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Weltklasse schlägt in der Stadthalle auf

Die Tenniselite schlägt im Oktober traditionell in der Hauptstadt auf. Die mit 550.000 Euro dotierten Erste Bank Open in der Wiener Stadthalle sind aber nicht nur für Fans der gelben Filzkugel einen Besuch wert. Mit Juan Martin del Potro und Janko Tipsarevic sind zwei Top-Ten-Asse die heißesten Anwärter auf den Turniersieg. Als erste Herausforderer gelten Jürgen Melzer und Altstar Tommy Haas.

„Wir haben Del Potro und Tipsarevic am Start. Wenn man bedenkt, dass diese Woche drei ATP-Turniere stattfinden, ist ein Feld mit zwei Top-Ten-Spielern für ein Turnier dieser Kategorie ganz außerordentlich“, betonte Turnierbotschafter Thomas Muster. Die heimische Tennisikone erwartet ein „spannendes Turnier“, in dem der Sieg über den als Nummer eins gesetzten Argentinier Juan Martin del Potro führen wird. „Ihn muss man natürlich favorisieren“, freut sich der 45-jährige Steirer auf das Gastspiel des „Gauchos“.

Juan Martin Del Potro beim TrainingAPA/Herbert PfarrhoferTopstar Del Potro trainierte am Montag am Centre Court

Der Riese will groß aufspielen

Del Potro ist als Weltranglistenachter der höchstgereihte Spieler bei den Erste Bank Open und hofft nach der knappen Finalniederlage im Vorjahr gegen den Franzosen Jo-Wilfried Tsonga beim dritten Antreten nach 2008 und 2011 auf seinen ersten Wien-Titel. Der 1,98-m-Hüne aus der argentinischen Tennishochburg Tandil, der 2009 mit dem US-Open-Triumph seinen bisher größten Erfolg gefeiert hat, besticht vor allem durch sein druckvolles Service und seine knallharte Vorhand.

Die erfolgreiche Laufbahn des 24-Jährigen ist allerdings nicht nur von zahlreichen Highlights wie etwa elf ATP-Titeln, sondern auch etlichen Verletzungen (unter anderem Handgelenk, Hüfte, Knie) geprägt. Im Jänner 2011 war Del Potro nach einer Handgelenksoperation nur noch die Nummer 485 der Welt, und es wurde sogar kurzzeitig mit einem Karriereende spekuliert. Mit dem Turniersieg 2011 in Delray Beach (USA) kehrte der Argentinier aber wieder in die Top 100 zurück und beendete die vergangene Saison bereits auf Rang elf.

Eine Handgelenksblessur Mitte September im Davis-Cup-Halbfinale gegen Tschechien zwang den Argentinier auch vor den Erste Bank Open zu einer einmonatigen Verletzungspause. Del Potro, der am Sonntag in Wien gelandet ist, gab aber vor dem Tennishit in der Wiener Stadthalle auch zur Erleichterung von Turnierdirektor Herwig Straka Entwarnung: „Mir geht es gut.“

Janko Tipsarevic jubelndAPA/EPA/Rungroj Yongrit

Tipsarevic will in Wien nicht nur seine Tattoos, sondern auch seine spielerische Klasse zeigen

Nietzsche-Fan mit Sportbrille

Im Gegensatz zum introvertierten Argentinier Del Potro ist der Serbe Janko Tipsarevic einer der auffälligsten Protagonisten in der Tennisszene. Der Weltranglistenneunte, der die serbische Community in Wien in die Stadthalle mobilisieren soll, ist schon allein wegen seiner Sportbrille, Piercings und Tattoos ein „bunter Vogel“ auf der ATP-Tour.

Der 28-jährige Belgrader macht aber auch aus seiner Vorliebe für Philosophie und Literatur kein Hehl. Der erklärte Fan von Friedrich Nietzsche, Arthur Schopenhauer und Fjodor Michailowitsch Dostojewski hat sich unter anderem ein Dostojewski-Zitat („Beauty will save the world“ aus „Der Idiot“) in japanischen Schriftzeichen auf den linken Unterarm tätowieren lassen.

