Themenüberblick

„Unser Weg stimmt“

Knapp eineinhalb Monate nach dem EM-Halbfinal-Aus und den geplatzten Titelträumen hat der deutsche Teamchef Joachim Löw die Marschroute für die WM 2014 in Brasilien vorgestellt. „Unser Weg, den wir eingeschlagen haben, der stimmt“, betonte der DFB-Chefcoach vor dem Testspiel gegen Argentinien am Mittwoch in Frankfurt. „Wir haben ein langfristiges Konzept, daran werden wir festhalten.“

Bei seinem ersten öffentlichen Auftritt 46 Tage nach dem 1:2 gegen Italien war bei Löw der Ärger über die negative Berichterstattung nach dem Ausscheiden noch nicht verraucht. „Teile dieser Kritik halte ich nicht für zielführend und ermüden mich“, sagte der 52-Jährige, dem unter anderem Fehler in der Aufstellung vorgeworfen worden waren. Er übernehme dafür aber die ganze Verantwortung und versuche „die Lehren zu ziehen“.

Deutscher Bundestrainer Joachim Löw

Reutes/Alex Domanski

Löws Ärger über die Kritik nach dem EM-Aus ist noch nicht verraucht

Insgesamt würde die statistische Auswertung des deutschen EM-Auftritts in Polen und der Ukraine sogar Fortschritte belegen im Vergleich zur WM 2010. „Wir haben mehr Torchancen herausgespielt, viel mehr Torabschlüsse gehabt. In der Defensivorganisation haben wir weniger Torchancen der Gegner zugelassen. Wir hatten mehr Ballbesitz“, zählte Löw auf.

„Spielerisch in der oberen Liga“

An kleineren Fehlern wie etwa der Chancenverwertung müsse das Team noch arbeiten. „Da ist sicher nicht alles Gold, was glänzt“, räumte Löw ein und ergänzte: „Es ist immer noch ein kleiner Schritt von Weltklasse zu Weltspitze.“ An den enormen Fortschritten in den vergangenen Jahren lässt Löw jedoch nicht rütteln: „Spielerisch sind wir absolut in der oberen Liga.“ Er werde seinen Kurs als uneingeschränkter Chef deshalb bis zur WM 2014 in Brasilien durchziehen. Das Ziel Titel bleibe.

Die Kampfansage des früheren Austria- und Tirol-Betreuers, der mit der DFB-Auswahl nun schon acht Jahre - sechs davon als Chef - arbeitet, darf als eine Art Regierungsprogramm für die wahrscheinlich letzten 24 Monate seiner Amtszeit verstanden werden. Und wie die Generation um Bastian Schweinsteiger und Philipp Lahm ist es auch für Löw die vielleicht letzte Chance zur Titelkrönung. „Selbstverständlich werden wir danach streben, dass wir das erreichen“, verkündete der 52-Jährige.

Löw setzt weiter auf Routinier Klose

Gegen die Argentinier möchte Löw in Abwesenheit von Profis wie Lahm, Schweinsteiger oder Mario Gomez schon die nächste Generation der Talente wie beispielsweise den 18-jährigen Schalker Offensivmann Julian Draxler für den Ernstfall testen. „Das ist ist eine Klassemannschaft. Es ist ein guter Maßstab für die anstehenden Qualifikationsspiele im September und Oktober“, so Löw, der vier Tage nach dem Auftakt in der WM-Qualifikation gegen die Färöer am 11. September in Wien auf die ÖFB-Auswahl trifft.

Miroslav Klose, Deutscher Stürmer

APA/EPA/Andreas Gebert

Vier Länderspieltore fehlen Klose noch auf den „Bomber der Nation“

Gerade für die Jungen sei die Begegnung mit Messi und Co. ein echter Gradmesser. Deshalb kündigt der DFB-Teamchef viele Wechsel an, „um viele Spieler zu sehen.“ Auf der zentralen Stürmerposition drängt sich indes kaum eine Alternative zu Routinier Miroslav Klose auf. Bis zur WM 2014 ist der 34-Jährige gesetzt. „Selbstverständlich werde ich in den nächsten zwei Jahren auf ihn setzen“, sagte Löw. „Miro ist ein Spieler, bei dem ich die Altersgrenze im Moment nicht sehe.“

Klose jagt den „Bomber der Nation“

Der Lazio-Legionär könnte am Mittwoch beim Klassiker gegen Argentinien sein 122. Länderspiel für Deutschland bestreiten. Mit 64 Toren ist er als Zweiter der deutschen Torjägerliste nur noch vier Treffer von Rekordschütze und „Bomber der Nation“ Gerd Müller entfernt. Bei einer insgesamt vierten WM-Teilnahme 2014 könnte er auch den Brasilianer Ronaldo als WM-Rekordtorjäger ablösen. Ronaldo hat 15 Endrundentore erzielt, Klose steht bei 14.

„Wenn ich bei der WM dabei und gesund bin, will ich Ronaldos Rekord auch knacken“, sagte Klose in der am Mittwoch erscheinenden Ausgabe der „Sport-Bild“. Nach der kommenden WM-Endrunde will er seine Nationalmannschaftslaufbahn beenden. „Ob ich weiter auf Vereinsebene spielen werde, entscheiden ganz allein meine Gesundheit und Fitness“, kündigte der 34-Jährige an.

Links: