Themenüberblick
Grimmige Revanche
Alaba leistete bei seinem grandiosen Comeback nach dreimonatiger Verletzungspause noch dazu die Vorarbeit zu beiden Kopfballtreffern von Janko. Mit vier Punkten aus drei Partien belegen die Österreicher in der Gruppe C Rang vier. Auf Schweden und Irland, die Hauptkonkurrenten um Platz zwei hinter Deutschland, beträgt der Rückstand drei bzw. zwei Zähler. Weiter geht es in der Quali am 22. März, wenn Österreich die Färöer empfängt. Vier Tage später kommt es zum richtungsweisenden Spiel in Irland.
„Goldenes Händchen“ mit Janko und Alaba
Die Bezeichnung „Schicksalsspiel“ hatte Koller abgelehnt. Nach der Nullnummer am Freitag hatte er sich dennoch zu personellen Umstellungen gezwungen gesehen. Am 4-2-3-1-System hielt der Schweizer wie angekündigt fest. Andreas Ivanschitz, Julian Baumgartlinger und György Garics fanden sich aber auf der Ersatzbank wieder. Für sie rückten Marc Janko als Solospitze, Florian Klein auf der rechten Abwehrseite und David Alaba als zweiter „Sechser“ neben Veli Kavlak in die erste Elf. Martin Harnik kam neben Zlatko Junuzovic über die rechte Flanke. Marko Arnautovic wechselte auf die linke Seite.
ORF.at/Dominique HammerMarc Janko war zweimal der Abnehmer für David Alabas MaßflankenDass Alaba gleich beginnen durfte, erfüllte nicht nur den spielerischen, sondern auch einen gewissen Stimmungs-„Push“. Schon bei der Aufzählung der Startformation hatte der Bayern-Jungstar den lautesten Jubel ausgelöst. Als die Österreicher in den ersten Minuten einen druckvollen Einstieg in die Partie fanden, war Alaba trotz mangelnder Spielpraxis ein belebendes Element. Mit dem Ziel einer schnellen Führung startete die ÖFB-Auswahl mutig, lauffreudig und inspiriert.
„Neue“ sorgen für erlösende Führung
Obwohl der aufgerückte Innenverteidiger Sebastian Prödl beim ersten Eckball in einem Kopfballduell beinahe k. o. ging und so für erste Schrecksekunden sorgte, schien es bis zum ersten Tor nur eine Frage der Zeit zu sein. Trabzonspor-Legionär Janko (6.) machte mit einer zu hoch angesetzten „Granate“ von der Strafraumgrenze den Auftakt. Harnik (9.) rasierte mit einem herrlichen Weitschuss das Außennetz am rechten Kreuzeck. Arnautovic (15.) blieb nach einem sehenswerten Alleingang am letzten von drei Gegenspielern vor dem Tor hängen.
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Gefühlte 90 Prozent Ballbesitz gegen die von Coach Miroslav Berankek gnadenlos destruktiv eingestellten Kasachen brachten vorerst nichts Zählbares - auch weil ein weiterer Harnik-Schuss (15.) von Keeper Andrej Sidelnikow entschärft wurde und Alaba (16.) aus 25 Meter Entfernung verzog. Eine Maßflanke des 20-Jährigen sollte die haushoch überlegenen Österreicher dann erlösen. Von halbrechts zirkelte Alaba den Ball ideal in den Strafraum, wo Janko im Stile eines Goalgetters lauerte und zum verdienten 1:0 (24.) einköpfelte.
ORF.at/Dominique Hammer„Kopfballungeheuer“ Janko stellte seinen Torriecher eindrucksvoll unter BeweisDauerdruck hält an
Befreit und beflügelt zugleich suchte das von den Deutschland-Profis Arnautovic, Junzovic (beide Werder Bremen) und Alaba angeführte ÖFB-Team sofort die frühe Vorentscheidung. Bei einem gefährlichen Aufsetzer von Arnautovic (27.) bewahrte Sidelnikow die in der eigenen Hälfte einzementierten Kasachen vor dem zweiten Gegentor. Ein wunderschöner Volleyschuss von Alaba (28.) nach Eckball des ebenfalls immer stärker werdenden Junuzovic prallte von der linken Stange zurück. Spätestens als ein Harnik-Fersler (29.) nach Junuzovic-Querpass knapp am Tor vorbeirollte, hätte es 2:0 stehen müssen.
