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„Habe Probleme, das zu verarbeiten“
Die starke Vorstellung seiner Mannschaft konnte über die Enttäuschung nur wenig hinwegtrösten. „Auch wenn die Leistung gut war, können wir uns von einer Niederlage nichts kaufen. Das Lob ist aber gut für die Spieler und kann sich positiv auf das Selbstvertrauen auswirken“, sagte Koller, der Einsatz, Leidenschaft und Wille des ÖFB-Teams ganz besonders hervorhob. „Das ist auch notwendig, um so ein Spiel offen zu halten. So hat es fast zu einem Remis gereicht, aber eben nur fast.“
Trotz des Frusts hat Koller aber nichts von seinem Elan verloren und stürzte sich sofort wieder in die Arbeit. „Gedanken sind immer da. Speziell, wenn man verliert, hängt das einem nach. Ich versuche aber immer, mich zu reflektieren und frage mich, was man hätte anders machen können. Das Spiel wird von mir sofort analysiert, dann geht es mir auch immer besser“, erklärte Koller, der sich aber deswegen keine grauen Haare wachsen lässt, denn die kämen sowieso von selbst.
ORF.at/Christian ÖserNicht nur die Spieler hatten nach der knappen Niederlage Trost notwendigHadern mit der Chancenauswertung
Auch ohne eine detaillierte Analyse war Koller aber bereits wenige Stunden nach dem Spiel in der Lage, erste Schlüsse zu ziehen. In erster Linie haderte er dabei mit der mangelhaften Chancenauswertung, die sicher „ausbaufähig“ ist. „Wir konnten Deutschland unter Druck setzen, aber leider hat die nötige Konsequenz in Form von Toren gefehlt. Bei Deutschland hat sich diese Klasse gezeigt. Das wussten wir, konnten es aber trotzdem nicht verhindern“, sagte der Schweizer.
Diese Unachtsamkeit und die Fähigkeit, über 90 Minuten die Spannung zu halten, ist für Koller ebenso eine Frage der Entwicklung wie die in einigen Aktionen weiterhin fehlende Ruhe am Ball und Sicherheit im Passspiel. „Wir haben gesagt, dass wir jede Sekunde gegen Deutschland hellwach sein müssen. Wir sind aber noch nicht so weit, in jeder Phase top zu sein. Das muss man gemeinsam angehen“, beschwor Koller einmal mehr den Teamgeist.
Luft nach oben beim Pressing
Auch beim von Koller gepredigten Pressing gibt es weiter Luft nach oben. Mit der Umsetzung war der Schweizer zwar über weite Strecken sehr zufrieden, den Feinschliff gilt es aber noch vorzunehmen. „Es war klar, dass wir das Pressing nicht 90 Minuten durchhalten können. Man muss die entsprechenden Situationen abwarten, in denen man den Gegner bedrängen kann. Das wurde nicht immer richtig erkannt“, hielt Koller mit Kritik nicht hinter dem Berg.
Dass er für die Umsetzung seines Plans die richtigen Spieler hat, davon ist Koller überzeugt. „Ich denke aber, dass wir einen guten Kader haben und niemanden übersehen haben. Diese Spieler passen in unser System“, sagte Koller, der auch bei der einen oder anderen verpassten Gelegenheit nach Pässen von Marko Arnautovic in den Rückraum Nachsicht walten ließ. „Die Mittelfeldspieler müssen einen Schweinejob machen und viele Kilometer fressen. Da kann es schon passieren, dass man nicht immer den Anschluss nach vorne hält.“
Die „kleinen Dinge“ als Unterschied
Letztendlich hätten gegen Deutschland „kleine Dinge“ den Unterschied ausgemacht, wobei Koller die Riesenchance von Arnautovic auf den Ausgleich noch immer im Magen lag. „Der Ball ist kurz vorher aufgesprungen, geht ihm ans Schienbein und er trifft ihn nicht richtig. Das sind Hundertstel, in denen die Vorfreude auf das Tor mitspielt. Vielleicht hat dann die entscheidende Konzentration gefehlt, aber daraus muss man lernen“, erklärte Koller.
Trotz der starken Vorstellung des Bremen-Legionärs hätte sich der Teamchef von Arnautovic noch mehr Präsenz gewünscht. „In den ersten Hälfte hat er sehr teamorientiert gespielt, aber ich hätte mir mehr Einzelaktionen erhofft. In der Pause habe ich ihm gesagt: ‚Bereite mit deiner Power dem Gegner Schmerzen.‘ Das hat er dann beim Tor fantastisch gemacht. Solche Szenen muss er öfters produzieren“, sagte Koller, der ankündigte, Arnautovic in den nächsten Tagen Mut zuzusprechen.
Christian Wagner, ORF.at
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Publiziert am 13.09.2012