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Nur zehn Stimmen „Pro Jukic“

Die am 29. August verlautbarte Sperre gegen Schwimm-Ass Dinko Jukic bleibt aufrecht. Die Delegierten der österreichischen Schwimmvereine haben sich am Samstag am Verbandstag des österreichischen Schwimmverbandes (OSV) mit überwältigender Mehrheit gegen die Aufhebung des einjährigen Wettkampfverbots ausgesprochen.

Zehn Monate der Strafe für den 23-Jährigen sind unbedingt. Jukic’ Anwalt Thomas Krankl hatte für den Fall der Ablehnung der Berufung die Einbringung einer Klage angekündigt. Jukic kann nach derzeitigen Stand erst nach dem 23. Juni 2013 wieder an Wettkämpfen teilnehmen. Von 131 abgegebenen Stimmen waren nur 10 pro Jukic, gegen ihn 101. Dazu gab es 20 Stimmenthaltungen. Jukic selbst war nicht erschienen.

Jukic Anwalt lehnt Strafreduzierung ab

In einer weit mehr als einstündigen Diskussion gab es danach Wortmeldungen von seiner Seite wie auch von etlichen Vereinsvertretern. Während sich viele von denen teilweise mit drastischen Worten gegen Jukic wandten, versuchte Krankl fast schon leidenschaftlich eine Sperre seines Mandanten abzuwenden.

Teilweise fand er bei seinem Auditorium auch Gehör, es wurde der Mittelweg der Reduzierung der Strafe angeregt. Krankl ging auf diesen Kompromiss nicht ein, was den davor gewählten OSV-Präsidenten Christian Meidlinger wunderte. „Einige haben ihm den Antrag der Reduzierung in den Mund gelegt.“

Harte Kritik an Jukic

Die Aussagen gegen Jukic fielen mehrheitlich überraschend hart aus. „Der Schaden, den Dinko Jukic mit seinem Verhalten angerichtet hat, ist viel größer als der Nutzen, den er mit dem vierten Platz bei Olympia gebracht hat. Der Verband war wochenlang in den Zeitungen, da werden wir noch lange daran zu knabbern haben“, meinte ein Vereinsvertreter und eine weibliche Delegierte fügte an: „Herr Jukic hat noch jede Hand, die ihn gefüttert hat, gebissen und dann noch abgesägt.“

Speziell mutete der Applaus nach einer Aussage an, wonach es schade sei, dass Paul Schauer nicht doch zu einer dritten Amtszeit angetreten ist. „Denn dann hätten wir keinen Fall Jukic mehr. Dann hätte er nämlich wie angekündigt mit dem Schwimmen aufgehört“, hieß es. „Lassen wir ihn doch zehn Monate trainieren und dann soll er noch stärker zurückkommen.“ Erich Maglock, Präsident des niederösterreichischen Schwimmverbands: „Jukic schwimmt nicht für Österreich, er schwimmt für Jukic.“

Ausgerechnet der von Jukic am 27. Mai bei der Debrecen-EM beleidigte Vizepräsident Helmut Tröbitsch lenkte ein bisschen ein. „Wenn Dinko Jukic die Möglichkeit gewählt hätte, die wir ihm geboten haben, sich zu entschuldigen, wäre es kein Fall für den Verbandstag gewesen“, sagte er. Tröbitsch gab übrigens im Laufe der Sitzung seinen schon weit davor gefassten Entschluss bekannt, nach 28 Jahren aus dem OSV-Vorstand auszuscheiden, er wurde für seine OSV-Tätigkeit mit Beifall bedacht.

Anwalt rechnet mit guten Chancen

Hingegen sprachen sich auch bei der Debrecen-EM anwesend gewesene Trainer für die Jukic-Sperre aus. Demnach kann der Olympia-Vierte über 200 m Delfin nach derzeitigem Stand erst nach dem 23. Juni 2013 wieder an Wettkämpfen teilnehmen. Die weiteren zwei Monate der einjährigen Sperre sind bedingt ausgesprochen. Krankl zeigte sich jedenfalls danach relativ unbeeindruckt. „Ich gehe davon aus, dass wir sehr gute Chancen haben, zu gewinnen“, meinte er in Bezug auf die angekündigte Klage.

Der Ex-Leistungsschwimmer erhielt übrigens auch mit seiner Berufung gegen den im Jänner vom OSV ausgesprochenen Ausschluss des Salzburger Landesverbandes eine Absage - mit 86 Gegenstimmen. Auch hier wird Krankl nun wohl den Klagsweg beschreiten.

Erdrutschsieg für Meidlinger

Bereits davor war der Wiener Christian Meidlinger zum neuen Präsidenten des österreichischen Schwimmverbandes (OSV) gewählt worden. Der 48-jährige Vorsitzende der Gewerkschaft der Wiener Gemeindebediensteten setzte sich mit seiner Liste beim OSV-Verbandstag in Linz gegen den Wiener Agenturinhaber David Ungar-Klein durch.

Stimmberechtigt waren 79 Schwimmvereine mit insgesamt 139 Stimmen. Bei drei Enthaltungen entfielen auf die Meidlinger-Liste 104, auf jene von Ungar-Klein 32 Stimmen. Meidlinger ist damit der Nachfolger des am Donnerstag zurückgetretenen Paul Schauer, dessen Amtszeit über zwei Perioden bzw. acht Jahre gegangen ist.

Meidlinger bleibt parallel zu seiner Tätigkeit als OSV-Präsident auch Präsident des Wiener Landesverbandes. Dieses Amt nimmt er seit 2010 ein. Ob er sich aber beim nächsten Verbandstag des Wiener Verbandes im Jahr 2014 wieder zur Wahl stellen werde, wisse er noch nicht. „Mein Ziel ist es, den Schwimmsport aus den negativen Schlagzeilen zu bringen. Ich glaube, dass uns das gemeinsam in vier Jahren gelingen kann", sagte Meidlinger in seiner Wahlrede.

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Publiziert am 15.09.2012