„Wir wollen Rapid sehen“
Im Grunde war alles wie immer, wenn Rapid im Hanappi-Stadion spielt. Volle U-Bahn-Züge, Schlachtgesänge in den Bahnhofskatakomben und die Polizei mit beachtlichem Aufgebot samt Fuhrpark. Doch je mehr man sich der Rapid-Heimstätte näherte, desto offensichtlicher wurde, dass da etwas nicht stimmt. Der Laune der Fans tat das beim Public Viewing keinen Abbruch.
„Wir wollen Rapid sehen“, brüllte der volle Westsektor - und sie bekamen Rapid zu sehen. Am anderen Ende des Rasens, etwa so breit wie das Tor und doppelt so hoch, da stand er und sandte bewegte Bilder der Grün-Weißen aus dem leeren Ernst-Happel-Stadion: der Riesenfernseher, der einzige Kontakt einiger tausend Fans zu ihren einsamen Lieblingen, die sich etwas verloren umschatuen im weiten Rund der Praterarena.

GEPA/Walter Luger
Fröhliches Treiben im Hanappi-Stadion
Popcorn und Hotdog
„Brauche 160 Becher für ein Ticket gegen Leverkusen“, stand auf dem selbstgezimmerten Styroporplakat, das ein Anhänger durch die gut gefüllten Zuschauerränge schleppte. Er kämpfte sich am Popcorn-Verkäufer vorbei und an jenen, denen das Aufrechtgehen schon etwas schwer fiel - Hotdog in der linken Hand, Bier in der rechten, Zigarette im Mundwinkel, Augen auf Fernsicht gestellt und los ging es.
Andreas Marek erschien am Bildschirm. Der Einpeitscher vom Dienst meldete sich vom „Geisterspiel“ und gab die Mannschaftsaufstellung bekannt. Als Steffen Hofmann an der Reihe war, hallte der Zusatz „Fußballgott“ durchs Hanappi-Stadion. Der grün-weiße Allmächtige konnte das leider nicht hören, als er seinen Unterstützern versprach, dass die Mannschaft alles geben werde. Dass das letztlich nicht reichen würde, ahnte zu diesem Zeitpunkt noch niemand.
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