Tipsarevic, der ebenso wie Del Potro noch um die Teilnahme beim Londoner World-Tour-Finale kämpft, startete erst im Vorjahr mit 27 Jahren so richtig auf der ATP-Tour durch und verbesserte sich von Rang 49 auf neun. Heuer feierte er im Juli beim Sandplatzturnier in Stuttgart seinen dritten ATP-Titel. Den neben 65.000 Euro Preisgeld gewonnenen Mercedes SLK 350 schenkte er wie bereits vor dem Turnier versprochen seiner Frau Biljana zum zweiten Hochzeitstag.

Comeback-Star des Jahres

Auch die Nummer drei in der Setzliste ist ein klingender Name im Tenniszirkus. Im Spätherbst seiner Karriere erlebt Tommy Haas in diesem Jahr einen sensationellen Tennisfrühling. Der 34-jährige Deutsche, der nach vielen Verletzungen im Jänner nur die Nummer 205 der Welt war, kletterte nach einer bis dato optimalen Saison auf Platz 20. Höhepunkt seines Comebacks war der Finalsieg beim Rasenturnier in Halle gegen den Weltranglistenersten Roger Federer.

Tommy Haas und Roger Federer posieren bei der Siegerehrung mit Pokal und Schaledapd/Joerg SarbachHaas (r.) gewann im Juni in Halle sein erstes Turnier seit drei Jahren

„Ein unglaubliches Comeback von Tommy Haas. Er hat letztes Jahr noch die Quali in Wien gespielt und ist jetzt als Nummer drei gesetzt. In diesem Alter noch diese Härte zu haben, so etwas zu beweisen, da kann man nur gratulieren“, ist Turnierbotschafter Muster voll des Lobes für den Wien-Sieger von 2001. Haas untermauerte seine gute Form erst in der Vorwoche mit dem Viertelfinale in Schanghai, wo erst gegen den späteren Turniersieger Novak Djokovic Endstation war. Zuvor hatte der ehemalige Weltranglistenzweite übrigens Tipsarevic 6:2 6:1 deklassiert.

Heimvorteil im „Wohnzimmer“

Die österreichischen Hoffnungen ruhen einmal mehr auf Jürgen Melzer, der in seinem „Wohnzimmer“ bereits 2009 und 2010 gewonnen hat. Der Jungehemann, der im Doppel mit seinem Trauzeugen Alexander Peya bereits am Dienstag erstmals antreten wird, hat sich für sein Heimturnier ein hohes Ziel gesetzt. „Ich kann’s kaum erwarten und möchte am Wochenende auf jeden Fall noch dabei sein“, sagte der 31-Jährige.

Der Niederösterreicher zeigte zuletzt aufsteigende Form und gewann vor zwei Wochen in Peking erstmals seit seinem Turniersieg in Memphis im Februar zwei Partien in Folge. In der ersten Runde noch mit einem Freilos ausgestattet, greift Melzer im Einzel am Mittwoch gegen den Luxemburger Gilles Muller ins Geschehen ein. Muller setzte sich in der ersten Runde gegen den Belgier Steve Darcis mit 6:7 (3/7) 6:4 6:3 durch.

Andreas Haider-Maurer und jubelnder Jürgen Melzer mit PokalGEPA/Walter Luger2010 bezwang Melzer in einem engen Finale Andreas Haider-Maurer (l.)

„Ich hoffe, dass das Publikum dem Lokalmatador die Daumen drückt und auch zahlreich erscheint. Es ist die Chance für Jürgen Melzer, sich vor heimischem Publikum für die heurige Saison zu rehabilitieren. Er hat in den letzten Wochen passabel gespielt. Mit dem Heimvorteil kann man bei ihm auf jeden Fall mit einem Halbfinale rechnen“, betonte Muster. Für Österreichs Tennislegende wäre aber ein Finale mit Melzer aufgrund der starken Konkurrenz „eine Überraschung“.

Rainer Titsch, ORF.at

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Publiziert am 17.10.2012