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Keine Absicht, aber auch kein Zufall

Teamchef Marcel Koller wird wohl schon vor Anpfiff zum WM-Qualispiel gegen Deutschland österreichische Fußballgeschichte schreiben. Der Schweizer dürfte am Dienstag (20.30 Uhr, live in ORF eins und im Livestream) als jener ÖFB-Teamchef in die Annalen eingehen, der erstmals eine Auswahl mit elf Legionären in der Startformation auf den Platz schickt - neun davon spielen in der Bundesliga des Gegners Deutschland.

Gemäß Trainingsbeobachtungen und den aktuellen Formkurven spricht einiges dafür, dass hinter Martin Harnik (Stuttgart) das Trio Andreas Ivanschitz (Mainz), Zlatko Junuzovic und Marko Arnautovic (beide Bremen) beginnen wird. Im defensiven Mittelfeld sollen Julian Baumgartlinger (Mainz) und Veli Kavlak (Besiktas) für Ordnung sorgen. Die Viererkette vor Goalie Robert Almer (Düsseldorf) bilden sehr wahrscheinlich György Garics (Bologna), Sebastian Prödl (Bremen), Emanuel Pogatetz (Wolfsburg) und Christian Fuchs (Schalke).

ÖFB-Coach Marcel Koller mit Schützling Marko ArnautovicAPA/Robert JägerArnautovic machte in Enschede, bei Inter Mailand und Werder Bremen Station

Die aktuelle Bestmarke von zehn „Fremdarbeitern“ in der Startelf wurde schon einige Male erreicht. Bisher kam es nur durch Auswechslungen während einer Partie zu der Konstellation, dass gleichzeitig elf Legionäre im rot-weiß-roten Trikot im Einsatz waren. Der bevorstehende Rekord lässt Koller allerdings ziemlich kalt. „Ich schaue nicht darauf, ob jemand Legionär ist oder nicht. Ich stelle diese Spieler auf, mit denen wir die besten Chancen haben“, betonte der Schweizer.

WM-Qualifikation, Gruppe C

Dienstag, 20.30 Uhr

Live in ORF eins und im Livestream

Österreich - Deutschland

Ernst-Happel-Stadion, SR Björn Kuipers (NED)

Mögliche Aufstellungen:

Österreich: Almer - Garics, Prödl, Pogatetz, Fuchs - Baumgartlinger, Kavlak - Arnautovic, Junuzovic, Ivanschitz - Harnik

Deutschland: Neuer - Lahm, Hummels, Badstuber, Schmelzer - Khedira, Kroos - Müller, Özil, Reus - Klose

15 Legionäre im 23-Mann-Kader

Dass diese elf ÖFB-Profis alle außerhalb Österreichs ihr Geld verdienen, ist aber auch kein Zufall. „Wenn sich ein Spieler im Ausland durchsetzt, ist das eine Erfahrung, die uns hilft“, meinte der 51-Jährige. Seit dem Wechsel Jakob Jantschers von Red Bull Salzburg zu Dynamo Moskau am Donnerstag scheinen 15 Legionäre im aktuellen 23-Mann-Kader auf. Bei der Heim-EM vor vier Jahren umfasste die „Fremdenlegion“ gerade einmal sieben Feldspieler - einer davon war Ivanschitz.

„Das Ansteigen der Legionärszahl ist extrem positiv. Es zeigt die gute Entwicklung, die wir gemacht haben“, sagte der Mainz-Regisseur. Dass es künftig für Kicker aus der österreichischen Bundesliga praktisch unmöglich sein könnte, im Nationalteam längerfristig eine wesentliche Rolle zu spielen, glaubt der Burgenländer nicht. „Auch die Spieler aus der österreichischen Liga sind wichtig. Da muss man eine gute Mischung finden.“

Pogatetz: „Brauchen mehr Stammleiberln“

Ähnlicher Ansicht ist Pogatetz. „Ich würde nicht sagen, dass Spieler aus der österreichischen Meisterschaft nicht im Nationalteam spielen können, aber es ist wichtig, viele Legionäre in der Nationalmannschaft zu haben“, sagte der Wolfsburg-Verteidiger. „In den größten Ligen Europas wird eben ein anspruchsvollerer Fußball gespielt. Die Erfahrungen, die man dort sammelt, sind extrem wichtig.“

Die heimische Liga wollte Pogatetz jedoch nicht schlechtreden. „Die steigende Zahl von Legionären zeigt ja, dass in Österreich gute Arbeit geleistet wird und immer wieder Junge nachkommen.“ Wunschlos glücklich ist der Steirer deswegen noch lange nicht. „Was uns fehlt, sind Spieler, die bei absoluten Topvereinen ein Stammleiberln haben. Da gibt es bei uns derzeit nur David Alaba bei den Bayern.“

„Italiener“ Garics: Je früher desto besser

Der im Moment rekonvaleszente Wiener ging 2008 bereits als knapp 16-Jähriger nach München und ist damit fast schon ein „Legionärsroutinier“ - sehr zur Freude von Garics, nach dessen Meinung ein Auslandsaufenthalt eines österreichischen Kickers so früh wie möglich beginnen sollte. „Es ist wichtig, dass die Spieler schon in jungen Jahren ins Ausland kommen. Dann lernen sie früher und mehr“, meinte der 28-jährige Bologna-Profi, der Österreich als 22-Jähriger verließ.

Erst mit 27 zog es Almer in fremde Gefilde. Obwohl der Goalie bei Fortuna Düsseldorf derzeit nur ein Reservistendasein fristet, hat er den Schritt nach Deutschland nicht bereut. „Die deutsche Liga ist einfach besser als die österreichische, da tut man sich dann auch in internationalen Partien leichter.“ Durch den Legionärszuwachs profitiert laut Almer aber nicht nur das Nationalteam. „Es ist auch für die Spieler in Österreich besser. Sie werden in Europa interessanter, weil sich unsere Legionäre im Ausland einen Namen machen.“

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Publiziert am 11.09.2012