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„Armstrong nicht der einzige Heuchler“
Der Fall Armstrong wird immer mehr zur Affäre des UCI selbst. Die jahrelang angeblich ahnungslose Dachorganisation wird kritisch durchleuchtet. Nach Sondierung der Anklageschrift der US-Anti-Doping-Behörde (USADA) gegen Armstrong, in der Zeugen den Verband der Komplizenschaft im umfassenden Dopingsystem beschuldigen, schloss das Internationale Olympische Komitee (IOC) Sanktionen gegen den Iren und Ex-Präsident Hein Verbruggen aber aus.
Keine Sanktionen durch das IOC
Den Fall Armstrong werteten die Olympier jedoch als „echte Enttäuschung“ und „schockierend“. Einen Ausschluss aus dem Olympiaprogramm muss der Radsport dagegen nicht fürchten.
„Es wäre unfair, die große Mehrheit sauberer Athleten zu bestrafen, wenn man die UCI von Olympischen Spielen verbannen würde“, erklärte das IOC am Dienstag. Der Weltverband UCI sei zwar „traurigerweise oft in hochkarätige Dopingfälle verwickelt, deshalb notwendigerweise aber auch einer der Vorkämpfer im Kampf gegen Doping gewesen“.
Reuters/Michael KoorenFür Pat McQuaid könnte der Fall Armstrong noch zum Boomerang werdenDer Fisch, der am Kopf zu stinken beginnt
Die Kritik an der UCI-Verbandsspitze wird immer eindringlicher. „Der Sünder wurde mit der Person Armstrong am höchsten Baum aufgehängt. Aber über das eigene Funktionieren überhaupt nur nachzudenken, das tat die UCI nicht“, monierte der „Telegraaf“ in den Niederlanden. „Die Affäre ist der bisher klarste Beweis, wie verrottet das ganze System ist. Armstrong ist dabei nicht der einzige Heuchler. Wir alle sind es. Wollen wir wirklich wissen, ob der FC Barcelona eine Dopingfabrik gewesen ist?“, fragte „Aftonbladet“ in Schweden.
Den Rücktritt von McQuaid fordern offen Profi David Millar, Kronzeuge Tyler Hamilton, Ex-Profi Jörg Jaksche und Jean Regenwetter, Radsport-Präsident in Luxemburg. Sylvia Schenk, die Sportbeauftragte von Transparency International und ehemalige Verbandspräsidentin, hatte McQuaid die Glaubwürdigkeit aberkannt und Schritte des IOC angemahnt. „Der Fisch stinkt vom Kopf her“, hatte Jaksche, der nach seinem Dopinggeständnis keinen Arbeitgeber mehr fand, am Montag im ZDF in Bezug auf die UCI-Führungsetage erklärt.
UCI soll Sport „gründlich säubern“
McQuaid habe „keinen Platz“ mehr im Sport, sagte Hamilton, der als Kronzeuge gegen Armstrong ausgesagt hatte. McQuaids Kommentare offenbarten „die Unglaubwürdigkeit als Lenker seines Verbandes und seine Unfähigkeit für einen ehrlichen Wandel“. Zuvor hatte McQuaid Hamilton und den weiteren Kronzeugen Landis wenig gentlemanlike als „Drecksäcke“ bezeichnet. Er habe „nie an Rücktritt gedacht“, sagte McQuaid in der „L’Equipe“. Im Gegenteil: Er will seinen „Anti-Doping-Kampf fortsetzen“ und 2013 wieder kandidieren.
Die Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) begrüßte die UCI-Bestrafung Armstrongs, forderte den Verband aber zu weiteren Schritten auf. Man sei ermutigt, dass die UCI diesen Fall als Beschleuniger ansehe, „um seinen Sport gründlich zu säubern und alle verbliebenen Reste des Dopingprogramms zu beseitigen, das den Radsport über das letzte Jahrzehnt deutlich beschädigt hat“, sagte WADA-Präsident John Fahey. Am Dienstag gab der norwegische Ex-Profi Steffen Kjärgaard als weiterer ehemaliger Armstrong-Helfer EPO-Doping zu.
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Publiziert am 23.10.2012