Silverstone am Sonntag perfekte Werbung in eigener Sache betrieben. Der 35-jährige Australier zog im Poker um einen neuen Vertrag in der Formel 1 im richtigen Zeitpunkt ein Ass. „Es hilft meiner Situation“, sagte der Red-Bull-Pilot, der mit seinem zweiten Saisonsieg seinen Teamkollegen und Weltmeister Sebastian Vettel in den Schatten stellte.

Fünf Runden vor Schluss nutzte Webber seine besseren Reifen zum entscheidenden Überholmanöver gegen den spanischen WM-Leader Fernando Alonso im Ferrari. Zum zweiten Mal nach Monte Carlo durfte der Australier den Siegessekt schlürfen und verkürzte den Rückstand in der WM-Wertung auf Alonso auf 13 Punkte. Sein Vorsprung auf den drittplatzierten Vettel beträgt 16 Zähler. Gute Argumente für eine Verlängerung seines Engagements in der Formel 1.

Webber statt Massa?

„Ich kämpfe um einen neuen Vertrag“, sagte Webber, „es läuft bisher sehr gut. Ich hole Punkte, gewinne Rennen. Ich will nächste Saison wieder in der Formel 1 fahren.“ Erster, aber nicht einziger Ansprechpartner ist Red Bull. Webber ist auch als Ersatz für Felipe Massa bei Ferrari im Gespräch. Der Brasilianer steht bei der „Scuderia“ auf der Abschussliste. Mit Platz vier in Silverstone konnte Massa zumindest vorerst wieder den Kopf etwas aus der Schlinge ziehen. Bei Red Bull hat man die Zeichen der Zeit jedenfalls erkannt.

Mark Webber mit SektflascheAPA/EPA/Geoff CaddickWebber gelang heuer bereits zum zweiten Mal der Sprung an die Spitze

In den kommenden Wochen will sich Teamchef Christian Horner mit Webber zu ersten Verhandlungen treffen. Zuletzt wurde der Vertrag des 35-Jährigen immer nur um ein Jahr verlängert. Die derzeit starke Performance Webbers plus seine Führung im teaminternen Duell sind starke Argumente für den Australier. Die Stimmung im Team leidet laut Horner aber nicht darunter. „Sebastian (Vettel) weiß, dass er in Mark einen richtigen Konkurrenten hat“, sagte der Engländer, „und Mark weiß, dass Sebastian zuletzt das Maß der Dinge war.“

„Mit beiden Händen gepackt“

In Silverstone stand der Deutsche aber klar im Schatten seines Teamkollegen. Webber gewann nach 2010 zum zweiten Mal in den vergangenen drei Jahren auf seiner „Heimstrecke“. Der 35-Jährige wohnt in der Nähe der Rennstrecke und dem nahegelegenen Teamhauptquartier in Milton Keynes. Dank Heimschläfererlaubnis holte sich Webber die richtige Kraft für das Rennen. „Ich fahre überall gerne Rennen, aber hier ist es speziell“, sagte der Australier, der 1996 in Silverstone in der Formel Ford sein erstes Rennen gewinnen konnte.

Am Sonntag bewies Webber auch die nötige Geduld. Lange Zeit fuhr er hinter dem Ferrari von Alonso her, als die Reifen des Spaniers jedoch schlechter wurden, schlug der 35-Jährige eiskalt zu. „Ich habe die Chance mit beiden Händen gepackt und nicht mehr losgelassen“, sagte Webber, „es war meine einzige Gelegenheit, und die wollte ich nicht verpassen. Wenn man das Blut riecht, muss man zuschlagen.“

Alonso blieb nichts übrig, als den Red-Bull-Boliden vorbeizulassen. „Es war ein leichtes Überholmanöver für ihn. Wir konnten nichts mehr tun“, sagte der Spanier, der zuletzt den Grand Prix von Europa in Valencia für sich entschied. „Wir sind auf dem richtigen Weg. Ich bin sehr stolz darauf, wie sich das Team erholt hat“, so Alonso, „wir sind in den letzten Rennen immer um den Sieg mitgefahren.“ Am 22. Juli geht das Duell Alonso gegen Webber am Hockenheimring in die nächste Runde.

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Publiziert am 10.07.2012