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„Es war ein Schock“
Erst später erfuhr sie, dass wenige hundert Meter entfernt eine Geiselnahme stattfand, die tragisch enden sollte. An jenem Tag waren in den frühen Morgenstunden acht palästinensische Terroristen der Gruppe „Schwarzer September“ in das Quartier der israelischen Olympiamannschaft eingedrungen und hatten insgesamt elf Athleten als Geiseln genommen.
Sie forderten unter anderem die Freilassung palästinensischer Häftlinge in Israel. Beim späteren Versuch, die Sportler auf dem Flughafen Fürstenfeldbruck zu befreien, starben alle elf Israelis, ein deutscher Polizist und fünf Geiselnehmer.
GEPA/Guenter Artinger„Es wäre klüger gewesen, die Spiele abzubrechen“, meint Sykora heuteTragödie im Fernsehen mitverfolgt
„Es war ein Schock. Man hatte das Gefühl, die Welt steht plötzlich still“, sagte Maria Sykora - später auch erfolgreiche Handballspielerin - knapp 40 Jahre danach im Interview mit der APA. „Von dem Vorfall haben wir Athleten aber gleich viel mitbekommen wie die meisten Außenstehenden. Alles war sehr weiträumig abgesperrt, das olympische Dorf quasi zweigeteilt.“ Sykora konnte die Tragödie auch nur am Fernseher mitverfolgen. „Am nächsten Tag hat es dann geheißen, es geht ganz normal weiter.“
IOC-Präsident Avery Brundage ließ tatsächlich am 6. September 1972 die Bewerbe mit der inzwischen berühmten Aussage „The games must go on“ fortsetzen. Das stieß damals auf viel Protest. „Im Nachhinein muss ich sagen, dass es klüger gewesen wäre, die Spiele abzubrechen“, sagt Sykora heute. „Aber wenn man so mittendrin ist ... Wir Athleten haben vier Jahre darauf hingearbeitet - und auf einmal soll alles umsonst gewesen sein.“
Eine Diskussion zum Gedenken an den tragischen Anschlag vor 40 Jahren gab es auch bei den heurigen Olympischen Spielen in London. Der israelische Außenminister Danny Ayalon und sein deutscher Amtskollege Guido Westerwelle hatten gefordert, der tragischen Ereignisse in angemessenem Rahmen zu gedenken. Der heutige IOC-Präsident Jacques Rogge lehnte eine Schweigeminute bei der offiziellen Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele in London jedoch ab.
Für Gedenkminute
In einem Interview mit der Zeitschrift „Sport Bild“ sagte er, die Stimmung bei einer Eröffnungsfeier sollte „von Fröhlichkeit und Feierlichkeit geprägt sein, nicht von Trauer“. Sykora sprach sich im APA-Gespräch für ein Gedenken aus: „Damals hat man auch geglaubt, es würden fröhliche Spiele werden, was ja dann nicht der Fall war.“
Als wahren Grund für Rogges Ablehnung einer Trauerminute vermuteten viele ein anderes Motiv: Das IOC versuche so möglicherweise, einem Konflikt mit den arabischen Mitgliedsstaaten aus dem Weg zu gehen, die inzwischen zu wichtigen Geldgebern aufgestiegen sind. „Das wäre ein blöder Gedanke“, meinte Sykora, „den ich Jacques Rogge aber zutraue.“ Die 65-jährige Niederösterreicherin sieht diese Art der Vermischung von Sport und Politik kritisch: „Die Politik braucht leider den Sport und umgekehrt. Für mich wäre aber Sport ohne Politik das Ideale.“
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Publiziert am 05.09.2012