„Das IPC macht seine eigenen Regeln“
Topfavorit Oscar Pistorius hat am Sonntagabend über 200 m überraschend „nur“ Silber geholt. Der Titelverteidiger, der als erster beinamputierter Athlet auch bei den Olympischen Spielen gestartet war, musste sich in London dem Brasilianer Alan Oliveira um 7/100 Sekunden geschlagen geben. Pistorius macht dafür nun die seiner Meinung nach unfaire Länge der Prothesen seiner Konkurrenten verantwortlich.
Noch am Vortag hatte Pistorius im Vorlauf in 21,30 Sekunden für einen Fabelweltrekord gesorgt, im Finale kam er in 21,52 Sekunden und damit „nur“ als Zweiter ins Ziel. „Ich will Alans Leistung nicht schlechtmachen - er ist ein großer Sportler -, aber diese Jungs sind wesentlich größer. Ich kann mit der Länge ihrer Prothesen einfach nicht mithalten“, sagte der Südafrikaner über Goldmedaillengewinner Oliveira, der den Paralympics-Superstar kurz vor der Ziellinie abgefangen hatte.

Reuters/Eddie Keogh
Pistorius (links) ärgert sich über die Beinprothesen von Oliveira
Der Titelverteidiger bezeichnete den Sieg des Brasilianers, der nach der Hälfte der Strecke bereits acht Meter Rückstand auf Pistorius hatte, als „lächerlich“. „Er ist noch nie eine 21er-Zeit gelaufen, und ich glaube auch nicht, dass er ein 21er-Athlet ist. Ich dagegen habe in meiner Karriere noch kein einziges 200-m-Rennen verloren“, ärgerte sich der 25-Jährige.
„Die Beine der anderen sind unglaublich lang“
Pistorius Kritik richtete sich aber vor allem gegen das Internationale Paralympische Comite (IPC), das die Athleten seiner Meinung nach ungleich behandle. „Die Beine der anderen sind unglaublich lang“, beschwerte sich der „Blade Runner“. „Das IPC macht seine eigenen Regeln. Wir haben versucht, diese Problematik in den letzten Wochen zu lösen, aber ich bin auf taube Ohren gestoßen.“
Das IPC betonte in einer Stellungnahme, dass beim 200-m-Finale alles seine Ordnung gehabt habe. „Es gibt genaue Regeln, was die Länge der Prothesen betrifft, basierend auf Größe und Dynamik des Athleten“, hieß es. „Alle Athleten wurden vor dem Wettkampf abgemessen, und alle wurden zu dem Rennen zugelassen.“ Im Anschluss an den Lauf kam es zu einem Treffen von IPC-Offiziellen und Pistorius, in dem der Südafrikaner seine Bedenken äußerte. „Wir werden uns zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal zusammensetzen, um die Problematik noch einmal zu diskutieren“, sagte IPC-Sprecher Craig Spence.
Pistorius hat bei den Paralympics noch zweimal die Chance auf Gold. Am Donnerstag gilt der Titelverteidiger auch über die 100 m als Favorit, am Samstag stehen die 400 m auf dem Programm, wo er ebenfalls als Titelverteidiger ins Rennen geht.
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