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RadioShack zieht Reißleine

Die Causa Lance Armstrong hat ein erwartetes prominentes Opfer gefordert. Johan Bruyneel, langjähriger Mentor und Intimus des Amerikaners, ist nicht mehr Teamchef von RadioShack-Nissan. Der Rennstall und der Belgier beendeten ihre Zusammenarbeit. Der Radsport wurde damit von einer seiner umstrittensten Persönlichkeiten befreit.

Die Auflösung des Vertrags geschehe in „beiderseitigen Einvernehmen“, teilte das Team, bei dem auch der Österreicher Thomas Rohregger unter Vertrag steht, auf seiner Website mit. Bruyneel war im Zuge der Affäre um Armstrong heftig in die Kritik geraten. Wegen der Ermittlungen der US-Anti-Doping-Agentur USADA hatte er in diesem Jahr bereits seine Teilnahme an der Tour de France abgesagt. RadioShack-Nissan zog nach den neuen Erkenntnissen nun wie erwartet die Reißleine.

Hochdekorierter Teamchef

„Im Lichte der Zeugenaussagen, erachten es beide Parteien als notwendig, diese Entscheidung zu treffen, da Johan Bruyneel das Team nicht länger auf effiziente und angemessene Weise führen kann“, schrieb RadioShack-Nissan. „Ich habe entschieden, von meinen offiziellen Teamaufgaben zurückzutreten, um mich auf meine Verteidigung zu konzentrieren und das RadioShack Nissan Trek Team vor unnötigen Ablenkungen zu beschützen“, schrieb Bruyneel auf seiner Website.

Johan Bruyneel und Lance Armstrong bei der Giro d'Italia 2009

Reuters/Stefano Rellandini

Bruyneel war auch im Team Astana an der Seite seines US-Schützlings

Mit der US-Anti-Doping-Agentur ging der Belgier hart ins Gericht: „Ich bin überrascht und sehr enttäuscht, dass die USADA die Informationen in dem laufenden Verfahren gegen mich veröffentlicht, bevor ich die Möglichkeit hatte, die Beweise einzusehen und mich zu verteidigen.“ Bruyneel war einer der höchstdekorierten Teamchefs der vergangenen Jahre. Unter seiner Leitung radelte Armstrong von 1999 bis 2005 zu sieben Titeln bei der Tour de France.

Laut USADA-Unterlagen war der Belgier aber in den Teams US Postal und Discovery Channel auch eine zentrale Figur im „ausgeklügeltesten, professionellsten und erfolgreichsten Dopingprogramm“, das der Sport je gesehen habe. Der öffentliche Druck auf die Teamleitung von RadioShack Nissan war daher immens. Kurz zuvor hatte Topfahrer Fabian Cancellara öffentlich erwogen, nie wieder unter Bruyneel fahren zu wollen. „Johans Name ist 129-mal in dem Report aufgeführt“, sagte der Schweizer der Zeitung „Het Laatste Nieuws“. „Ich weiß nicht, ob ich weiter mit Johan zusammenarbeiten kann.“

Weiteren Fahrern droht Ungemach

Als Folge der Ermittlungen der US-Anti-Doping-Agentur (USADA) im Fall Armstrong droht zudem zahlreichen weiteren Radprofis Ungemach. In den über 1.000 Aktenseiten werden etliche Fahrer mit Doping in Verbindung gebracht, allerdings sind viele Namen mutmaßlicher Betrüger geschwärzt worden. So kommen in den Aussagen der Belastungszeugen um George Hincapie und Levi Leipheimer in Zusammenhang mit Doping mehr als ein Dutzend unkenntlich gemachte, wohl nicht aus den USA stammende Radprofis vor.

Auf einige von ihnen dürften aufgrund der Anschuldigungen, die von der Anwendung bis zur Weitergabe von Dopingsubstanzen reichen, Dopingverfahren zukommen. Die Einleitung dieser fällt wohl nicht der USADA, sondern dem derzeit mit der Überprüfung des Armstrong-Urteils betrauten Radsportweltverband (UCI) bzw. den jeweiligen Landesverbänden zu.

In einigen der Dokumente werden aber auch Namen genannt. So bezichtigt etwa der wegen unregelmäßiger Blutwerte suspendierte Italiener Leonardo Bertagnolli im Zuge einer Behördenbefragung im Jahr 2011 seine Landsleute Franco Pellizotti, Enrico Gasparotto und Francesco Chicchi sowie den Tschechen Roman Kreuziger und den Ukrainer Jaroslaw Popowitsch des Dopings.

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