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Die entscheidenden acht Millimeter
Dem Engländer stehen für die Olympiavorbereitung die besten Greenkepers des Landes zur Verfügung, mit entspannender Gartenarbeit hat seine Tätigkeit im „All England Lawn Tennis and Croquet Club“ aber wenig zu tun, sie gleicht eher einer Wissenschaft.
Millimeterarbeit
Für die „optimale Performance“ muss der Rasen wie beim Grand-Slam-Turnier auch bei den zehn bei Olympia bespielten Plätzen auf exakt acht Millimeter geschnitten werden. „Mähen, mähen und mähen“, ist daher auch das Motto von Seaward, der aber niemals mehr als zwei Millimeter pro Mähgang schneidet.
AP/Alastair GrantGreenkeeper Eddie Seaward ist der wahre „Rasenkönig“ in WimbledonProblematischer sind die braunen Flecken im Grün. „Wir wissen, dass der Rasen um die Grundlinien herum abgenützter als der Rest ist, aber sobald man ihn etwas gießt, sprießt schon wieder etwas Grün“, sagte Seaward. Rund einen Millimeter pro Tag soll das Gras wachsen, die größten Gefahren drohen vom unvorhersagbaren britischen Wetter mit seinem Regen und dem Urin herumstreifender Füchse.
„Die Zeit ist kurz, aber wir haben schon alles getestet.“ Ein Rollrasen verbietet sich für den Briten von selbst, stattdessen setzt er auf vorgezogenen Ersatzrasen, der an den kritischen Stellen eingepflanzt wird, und seine jahrelange Erfahrung.
Rasenwissenschaft
In seinen über zwei Jahrzehnten in Wimbledon hat Seaward schleichend kleine Veränderungen vorgenommen. Mit freiem Auge sind sie nicht bzw. kaum zu erkennen, aber der Boden ist jetzt beispielsweise eine Spur trockener und damit härter. Der Rasen wurde etwas widerstandsfähiger, und ein stärkerer Luftzug zwischen den Halmen trocknet ihn schneller.
Durch den härteren Boden springt der Ball jetzt höher ab als noch vor Jahrzehnten. „Und das gibt den Spielern einen Sekundenbruchteil mehr Zeit, den Ball zu spielen“, sagte der 68-Jährige, der sich über seinen Erfolg freut: „Dadurch, dass wir den Court etwas verlangsamt haben, sehen wir nun längere Rallies.“
Stars freuen sich auf Olympia
Auch die Stars freuen sich schon auf das olympische Turnier in Wimbledon. „Die Kombination ist fantastisch. Wimbledon ist der Heilige Gral des Tennis. Dass die Olympischen Spiele hierher kommen, ist ein Traum, der wahr wird“, sagte etwa der siebenfache Triumphator in Wimbledon, Roger Federer. Für Olympia, das zum zweiten Mal nach 1908 in Wimbledon stattfindet (damals verzichteten einige Stars und die Titel gingen alle an Briten) wird es aber einige Änderungen im Vergleich zum Grand-Slam-Turnier geben.
Statt einem 128er-Raster spielen nun nur noch 64 Spieler im Einzel und bei den Herren wird der Sieger statt im „Best of five“ im „Best of three“-Modus ermittelt. Neben der Anbringung olympiaspezifischer Logos und Transparente wird die augenscheinlichste Änderung die Spieler selbst betreffen: Sie sind aufgefordert, nicht im obligatorischen Weiß sondern in bunter Kleidung, etwa in ihren Nationalfarben, anzutreten. Das Leben von Chef-Greenkeeper Seaward erlebt damit seinen bunten Höhepunkt, denn nach Olympia geht der 68-Jährige in Pension. Dann wird er sich nur mehr um den Rasen vor seinem Haus kümmern. Ob er diesen auch pedantisch auf acht Millimeter stutzt, ist nicht überliefert.
Oliver Mück, ORF.at
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Publiziert am 14.07.2012