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„Absolut nicht zutreffend“

In der Affäre um seinen kontroversen Abgang aus der Nationalmannschaft wehrt sich Paul Scharner nun gegen die öffentliche Darstellung des Konflikts mit ÖFB-Teamchef Marcel Koller. Der 32-jährige Niederösterreicher bezeichnete den Vorwurf, er habe unter Koller im Team eine Schlüsselrolle gefordert, als „absolut nicht zutreffend“.

„Es ist typisch österreichisch, da wird die Wahrheit verdreht“, sagte Scharner kurz vor seinem Abflug nach Hamburg in der Mittags-ZIB. Nie habe er einen Stammplatz in der WM-Qualifikation gefordert. „Schon bei meiner Ankunft in Österreich war den Medien zu entnehmen, dass ich gegen die Türkei und auch in Zukunft nicht mehr spielen werde“, wurde der 32-Jährige am Donnerstag auf der Website seines neuen Vereins Hamburger SV zitiert.

Scharner kein Trainer

Daraufhin habe er das Gespräch mit Koller gesucht. Ein Gespräch, das laut Scharner „unter der Gürtellinie“ gewesen sei. Der Schweizer habe ihm bestätigt, dass er trotz Scharners guten Leistungen künftig auf andere Spieler setzen werde. Statt auf ihn zu bauen, habe Koller Scharner „in den Mannschaftsrat beordert, weil ich das Team pushen und führen sollte“, erklärte der Niederösterreicher.

„Diese Rolle kann ich nicht akzeptieren, und dafür kann ich mich auch nicht zur Verfügung stellen. Das kommt der Funktion eines Trainers gleich“, so der Verteidiger. „Koller hat daraufhin die Aussage gemacht, dass ich unter ihm nicht mehr spielen werde. Deswegen habe ich die Mannschaft verlassen. Dann kann ich mich besser mit voller Kraft dem HSV widmen.“

Paul Scharner (r.) beuim HSV-Training mit Heung Min Son und Janek SternbergAPA/dpa/Daniel ReinhardtÖFB ist Vergangenheit, Scharner zeigt nur noch vollen Einsatz für den HSV

Kopfschütteln bei Koller

Bei Koller sorgt das alles nach wie vor für höchste Verwunderung. Der Schweizer wies Scharners via „News“ geäußerte Kritik, mit ihm sei respektlos umgegangen worden, entschieden zurück. „Ich versuche, jeden respektvoll zu behandeln. Wenn er das Gefühl hat, dass es bei ihm nicht so ist, wäre es auch respektvoll, wenn er zuerst mit mir darüber spricht und nicht an die Öffentlichkeit geht“, erklärte Koller, der ein von Scharner angekündigtes Schreiben bereits erhalten hat.

„Der Brief ist eine reine Selbstdarstellung von ihm“, erzählte der Schweizer. Koller hatte das „News“-Interview Donnerstagmittag nach eigenen Angaben noch nicht gelesen, wusste aber zumindest auszugsweise Bescheid - so etwa über den Vorwurf, er habe sich im Sommer verändert. „Das stimmt hundertprozentig nicht. Ich versuche immer, professionell und am besten für die Mannschaft und den Fußball zu entscheiden.“

„Er hat den Konkurrenzkampf nicht angenommen“

Der 51-Jährige wunderte sich über den abrupten Meinungsumschwung bei Scharner. „Vorher war alles gut, und als er wusste, dass er nicht spielt, war auf einmal alles schlecht.“

Scharner beschwerte sich über mangelnde Wertschätzung und darüber, dass er lediglich als Ersatzmann vorgesehen sei. Laut Koller hätte der frühere Premier-League-Legionär, den er erst am Montag in den Mannschaftsrat berufen hatte, in der WM-Qualifikation aber durchaus eine tragende Rolle einnehmen können. „Wenn ich den Eindruck gehabt hätte, es reicht nicht fürs Nationalteam, hätte ich ihn nicht einberufen.“

In der ÖFB-Innenverteidigung herrsche angesichts von Spielern wie Sebastian Prödl, Emanuel Pogatetz und Aleksandar Dragovic der größte Konkurrenzkampf von allen Mannschaftsteilen, so Koller. „Diesen Konkurrenzkampf hat er nicht angenommen und die Konsequenzen gezogen“, erklärte der Nationaltrainer.

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Publiziert am 17.08.2012