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Harmlosigkeit vor dem Tor dauert an

Wie vor einem Jahr in der EM-Qualifikation hat sich das österreichische Nationalteam am Freitag erneut mit einem enttäuschenden 0:0 in Kasachstan begnügen müssen. Trotz klarer spielerischer Überlegenheit gegen die Nummer 147 der FIFA-Weltrangliste verpasste die ÖFB-Auswahl den ersten Sieg in der WM-Qualigruppe C, weil sie wie beim 1:2 zum Auftakt gegen Deutschland ihre Chancen nicht nutzten.

Die Mannschaft von Teamchef Marcel Koller ließ damit zwei enorm wertvolle Punkte in Astana, wo 10.000 Zuschauer den ersten Punkt ihres Teams im dritten Spiel bejubelten. Für die vor dem Tor erneut zu unpräzise und nachlässig agierenden Österreicher geht es am Dienstag im Wiener Ernst-Happel-Stadion beim „Rückspiel“ gegen den Underdog schon um die letzte Chance, im Rennen um Platz zwei nicht vorzeitig den Anschluss zu verlieren. Schweden kam im Parallelspiel auf den Färöern jedenfalls zu einem hart erkämpften 2:1-Auswärtserfolg.

Martin Harnik beim Länderspiel gegen Kasachstan

APA/Robert Jäger

Martin Harnik und Co. versagten in den entscheidenden Momenten die Nerven

Keine Umstellungen in Startformation

Viel war in den vergangenen Tagen über mögliche Überraschungen in der österreichischen Startelf spekuliert worden. Letztlich entschied sich Koller aber für exakt jene Formation, mit der er auch gegen Deutschland begonnen hatte. Martin Harnik gab wieder die Solospitze und nicht Marc Janko, der sich trotz mangelnder Spielpraxis bei Trabzonspor Chancen ausgerechnet hatte. Auf der rechten Seite der unter Koller mehrfach erprobten 4-2-3-1-Formation erhielten Marko Arnautovic und dahinter György Garics den Vorzug gegenüber Jakob Jantscher und Florian Klein.

In den schwarz-weißen Auswärtsdressen erwischten die Österreicher in der bei weitem nicht ausverkauften Astana Arena einen nervösen Start. Technische und auch athletische Vorteile sicherten den Gästen zwar hohe Spielanteile. Der letzte Pass wollte auf dem kasachischen Kunstrasen vorerst aber noch nicht ankommen - streng genommen auch nicht der vorletzte. Zahlreiche Ballverluste im Mittelfeld prägten vielmehr die Anfangsphase der um einen geordneten Spielaufbau bemühten ÖFB-Auswahl. Vom Gegner kam ebenfalls noch nicht viel.

Hektischer Beginn mit leichten Vorteilen

Erst in der 14. Minute kam Österreichs zentraler Mittelfeldmann Zlatko Junuzovic zu einer ersten „Halbchance“, erwischte die etwas zu weite Flanke von Christian Fuchs aber nur noch aus zu spitzem Winkel. Wenige Augenblicke später hätte der Bremen-Legionär aus einer weiteren Gelegenheit wesentlich mehr machen müssen. Einen hohen, präzisen 50-Meter-Steilpass von Garics stoppte Junuzovic unbedrängt am Sechzehner, konnte sich den Ball aber nicht optimal mitnehmen und schoss dann zu hektisch weit über das Tor.

Auf der anderen Seite geriet sein Clubkollege Sebastian Prödl (18.) ungewollt in den Mittelpunkt des Geschehens. Nachdem der ÖFB-Innenverteidiger das Abseits aufgehoben hatte und Tanat Nuserbajew dadurch allein in Richtung Goalie Robert Almer gelaufen war, klärte Prödl die Situation aber mit einem hervorragenden Tackling im Strafraum. Ansonsten kamen beide Mannschaften weiterhin nicht richtig in die Partie. Hektisches Treiben im Niemandsland, weite und zu ungenaue Pässe sorgten für ein zunächst nicht gerade hochklassiges Match.

