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Gastspiel im Croke Park?

Seit 2007 gehört ein Spiel im Londoner Wembley-Stadion zum Fixpunkt einer Saison der National Football League (NFL). Die Liga bastelt nun am nächsten europäischen Coup. Ein Spiel in Irland steht auf der Prioritätenliste ganz oben. Mit einem Spiel im Croke Park von Dublin will die NFL die große Begeisterung für die amerikanische Version von Football auf der „Grünen Insel“ weiter anheizen.

Aufgrund des Erfolges in London plant die NFL schon seit längerem ein zweites jährliches Gastspiel außerhalb der USA. Bisher galten auch das Millennium Stadium im walisischen Cardiff und das Olympiastadion in Berlin als mögliche Schauplätze der International Series. Dan Rooney, seines Zeichens Besitzer der Pittsburgh Steelers und Botschafter der USA in Irland, verhandelt mit den Verantwortlichen des Croke Park.

Das mit einem Fassungsvermögen von 82.300 Plätzen nach dem Camp Nou, Wembley und Bernabeau viertgrößte Stadion Europas, entspricht genau dem Geschmack der NFL. „Es wäre fantastisch“, wird Rooney auf der Homepage der Liga zitiert, „wir waren schon 1997 zu einem Vorbereitungsspiel hier.“

Irisches Nationalsymbol

Auch Vertreter der Liga nahmen das Stadion im Nordteil der irischen Hauptstadt bereits unter die Lupe. Das Urteil: Der Croke Park ist für die NFL „sehr attraktiv“. Mark Waller, Marketingleiter der Liga: „Wir brauchen ein großes Stadion. Wir haben schon damals vor Wembley lange nach einem passenden Stadion gesucht. Jetzt, wo wir ernsthaft über ein zweites internationales Gastspiel nachdenken, sind Irland und dieses Stadion sehr interessant.“

Croke Park in Dublin, IrlandAP/Peter MorrisonDer moderne Croke Park stellt so manches andere Stadion in den Schatten

Die Arena in Dublin ist eines der Wahrzeichen der Stadt - und noch mehr. Denn was das Wembley-Stadion für England, ist der „Croker“ für Irland. Die 1913 eröffnete und zwischen 1995 und 2004 zum modernen Schmuckstück umgebaute Stadion ist das sportliche Symbol des irischen Nationalbewusstseins. Alljährlich lockt das All-Ireland-Finale im Gaelic Football und Hurling die Massen in den Croke Park.

1920 wurde das Stadion auch in die Wirren des irischen Unabhängigkeitskrieges gezogen. Am 21. November eröffneten britische Truppen während eines Spiels zwischen Dublin und Tipperary das Feuer. 14 Tote, darunter der Kapitän Tipperarys, Michael Hogan, waren zu beklagen. Der Tag ging als „Bloody Sunday“ in die irische Geschichtsschreibung ein.

Ausnahme für Football

Der „blutige Sonntag“ manifestierte sich auch in einer der strengsten Platzregeln des Croke Park. Die Arena blieb bis 2007 den typisch irischen Sportarten vorbehalten. „Englische“ Spiele wie Fußball und Rugby waren von der mächtigen Gaelic Athletic Association (GAA) untersagt. Erst der notwendige Umbau des Fußballstadions an der Lansdowne Road in das moderne Aviva-Stadion zwang die GAA-Funktionäre auf Druck der irischen Regierung, fremde Sportarten zuzulassen. Von 2007 bis 2010 diente der Croke Park auch den Nationalteams im Fußball und Rugby als Heimstätte.

Bei American Football war die GAA aber auch davor nicht so streng. Neben dem Gastspiel der Steelers gegen die Chicago Bears 1997 gastierten auch die College-Teams der Universität von Notre Dame und der Naval Academy im Croke Park. Schon damals schlug den US-Teams große Begeisterung entgegen. Ein Umstand, den die NFL weiter nutzen möchte. „Schon die Spiele in London sind sehr erfolgreich“, so Steelers-Boss Rooney, „die Tickets sind immer sofort ausverkauft. Auch in Irland ist das Interesse sehr groß.“

So groß, dass Notre Dame und die Navy im September zum zweiten Mal in Irland gastieren. Die Partie, die diesmal im Aviva-Stadion stattfindet, war binnen kürzester Zeit ausverkauft. Die Sympathien werden so wie beim ersten Mal klar zugunsten von Notre Dame verteilt sein. Kein Wunder, lautet der Spitzname der Sportabteilung doch „Fighting Irish“. Und wie begeisterungsfähig irische Fans sind, durfte zumindest die europäische Öffentlichkeit zuletzt bei der Fußball-EM in Polen und der Ukraine erleben.

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Publiziert am 09.08.2012