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Wiederholte Rücktrittsdrohung

Sportlich hatte er mit Platz vier in London über 200 m Delfin für das Olympiahighlight aus rot-weiß-roter Sicht gesorgt, doch ein verbaler Ausraster bei der EM im Mai in Debrecen handelte dem 23-jährigen Dinko Jukic am Mittwoch eine unerwünschte Zwangspause ein - wenn nicht sogar das Karriereende. Davor holte Jukic noch einmal zum verbalen Rundumschlag gegen den heimischen Schwimmverband OSV aus.

Das unabhängige Verbandsgericht schloss seinen erfolgreichsten Athleten am Mittwoch wegen der Beleidigung von OSV-Funktionären in Debrecen mit sofortiger Wirkung für die Dauer von einem Jahr von der Teilnahme an allen nationalen und internationalen Wettbewerben aus. Das Strafmaß wurde auf zehn Monate unbedingt und zwei Monate auf Bewährung ausgesprochen.

Abrechnung vor dem Urlaub

Wie geht es mit Jukic weiter? Bei den Sommerspielen in London hatte er erklärt, er werde seine Karriere beenden, falls er gesperrt werde. Jukic hätte am 23. August Gelegenheit gehabt, den Fall vor dem Juristen-Senat aus seiner Sicht darzulegen, erschien aber nicht vor dem dreiköpfigen Gremium, das sich aus Herbert Schachter, Kurt Kozak und Rainer Fischer-See zusammensetzte.

Das schriftlich ausgefertigte Urteil wurde am Mittwochnachmittag an die betroffenen Parteien übermittelt. Jukic hat nun zwei Wochen Zeit, gegen die Entscheidung beim Verbandstag Einspruch zu erheben. Derzeit soll er sich auf Urlaub in Kroatien befinden. Schon davor hatte Jukic für die aktuelle Ausgabe des Magazins „News“ seine Vorwürfe an den OSV und Präsident Paul Schauer wiederholt.

Dinko JukicAPA/Roland SchlagerJukic war bei Olympia in London eines der wenigen österreichischen Highlights

„Wollen mich mundtot machen“

Warum er etwa zu der Verbandsanhörung nicht erschienen ist, erklärte Jukic damit, dass er dieses Gericht nicht anerkenne, weil es formalrechtlich nicht korrekt zusammengesetzt sei. Laut Jukic sind nur zwei Mitglieder gewählt worden, das dritte sei lediglich nominiert worden. Dieses Gericht könne ihn also „gar nicht für Wettkämpfe sperren“, sagte Jukic im „News“-Interview.

„Es ist formalrechtlich gar nicht vorhanden.“ In Wahrheit gehe es nur darum, ihn durch dieses Disziplinarverfahren „mundtot zu machen“, wird Jukic weiter zitiert. Er wünsche sich von einem neuen Vorstand, „dass die Funktionäre erst für den Sportler, dann erst für sich selbst arbeiten. Und ich hoffe, dass ein Ex-Athlet in den Vorstand kommt, der mit den Aktiven kommuniziert.“

„Schande für den Verband“

Jukic rechnet in dem „News“-Interview auch mit Verbandspräsident Schauer ab. „Im Moment beruhen viele Entscheidungen im Verband auf der Willkür eines einzelnen Menschen“, so Jukic. Für viele Funktionäre sei bei einem Wettkampf Sightseeing wichtiger als der Sport. „Es ist eine Schande für den Verband, solche Leute an solche Positionen zu setzen“, so Jukic, der auch seine Ankündigung wiederholte, aufhören zu wollen, sollte sich bei der Vorstandswahl am 15. September nichts ändern.

„So kann es nicht weitergehen. Für mich ist es unmöglich, mich unter diesen Umständen, wo jeder hinterrücks gegen jeden arbeitet, weitere vier Jahre vorzubereiten - will ich auch nicht“, sagte Jukic. Auf die Frage, was passiere, wenn der Vorstand der gleiche bleibe, antwortete Jukic: „Wenn der Vorstand der gleiche bleibt, ohne Erneuerung, war es das für mich.“

Wüste Beschimpfung in Debrecen

Dem streitbaren Jukic war die Beleidigung von drei Funktionsträgern des OSV im Rahmen der EM in Debrecen am 27. Mai vorgeworfen worden. Jukic hatte zwei Funktionäre und einen Kampfrichter im Teamhotel beschimpft, u. a. mit den Worten: „Ich reiße euch den Arsch auf.“ Das Verbandsgericht sprach Jukic nach Sichtung der Beweisprotokolle und neuerlicher Einvernahme der anderen drei Beteiligten des Vorfalles schuldig. Eine Tonaufnahme des Vorfalles wurde nicht als Beweis herangezogen.

„Die Äußerungen sind als erwiesen angenommen worden. Er hat den Delegationsleiter und zwei weitere Personen massiv verbal angegriffen und beleidigt. Außerdem hat er versucht, eine Person körperlich anzugreifen. Das wurde durch eine der drei Personen aber verhindert“, erläuterte der Senatsvorsitzende Schachter. Der Jurist verwies darauf, dass sich der Vorfall vor einer größeren Personengruppe abgespielt habe.

„Seine schwerste Entgleisung“

Schauer hatte von der „schwersten Entgleisung“ Jukic’ gesprochen. Das Urteil wollte er nicht weiter kommentieren. „Das war Sache des unabhängigen Verbandsgerichtes. Ich glaube nicht, dass das gut wäre, auch nicht im Interesse des Beteiligten“, sagte Schauer.

Dass Jukic seine Karriere beenden könnte, nimmt Schauer gelassen. „Das ist der springende Punkt. Drohungen im menschlichen Umgang sind nicht angebracht. Wahrscheinlich war dies einer der Gründe, warum sich das Gericht zu dem Urteil entschlossen hat.“

Man müsse die gute sportliche Leistung vom menschlichen Verhalten trennen. „Die Welt wird sich weiterdrehen, wir haben in London genügend junge Aktive an den Start gebracht“, meinte Schauer. Bis die Talente auch die großen Erfolge einfahren werden, dürften aber Jahre vergehen. Mit den möglichen Rücktritten von Markus Rogan und Jukic droht der Abgang der zwei absoluten Leistungsträger der vergangenen Jahre und damit eine lange Durststrecke.

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Publiziert am 29.08.2012