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Tore statt Terror

Afghanistan hat erstmals einen Fußballmeister. Tufan Harirod aus dem Westen des Landes gewann am Freitag in Kabul vor 5.000 begeisterten Zuschauern die neue Afghan Premier League (APL). Das Team siegte im Finale gegen Simorgh Albors aus dem Nordwesten 2:1 und sicherte sich damit ein Preisgeld in der Höhe von 15.000 US-Dollar (11.434,67 Euro).

Acht Teams - eines für jede Region des Landes - hatten einen Monat lang in 16 Spielen um den Titel gekämpft. Die Fußballer waren in einer Castingshow ausgewählt worden. Die Spiele hatten für Begeisterung in dem kriegsgeplagten Land gesorgt, das an Freizeitveranstaltungen arm ist. Zwar hat der Krieg keine Pause gemacht, dennoch waren in Afghanistan am Freitag nicht Anschläge und Tote das zentrale Thema, sondern Fußball und Tore.

Keine Zwischenfälle, aber kleine Pannen

Neben den Fans im Stadion verfolgten viele Afghanen am Radio oder vor dem Fernseher, wie Tufan Harirod sich den Titel sicherte. Das Debüt der Afghan Premier League (APL) wurde zum vollen Erfolg. Die Spiele verliefen ohne gewaltsame Zwischenfälle oder größere Störungen - aber nicht ohne kleine Pannen.

Die Ende 2001 gestürzten Taliban hatten Fußball zunächst verboten. Später erlaubten die selbst ernannten Gotteskrieger Spiele, allerdings wurden in den Halbzeitpausen Menschen öffentlich hingerichtet. In den vergangenen Jahren machte der afghanische Fußball weniger durch sportliche Leistungen Schlagzeilen als dadurch, dass sich Spieler bei Trainingslagern im Westen absetzten.

Interview mit Spieler während des Matches

Große Fußballduelle kannte das Land aus der jüngeren Vergangenheit nicht. Entsprechend unbedarft gingen manche Afghanen an das APL-Turnier heran. Etwa der Radioreporter, der versuchte, einen Spieler am Rand des Feldes zu interviewen - und zwar während des laufenden Matches. Einem der Organisatoren, der den Zeitpunkt des Interviews für schlecht gewählt hielt, sagte der Journalist, das würde dem Bericht schließlich Farbe verleihen.

Irritiert waren die Organisatoren auch von einem Fernsehsender, der das erste Match vor einem Monat ohne Genehmigung live übertrug. Dass es sich um einen Konkurrenten der offiziellen TV-Partner handelte, machte die Angelegenheit nicht besser. Bei den offiziellen Sendern wurde allerdings eines der Spiele versehentlich unkommentiert übertragen. „Die Zuschauer hatten keine Ahnung, welche Teams spielten, was auf dem Feld passierte“, sagt Sportjournalist Sayed Resa Hosseini.

Fans gingen nach Pausenpfiff heim

Zwar ist Fußball der populärste Sport in Afghanistan, dennoch könnten manche Fans ein wenig Nachhilfe gut gebrauchen. Nicht alle sind mit den Regeln vertraut. Als der Schiedsrichter bei einem der Spiele zur Halbzeitpause pfiff, verließ eine große Anzahl Menschen, die möglicherweise alle aus derselben Gegend kamen, das Stadion.

„Sie dachten, das Spiel wäre vorbei. Sie wussten nicht, dass ein professionelles Fußballspiel über zwei Hälften geht“, erzählte ein Fotograf, der Zeuge des Vorfalls wurde. Als die Fans ihren Irrtum bemerkten und zurückwollten, mussten sie erst den Wachmann überzeugen, dass sie keine neuen Tickets brauchen.

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