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Erster Auftritt von Melzer und Del Potro
Jürgen Melzer, der als Nummer vier des Turniers zum Auftakt ein Freilos erhalten hatte, zeigt Respekt vor seinem Achtelfinal-Gegner Gilles Muller (ATP-Nummer 81). „Ich weiß, dass er ungefähr das Niveau hat, auf dem ich mich derzeit befinde. Um ihn zu schlagen, werde ich eine ordentliche Leistung brauchen“, so der der zweifache Wien-Sieger der (2009, 2010).
Aufschlagkanone aus Luxemburg
Viel werde im Linkshänderduell vom Service des Luxemburgers abhängen, so Melzer: „Wenn er die Ecken anserviert, kann es eng werden. Die Bälle in der Stadthalle liegen ihm“, sagte der Niederösterreicher, der aber hinzufügte: „Wenn ich den Ball im Spiel halte, werde ich gewinnen.“ Prinzipiell freue er sich sehr auf das Turnier: „Ich spiele einfach gerne zu Hause und bin voll motiviert. Das möchte ich auch nach außen transportieren.“
In den bisherigen zwei Duellen mit Muller (St. Pölten 2005, Hertogenbosch 2006) ging jeweils Melzer als Sieger vom Platz. „In St. Pölten war es im dritten Satz relativ eng (7:5, Anm.), an die Partie in Hertogenbosch kann ich mich gar nicht mehr erinnern“, sagte Melzer, der diesen Matches aber nicht allzu viel Bedeutung beimessen will: „Das ist alles schon lange her.“
APA/EPA/Ian LangsdonMuller ist einer der härtesten Aufschläger auf der ATP-TourAufwärtstrend nach „Seuchenjahr“
Nach dem starken Jahresbeginn und dem durchwachsenen Sommer sieht sich Melzer nun wieder auf einem guten Weg. „Der Erfolg in Peking gegen Dolgopolow war extrem wichtig. Seither weiß ich, dass ich in eine Richtung gehe, mit der ich was anfangen kann“, sagte der 31-Jährige. „Auf den US-Turnieren habe ich vor allem in der Defensive keine Möglichkeiten gefunden, das geht jetzt besser“, so die ATP-Nummer 37.
Dass es nach dem Turniersieg im Februar in Memphis nicht in diesem Stil weitergegangen sei, war zum erheblichen Teil eine Folge von körperlichen Problemen. „Eine Grippe in Indian Wells, ein Bänderriss in Bukarest, eine Hüftverletzung in Madrid – das war genug Scheiße für ein Jahr“, resümierte Melzer. Nun funktioniere sein Körper wieder besser, somit freue er sich auf die letzten drei Turniere des Jahres.
„Abschalten, aufbauen, Vollgas geben“
Nach dem Saisonfinish in Paris-Bercy ist erst einmal Urlaub angesagt. „Da heißt es: abschalten, aufbauen, Vollgas geben“, betonte Melzer, der, so der Körper mitmacht, für 2013 einiges vorhat: „Zu Beginn habe ich viel zu verteidigen, da möchte ich mich oben etablieren. Letztlich will ich auf ein Level kommen, dass ich wieder mehrere Matches pro Woche gewinnen kann“, stellte der Deutsch-Wagramer klar.
Auch beim 13. Antreten in der Stadthalle sei er noch lange nicht tennismüde, unterstrich Melzer: „Ich habe den schönsten Beruf, den ich mir vorstellen kann.“ Daran würden auch so manche lästige Begleiterscheinungen, die im Turnieralltag mitunter auftreten, nichts ändern. Was ihn in diesem Zusammenhang besonders ärgere, sei „das Kofferpacken“. Aber das ist für Wien nicht nötig, der ÖTV-Star schläft im Gegensatz zur Konkurrenz nicht im Spielerhotel, sondern daheim.
Del Potro kämpft um Masters-Ticket
Mit Juan Manuel del Potro ist am Mittwoch auch die Nummer eins der Erste Bank Open erstmals im Einsatz. Der Argentinier hat seine Handgelenksblessur auskuriert und feiert nach einmonatiger Verletzungspause ein Comeback. „Ich bin bereit für Wien“, kündigte er vor dem Match gegen den deutschen Qualifikanten Daniel Brands an. Das Erreichen des Masters in London ist das große Saisonziel für den 24-Jährigen. „Da ich noch nicht fix dabei bin, ist es wichtig, hier möglichst viele Punkte zu machen“, sagte der 1,98-Meter-Hüne.
Mit seiner aktuellen Form sei er durchaus zufrieden, so Del Potro: „Ich spiele viel besser als letztes Jahr um diese Zeit“, erklärte der Weltranglistenachte, „und ich habe mich heuer auf allen Belägen verbessert.“ Vor allem auf Rasen seien seine Fortschritte enorm gewesen: „Bei Olympia in London habe ich gegen Roger Federer sehr gut gespielt (17:19 im Entscheidungssatz, Anm.), und im Duell um Bronze habe ich Novak Djokovic bezwungen.“
GEPA/Matthias HauerDel Potro hat nach dem verlorenen Wien-Finale 2011 heuer Lust auf mehrNicht wenige Tennis-Experten trauen ihm sogar den Sprung an die Spitze der Weltrangliste zu. „Das ist nett, wenn das die Leute sagen, aber es macht mir auch Druck. Trotzdem glaube ich, dass ich mit täglicher harter Arbeit zumindest wieder Top Five werden kann, und auch ein Grand-Slam-Titel ist drin“, erläuterte der US-Open-Sieger von 2009, der im Jänner 2010 bis auf Position vier im ATP-Ranking geklettert war.
Fan von Stratos-Springer Baumgartner
Von Wien zeigte sich Del Potro angetan: „Ich war schon im Prater und bin mit dem Riesenrad gefahren. Leider war das Wetter nicht so gut, wir konnten daher nicht viel machen“, erzählte der „Turm von Tandil“, der zum vierten Mal in der österreichischen Metropole gastiert und heuer endlich den großen Wurf landen will. Im Vorjahr wurde er vom Franzosen Jo-Wilfried Tsonga in einem hochklassigen Finale knapp bezwungen.
Beeindruckt zeigte sich Del Potro von Felix Baumgartner und dessen Stratos-Sprung: „Ein völlig verrückter Kerl! Jetzt ist er ein Held auf der ganzen Welt. Es war faszinierend, ich habe stundenlang zugeschaut“, gestand der elffache Gewinner von ATP-Turnieren, der selbst in seiner Heimat Heldenstatus genießt: „Tennis ist daheim wieder sehr populär.“
Rainer Titsch und Christoph Lüftl, ORF.at aus der Wiener Stadthalle
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Publiziert am 17.10.2012