Hauchdünne Niederlage gegen Muller
Für Jürgen Melzer sind die Erste Bank Open bereits nach seinem ersten Auftritt zu Ende: Der zweifache Wien-Sieger musste sich Gilles Muller hauchdünn 3:6 6:3 6:7 (4/7) geschlagen geben. Der Niederösterreicher, der als Nummer vier des Turniers zum Auftakt ein Freilos hatte, war in der Stadthalle zuvor schon fünfmal im Achtelfinale gescheitert, aber nur einmal bei seinem ersten Antreten (2004).
„Das ist bitter. 6:7 im dritten Satz zu verlieren tut immer weh, vor allem aber zu Hause“, war Melzer nach der Niederlage deprimiert. „Es waren Kleinigkeiten, aber insgesamt muss man sagen, dass ich nicht ausreichend gut gespielt habe“, fasste der Lokalmatador zusammen.
Melzer erwischte einen klassischen Fehlstart: Eine Punktbilanz von 3:12 war gleichbedeutend mit einem 0:3-Rückstand. Wie von Melzer prognostiziert, war gegen den ersten Aufschlag seines Gegners so gut wie kein Kraut gewachsen. Dann fing sich der Publikumsliebling, er brachte den Aufschlag durch und verbuchte den ersten Gamegewinn.
Melzer-Zwischenhoch von kurzer Dauer
Nun war Melzer voll da: Mit einem Zu-null-Break stellte er auf 2:3, das 3:3 mit eigenem Service war nur Formsache. Der ÖTV-Davis-Cupper hatte 12 der letzten 13 Ballwechsel für sich entschieden. Muller ließ sich davon nicht beeindrucken und markierte problemlos das 4:3, Melzer konnte die schnellen, präzisen Aufschläge nicht entschärfen.

ORF.at/Carina Kainz
Melzer war beim Service von Muller nicht immer sattelfest
Im achten Game bekam Melzer wieder Probleme, bei 30/40 musste er über den zweiten Aufschlag, und ein Vorhandwinner des Luxemburgers brachte das 3:5 aus der Sicht von Melzer. Damit war der Satz auch schon verloren, denn Muller servierte anschließend zu null aus. Gerade einmal 26 Minuten waren vergangen. Den Fans schwante Böses.
Gute Returns als Schlüssel zum Satzausgleich
Anfangs des zweiten Durchgang änderte sich wenig: Melzer brachte seine Aufschlagspiele problemlos durch, doch auch Muller gab sich vorerst keine Blöße. Doch im vierten Game gelang es Melzer, durch Returns auf die Füße des 1,93-m-Mannes mehrmals zu reüssieren, und als Muller bei 30/40 einen Volley als Dropshot setzen wollte, blieb der Ball blieb aber an der Netzkante hängen – Break für Melzer.
Von neuem Schwung beflügelt, ließ sich Melzer nicht zweimal bitten und baute den Vorsprung auf 4:1 aus. In weiterer Folge standen die Games klar im Zeichen der starken Aufschläger, Melzer transportierte das Break bis 5:3 und servierte dann aus. Nach 57 Minuten waren der Satzausgleich geschafft und die gute Stimmung in der Arena wiederhergestellt.
Ausgeglichen bis zum Schluss
Der Entscheidungssatz war - wenig überraschend - geprägt von souverän gewonnenen Servicegames: In den ersten sieben Games holten die Rückschläger insgesamt gerade einmal sieben Punkte. Doch im achten Game geriet Melzer unter Druck: Eine Rückhand knapp im Out und ein guter Return von Muller bedeuteten das 0/30. Der 31-Jährige gab mit vier Punktschlägen in Folge die einzig richtige Antwort.

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Muller behielt im dritten Satz zum Leidwesen der Wiener Fans die Nerven
Im nächsten Spiel hatte Melzer nach einem gewonnenen langen Grundlinienduell die Chance auf das womöglich entscheidende Break, doch Muller wehrte mit einem Servicewinner ab und erzwang die 5:4-Führung. Nun musste Melzer mit eigenem Aufschlag den Matchverlust verhindern, der Memphis-Gewinner entledigte sich dieser heiklen Aufgabe mit einem Love-Game.
Kein Glück für Melzer im Tiebreak
Bei 5:6 wiederholte sich das Bild: Wieder stand Melzer mit dem Rücken zur Wand, umso mehr, als Muller den ersten Punkt dieses Games verbuchte. Bei 30/30 musste Melzer über den zweiten, doch Muller schob den Return ins Aus. Ein nicht zu retournierender Aufschlag von Melzer rettete die heimische Nummer eins ins Tiebreak.
Dieses stand unter keinem guten Stern aus Sicht von Melzer, der nach zwei Minibreaks einem 0/3 nachlaufen musste. Melzer ließ sich nicht entmutigen und glich zum 3/3 aus, wenig später lag er 4/5 im Hintertreffen. Ein starker Return bescherte Muller das 6/4 und den ersten Matchball, den die Nummer 81 der Welt nach 1:51 Stunden zum Entsetzen der Zuschauer mit einem weiteren Returnwinner verwertete.
„Hätte gewinnen können“
„Man bekommt wenige Möglichkeiten gegen ihn, weil es fast nur kurze Ballwechsel gibt. Es ist bitter zu verlieren, wenn man im dritten Satz keinen einzigen Breakball gegen sich hat“, trauerte Melzer dem möglichen Sieg nach. „Klar hätte ich auch gewinnen können, aber das ist eben nicht passiert. Doch genau solche Siege würde ich brauchen, um in einen Lauf zu kommen“, bedauerte der Deutsch-Wagramer.
Freude habe ihm zumindest der Sieg von Dominic Thiem gegen Lukas Lacko bereitet. „Hut ab vor dieser Leistung. Er hat taktisch sehr gut gespielt. Für Domi heißt es jetzt: gut schlafen, nicht drüber nachdenken und im Achtelfinale Marinko Matosevic rausnehmen“, sieht Melzer seinen Landsmann noch nicht am Ende seiner Möglichkeiten.
Christoph Lüftl, ORF.at aus der Wiener Stadthalle
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