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Meister der Verschleierung

Dass Lance Armstrong in seiner Karriere keinen positiven Dopingtest ablieferte, ist zumindest für die französische Anti-Doping-Agentur (AFLD) nicht überraschend. Der von der amerikanischen Anti-Doping-Behörde (USADA) lebenslang gesperrte US-Amerikaner soll auf Tests immer vorbereitet gewesen sein. „Er wurde vor den Kontrollen gewarnt“, sagte Michel Rieu in einem Interview mit „Le Monde“.

Der wissenschaftliche Berater der AFLD zeigte sich in dem Gespräch mit der französischen Tageszeitung überzeugt, dass Armstrong von Informanten immer rechtzeitig einen Tipp bekommen hatte, um seinen Körper auf die Besuche der Tester vorbereiten zu können. „Die Kontrolleure hatten Schwierigkeiten, unangekündigte Tests durchzuführen, ohne dass Lance Armstrong einen Vorsprung von 20 Minuten hatte“, wird Rieu zitiert.

Lance Armstrong geht zum Doping-TestAPA/EPA/Nicolas BouvyAuf Dopingkontrollen war Armstrong laut Rieu immer gut vorbereitet

Hinauszögern aus Prinzip

Die AFLD, die erst 2007 bei der Tour de France freie Hand zu Kontrollen bekam, wusste laut Rieu etwa immer erst im letzten Moment, in welchem Hotel Armstrong nach einer Etappe wohnte. Seine Umgebung hätte immer wieder diverse Vorwände gefunden, um dem 40-jährigen US-Amerikaner zumindest 20 Minuten Vorsprung auf die Kontrollen zu geben. Armstrong nutzte laut Rieu sein großes Netzwerk, zu dem auch mehrere Physiologen gehört hätten.

Armstrong sei das im Ausdauersport für Blutdopingzwecke genutzte Hormon EPO nur in kleinen Dosen verabreicht worden, durch die Warnungen habe er sein Blut verdünnen oder auch seinen Urin ersetzen können. „Ohne Informationen der Polizei oder der Zollbehörden wären wir hilflos gewesen“, sagte Rieu in dem Interview. Der US-Amerikaner selbst habe im Ernstfall auch selbst die Testversuche hinausgezögert.

Rieu erinnerte an einen Vorfall vor der Tour 2009, als Armstrong im März die unangekündigte Kontrolle hinausgezögert hätte. Er habe den Kontrolleur nach einem Beweis für seine Identität gefragt. Der US-Amerikaner hatte damals erklärt: „Ich hatte keine Ahnung, wer der Mann war oder ob er die Wahrheit sagte.“ Der 40-Jährige hat solche Manipulationsvorwürfe jedoch stets zurückgewiesen.

Mit UCI unter einer Decke?

Rieu sah gegenüber „Le Monde“ auch den Internationalen Radverband (UCI) in die Verschleierungstaktik verwickelt. Laut dem Berater sei die Angst, dass der ganze Radsport Schaden nimmt, wenn sein damaliges Aushängeschild auffliegt, zu groß gewesen. Armstrong soll bis in höchste Kreise der UCI und auch der französischen Politik gute Verbindungen genossen haben. Schon beim Einstieg der AFLD in die Tour wäre die bevorzugte Behandlung des Armstrong-Rennstalls durch die UCI-Prüfer zu bemerken gewesen sein.

UCI-Boss Pat McQuaid hat Verstrickungen des Verbandes stets abgewiesen. Die Union Cycliste Internationale (UCI) geriet jedoch unter dem früheren Präsidenten Hein Verbruggen unter Verdacht, eine positive Dopinganalyse Armstrongs aus der Tour de Suisse 2001 nicht veröffentlicht zu haben. Danach erfolgten mysteriöse Spenden von Armstrong an die UCI in Gesamthöhe von 125.000 Dollar. Den Grund für die noble Gabe konnte die UCI nie schlüssig erklären.

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Publiziert am 28.08.2012