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Durststrecke ist zu Ende

Roger Federer hat mit seinem siebenten Titel in Wimbledon allen Kritiker eine sportliche Ohrfeige verpasst. Der 30-jährige Schweizer beendete am Sonntag mit dem Sieg über Lokalmatador Andy Murray seine seit 2010 andauernde Durststrecke bei Grand Slams und bewies, dass sein Stern noch lange nicht im Begriff ist zu sinken. Federer ist wieder ganz der Alte - trotz Doppelbelastung.

Seit seinem Sieg bei den Australian Open 2010, der Finalgegner hieß damals ebenfalls Murray, musste die neue Nummer eins der Welt auf einen weiteren Erfolg bei einem Grand-Slam-Turnier warten. Zahlreiche bittere Niederlagen musste der Schweizer einstecken. So etwa im Finale der French Open 2011 gegen den Spanier Rafael Nadal oder auch im Viertelfinale von Wimbledon gegen Jo-Wilfried Tsonga aus Frankreich. „Es hat einfach nicht sein sollen“, sagte Federer.

Andy Murray gratuliert Roger Federer zum SiegReuters/Toby MelvilleFinalgegner Murray war der erste Gratulant bei Wimbledon-Sieger Federer

„Wollte wieder Titel“

Anders als zahlreiche Beobachter verlor der Gewinner von nunmehr 17 Grand-Slam-Turnieren aber nie den Glauben in seine Fähigkeiten. Mit harter Arbeit kämpfte er sich an Nadal und den Serben Novak Djokovic wieder heran. „Ich habe gutes Tennis gespielt“, sagte Federer, „aber ich wollte wieder Titel gewinnen und nicht etwa im Viertel- oder Semifinale ausscheiden.“ Obwohl er im Semifinale von Paris erneut an Djokovic scheiterte, spürte Federer das Ende seiner Durststrecke bei einem Grand Slam herannahen.

„Ich habe realisiert, dass 2012 noch sehr viel möglich ist“, sagte der Schweizer. Mit dem Triumph in Wimbledon durchbrach Federer den Bann endgültig. „Ich habe es vermisst, im Finale zu stehen. Der Sieg kommt genau zum richtigen Moment“, sagte der 30-Jährige, der auf der Tribüne von seiner Frau und seinen beiden Töchtern angefeuert wurde. „Dieser Erfolg ist ein Traum für mich und meine Familie. Ich denke, das Ganze muss erst ein wenig sacken.“

Töchter als Herausforderung

Die Geburt seiner Zwillingstöchter 2009 ist für Federer auch mit ein Grund für den zwischenzeitlichen Rückfall. „Viele Leute vergessen darauf, aber es hatte große Auswirkungen auf mein Leben“, sagte der Schweizer, „schon alles unter einen Hut zu bringen war eine große Herausforderung.“ Herausforderung und Motivation: „Es hat meinem Spiel aber sicher auch geholfen“, so Federer, „denn ich glaube, ich spiele so gut wie noch nie.“

Der früherer US-Star Pete Sampras, dessen Wimbledon-Rekord der 30-Jährige am Sonntag egalisierte, unterstreicht Federers Selbsteinschätzung. „Er wird jetzt nicht nachlassen und will auch die sieben Titel noch übertreffen“, sagte der 40-Jährige. Bereits Ende Juli kehrt Federer nach Wimbledon zurück. Denn das olympische Tennisturnier findet ebenfalls auf dem „heiligen Rasen“ im Süden Londons statt. Und Einzelgold fehlt noch in seiner Sammlung. 2008 in Peking gewann er mit Stanislas Wawrinka „nur“ im Doppel.

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Publiziert am 10.07.2012