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Aufstieg zu „Everybody’s Darling“
Der 25-jährige Schotte rang bei der Siegerehrung mit tränenerstickter Stimme nach Worten. „Ich werde es versuchen, aber es wird nicht einfach“, erklärte Murray, der in der Vergangenheit schon öfters für seine unterkühlten und stoischen Auftritte kritisiert worden war. Seine offen zur Schau gestellte Emotionalität nach der 6:4 5:7 3:6 4:6-Niederlage machte Murray aber zum Sieger der britischen Herzen. Die ganze britische Insel fühlte mit Murray, der in den letzten zwei Wochen zu „Everbody’s Darling“ aufgestiegen war.
APA/EPA/Gerry PennyNach dem Finale war es bei Andy Murray vorbei mit der Contenance„Andy, wir wissen, wie du dich fühlst“
Als sich Murray wieder gefangen hatte, erwies er sich als fairer Verlierer und wahrer Gentleman. „Ich habe gegen einen Spieler verloren, der dieses Turnier sieben Mal gewonnen hat und die Nummer eins der Welt ist. Wir sprechen hier von einem der größten Sportler aller Zeiten. In diesem Kontext sollte man die Niederlage sehen“, erklärte Murray. „Wimbledon ist kein leichtes Turnier für britische Spieler, aber ich bin mit dem Druck gut umgegangen, besser als in der Vergangenheit.“
Auch die englische Presse trauerte mit ihrem Tennisstar. „Es gab einen langen, schönen Moment, da schien es möglich zu sein. Doch dann fielen die Tränen wie der Regen, und der Regen fiel wie die Tränen“, schrieb „The Times“ über den zerplatzten Traum. „Andy, wir wissen, wie du dich fühlst. Er hat der Nation nicht den erhofften Auftakt in den goldenen Sportsommer beschert, aber er hat das Zweitbeste geschafft. Auf Augenhöhe und teilweise brillant hat er sich gegen Roger Federer gewehrt“, zollte der „Independant“ dem Schotten Respekt.
Experten sehen vergebene Chance
Unter dem Strich blieb für Murray aber nicht der große Triumph, sondern die vierte Niederlage in seinem vierten Grand-Slam-Finale - drei davon gegen Federer. Der einzige Spieler, der in der „Open era“ ebenfalls seine ersten vier Major-Endspiele verloren hat, ist ausgerechnet Murray-Coach Ivan Lendl. Der gebürtige Tscheche gewann allerdings danach noch zweimal die Australian und je dreimal die French und US Open - nur der Triumph in Wimbledon blieb ihm versagt.
Immerhin gewann Murray erstmals einen Satz, was er mit Ironie quittierte: „Ich komme schon näher.“ Viele Experten sahen allerdings nach dem frühen Scheitern von Rafael Nadal die Chance für Murray, erstmals ein Grand-Slam-Turnier zu gewinnen, niemals größer. „Diese Gelegenheit ist vorbei, das Match kann ich nicht mehr rückgängig machen. Aber ob es meine beste Chance war? Es war erst das erste Mal, dass ich im Finale von Wimbledon gestanden bin.“
Reuters/Stefan WermuthTrotz 15.000 Fans im Stadion fühlte sich Murray wohl ziemlich alleineNBA-Star James als Vorbild
Für die Zukunft sieht Murray aber noch Luft nach oben, mit 25 Jahren hat er seinen Leistungsplafond noch nicht erreicht. „Ich entwickle mich weiter und versuche mich zu verbessern. Auch in diesem Finale habe ich besseres Tennis gezeigt als in den ersten drei Endspielen. Das ist die Hauptsache und alles, was ich beitragen kann“, stellte die Nummer vier der Welt klar.
Als Vorbild für die Zukunft nimmt sich Murray einen anderen Sportler, LeBron James. Der Starspieler der Miami Heat musste vor seinem ersten NBA-Triumph zwei bittere Finalniederlagen hinnehmen. „Er hat gesagt, dass er einige Alpträume durchleben musste, bevor er seinen Traum verwirklichen konnte. Ich glaube, dass für mich das Gleiche gilt. Aber es wird natürlich nicht einfacher, so viel ist klar“, erklärte Murray.
Ohne Chance bei geschlossenem Dach
Einfach hat es Murray auch der Verlauf des Finales nicht unbedingt gemacht. Bei Sonnenschein dominierte der Schotte den ersten Satz, doch nach der Regenunterbrechung und bei geschlossenem Dach hatte Murray gegen den besten Hallenspieler im Tenniszirkus kaum noch eine Chance. 20 seiner insgesamt 75 Titel konnte der Schweizer in der Halle verbuchen und damit mehr als Murray (9), Novak Djokovic (5) und Rafael Nadal (1) zusammen.
„Es ist schon bisschen anders, bei geschlossenem Dach zu spielen. Ich glaube, Federer hat seit 2010 kein Spiel in der Halle verloren. Vor allem in den letzten beiden Sätzen hat er sehr, sehr gut gespielt. Er hat besser aufgeschlagen und unglaubliches Tennis gespielt“, sah sich Murray nach der Regenpause auf verlorenem Posten.
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Publiziert am 09.07.2012