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32 Athleten im Medaillenringen

Zweieinhalb Wochen nach dem Ende der Olympischen Spiele ist die britische Hauptstadt London erneut Gastgeber eines sportlichen Großereignisses. Die am Mittwoch beginnenden 14. Paralympischen Spiele der Behindertensportler sollen dem Olympiafest um nichts nachstehen. Österreichs Team ist klein, aber fein. Das Ziel ist ein ähnlich erfolgreiches Resultat wie vor vier Jahren in Peking.

2008 eroberten Österreichs Behindertensportler in der chinesischen Hauptstadt sechs Medaillen: Viermal Gold, einmal Silber und einmal Bronze brachte die heimische Abordnung mit nach Hause. In London treten 32 Aktive - also nicht einmal die Hälfte des 70-köpfigen Aufgebots der Olympischen Spiele - für das Österreichische Paralympische Committee (ÖPC) im Kampf um die Medaillen an. Insgesamt messen sich bis zum 9. September 4.200 Sportler aus 160 Nationen in 20 Sportarten.

Kritische Klassenzusammenlegung

Trotz der erfolgreichen Bilanz von Peking bleibt man im österreichischen Team mit Prognosen vorsichtig. Weniger wegen der jüngsten und unerwarteten Medaillenlosigkeit von Österreichs nicht behinderten Sportlern, sondern weil bei den Paralympics zwecks Übersichtlichkeit immer mehr Klassen zusammengelegt werden und die Entwicklung besonders rasant vorangehe. „Medaillenlos werden wir aber nicht bleiben, davon bin ich fest überzeugt“, versprach Teammanager Walter Pfaller. „Wenn wir ähnlich wie in Peking abschneiden, kann man aber von einer erfolgreichen Mission sprechen.“

Logo der Paralympics auf der Tower Bridge in LondonAP/Sang TanAuch die Tower Bridge in London ist bereit für die Paralympics

Das am heißesten diskutierte Thema unter den Aktiven ist die zunehmende Zusammenlegung der Klassen, die es den stärker Behinderten kaum noch möglich macht, erfolgreich zu sein. Auch die Streichung ganzer Bewerbe sorgt für Unmut. Betroffen davon ist z. B. Rollstuhlfahrer Thomas Geierspichler, der eineinhalb Jahre vor London hinnehmen musste, dass es in seiner Klasse in London keinen Marathon mehr gibt. Statt dort Gold verteidigen zu können, musste sich der Salzburger kurzfristig in einen „Sprinter“ verwandeln.

Einmal Birne, einmal Apfel

„Im ersten Moment wollte ich aufhören, jetzt aber stelle ich mich der Herausforderung“, sagte Geierspichler, der nun über 100 m, 200 m, 400 m und 800 m antreten muss. Die Entwicklung sei aber insgesamt sehr kritisch zu betrachten, betonte auch Teamleiter Pfaller. „Man muss achten, dass das nicht so weitergeht. Sonst sind in zehn Jahren bei den Paralympics nur noch Sportler wie Oscar Pistorius am Start.“ Der unterschenkelamputierte Südafrikaner hatte kürzlich als erster Sportler mit zwei Prothesen an Olympischen Spielen teilgenommen.

„Schwerbehinderte müssen jetzt gegen leichter Behinderte kämpfen. Das ist ungerecht, Medaillenchancen sind unrealistisch geworden. Das ist wie wenn Marlies Schild bei den Männern mitfährt. Sie wird sich gut schlagen, aber nie komplett an die Spitze kommen“, sagte Geierspichler. Das Beispiel Pistorius sieht der Salzburger mit gemischten Gefühlen. „Einerseits ist es gut für die Publikmachung des Behindertensports. Du musst als Behinderter aber auch die Größe haben zu erkennen, dass man nicht einmal Birne und das andere Mal Apfel sein kann“, so der zweifache Paralympic-Sieger.

Geringer Frauenanteil

In London kehren die Paralympics an ihre Geburtsstätte zurück. In den 1940er-Jahren wurden mit den Stoke-Mandeville-Games erstmals Wettbewerbe für Kriegsbehinderte durchgeführt, weshalb das Maskottchen der XIV. Paralympics auch „Mandeville“ heißt. Eröffnet werden die Paralympics durch Queen Elizabeth. Erstmals wird auch der österreichische Bundespräsident persönlich vor Ort sein. Heinz Fischer wird u. a. die Eröffnung im Olympiastadion besuchen.

Auffallend ist, dass im 32-köpfigen ÖPC-Team, das von Routiniers wie Geierspichler (Leichtathletik), Christoph Etzlsdorfer (Handbike), Andreas Vevera (Tischtennis), Wolfgang Schattauer (Handbike), Stanislaw Fraczyk (Tischtennis), bei der Eröffnung Österreichs Fahnenträger, und Martin Legner (Tennis) angeführt wird, 27 Männer, aber nur fünf Frauen sind. Auch sieben Debütanten sind für Österreich am Start. Darunter mit Bepo Puch ein querschnittgelähmter Reiter, der 2004 in Athen für Kroatien in der Vielseitigkeit angetreten ist.

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Publiziert am 30.08.2012