Harnik vergibt erneut Sitzer

Wie schon gegen Deutschland hatte Harnik dann in der 29. Minute eine hundertprozentige Chance auf das 1:0, als der Stuttgart-Stürmer nach einem schönen Doppelpass mit dem sehr agilen Junuzovic alleine vor Andrej Sidelnikow auftauchte. Ein viel zu lässiger Schlenzer mit dem rechten Außenrist war aber die falsche Entscheidung von Harnik, so dass dieses Duell an den kasachischen Keeper ging und sich Kollers Hoffnung auf eine Halbzeitführung zerschlug. Zu umständlich und ungenau war das ÖFB-Spiel in und um den Strafraum. Auch ein Kopfball von Harnik (43.) nach Garics-Flanke verfehlte das lange Eck klar.

Wie sein Gegenüber Miroslav Beranek schickte auch Koller sein Team nach der Pause personell unverändert zurück aufs Spielfeld. Dort änderte sich an der Charakteristik der Partie nur wenig. Österreich hatte das Heft in der Hand, lief Zählbarem aber weiter hinterher - und das mit minütlich zunehmender Verzweiflung. Die Führung lag gewissermaßen in der Luft. Ein Versuch von Arnautovic (49.) wurde aber abgeblockt, auch ein schön angetragener Junuzovic-Weitschuss (51.) strich denkbar knapp an der rechten Torstange vorbei.

Auch „Joker“ stechen nicht

Je länger das Spiel dauerte, desto deutlicher wurde die Überlegenheit der Österreicher. Als Harnik (61.) hauchdünn an einem abgefälschten Ivanschitz-Schuss vorbeirutschte, war von Kasachstan schon länger nichts mehr zu sehen gewesen. Einen zu zentral platzierten Kavlak-Schuss (62.) wartete der ungarische Schiedsrichter Tamas Bognar noch ab, ehe der ÖFB-Teamchef den ersten Wechsel vollziehen konnte. Koller brachte Janko für Julian Baumgartlinger und damit einen zweiten Stürmer. Arnautovic (65.) und Ivanschitz (67.) leiteten mit ihren Schüssen die dadurch angekündigte Schlussoffensive ein.

Szene aus dem Spiel Kasachstan - Österreich

GEPA/Christian Ort

Zlatko Junuzovic war in Astana der beste Offensive der Österreicher

Sturm und Drang der Österreicher nutzten noch immer nichts, weil sie im Abschluss zu nachlässig waren. Bezeichnend ein Harnik-Schuss vom Sechzehner (76.), der das Tor um etliche Meter verfehlte. Zu diesem Zeitpunkt war Jantscher schon für den blass gebliebenen Andreas Ivanschitz ins Spiel gekommen. Gleichzeitig mit der Panik in den Angriffsbemühungen der Koller-Truppe stieg in der Folge aber auch die aus kasachischen Gegenstößen resultierende Gefahr eines Gegentors. Bei 63 Prozent Ballbesitz lag Österreich zehn Minuten vor Schluss - drei Punkte würde es auch dafür nicht geben.

In der 84. Minute kam schließlich England-Legionär Andreas Weimann zu seinem Debüt in der A-Nationalmannschaft. Der Youngster von Aston Villa ersetzte Harnik und verkörperte die letzten frischen Hoffnungen auf das Siegestor. Da man sich aber zunehmend in Einzelaktionen und heftigen Diskussionen mit dem Zeit schindenden Gegner und dem Schiedsrichterteam verlor, blieb ein knapp verzogener Schuss von Junuzovic (90.) die einzige wirkliche Großchance im zerfahrenen Finish. Als Referee Bognar abpfiff, ließen Kapitän Christian Fuchs und Co. ihrer großen Enttäuschung noch auf dem Spielfeld freien Lauf.

Harald Hofstetter, ORF.at

WM-Qualifikation, Gruppe C

Freitag:

Kasachstan - Österreich 0:0

Astana Arena, 10.000 Zuschauer, SR Tamas Bognar (HUN)

Kasachstan: Sidelnikow - Kirow, Dimitrenko, Roschkow, Nurdauletow - Bogdanow - Konisbajew (95. / Gridin), Korobkin, Chairulin (92. / Muchtarow) - Nuserbajew (87. / Nurgalijew), Ostapenko

Österreich: Almer - Garics, Prödl, Pogatetz, Fuchs - Baumgartlinger (62. / Janko), Kavlak - Arnautovic, Junuzovic, Ivanschitz (73. / Jantscher) - Harnik (84. / Weimann)

Gelbe Karten: Nuserbajew, Ostapenko, Roschkow bzw. Janko

Die Besten: Bogdanow bzw. Junuzovic, Prödl

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