ÖFB-Torhüter Robert Almer, der bei Fortuna Düsseldorf seit Wochen auf der Ersatzbank schmort, „musste“ auch in Wien mit der Zuschauerrolle vorliebnehmen. Nicht ein Schuss der Kasachen kam auf Almers Kasten, vielmehr musste Gegenüber Sidelnikow bei einem neuerlichen Versuch von Arnautovic (31.) sein ganzes Können aufbieten. Die Pausenführung der Österreicher war zwar zu niedrig, eine echte Gefährdung durch die offensiv nicht vorhandenen Gäste konnte man sich aber auch für die zweite Hälfte kaum vorstellen.
Matchwinner legen nach
Der in Anbetracht der langen Verletzungspause sensationell starke Alaba (47.) eröffnete diese mit der ersten großen Chance nach einem Stanglpass von Christian Fuchs. Als der angeschlagene Prödl nach einer Stunde durch Aleksandar Dragovic ersetzt wurde, hatten die Österreicher vor dem kasachischen Strafraum schon wieder ein klassisches „Powerplay“ aufgezogen. Das zweite Tor lag förmlich in der Luft und sollte eine Kopie des ersten ÖFB-Treffers werden.
Wieder war es Alaba, der mit einer perfekten Flanke von rechts die Schwächen in der kasachischen Innenverteidigung offenlegte. Und erneut war es Janko, der den angedrehten Ball mit einem wuchtigen Kopfstoß zum 2:0 (63.) versenkte. Das insgesamt 13. Tor des gebürtigen Niederösterreichers im ÖFB-Team war gleichzeitig die Entscheidung. Zu wenig kam von den schwachen Kasachen, als dass man auch nur mit einem Gegentreffer rechnen musste.
„Oh, wie ist das schön“
Vielmehr vergab Harnik (68.) eine weitere „Hundertprozentige“ alleine vor Sidelnikow. So blieb es Alaba (71.) vorbehalten, seine großartige Leistung mit dem 3:0 nach Vorarbeit des ebenfalls stark spielenden Arnautovic zu krönen. Aus spitzem Winkel setzte der ÖFB-Youngster den Ball von links exakt ins kurze Eck. Als Alaba zehn Minuten vor Schluss gemeinsam mit Janko ausgewechselt wurde, sangen die begeisterten Fans im Happel-Stadion schon „Oh wie ist das schön“. Dabei sollte der Schlusspunkt erst folgen. Nach Assist von Arnautovic drückte Harnik den Ball in der Nachspielzeit zum 4:0 über die Linie.
Harald Hofstetter, ORF.at
WM-Qualifikation, Gruppe C
Dienstag:
Österreich - Kasachstan 4:0 (1:0)
Wien, Ernst-Happel-Stadion, 43.000 Zuschauer, SR Kehlet (DEN)
Torfolge:
1:0 Janko (24.)
2:0 Janko (63.)
3:0 Alaba (71.)
4:0 Harnik (93.)
Österreich: Almer - Klein, Prödl (59./Dragovic), Pogatetz, Fuchs - Kavlak, Alaba (81./Leitgeb) - Harnik, Junuzovic, Arnautovic - Janko (81./Jantscher)
Kasachstan: Sidelnikow - Nurdauletow, Muchtarow, Dimitrenko (74./Gurman), Kirow - Bogdanow, Korobkin - Konisbajew, Nurgalijew (83./Chairullin), Schachmetow (69./Islamchan) - Gridin
Gelbe Karten: Harnik, Kavlak bzw. Bogdanow, Nurgalijew
Die Besten: Alaba, Janko, Arnautovic bzw. Sidelnikow
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Publiziert am 17.10.2012