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Harmlose Offensive
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Trainer Peter Schöttel hatte im Vergleich zum Wiener Derby umgestellt. Anstelle von Louis Schaub begann Christopher Drazan, Markus Heikkinen spielte statt Lukas Grozurek, und Stefan Kulovits rutschte für den gesperrten Guido Burgstaller ins Aufgebot. Ansonsten vertraute der Coach auf jene Mannschaft, die sich beim 0:2 gegen die Austria nicht gerade mit Ruhm bekleckert hatte. Mit Deni Alar bot Schöttel wieder eine Solospitze auf.
Fanchoreographie als Highlight
Obwohl einige Sitze im weiten Prateroval leer geblieben waren, schafften es die 43.200 Zuschauer spielend, die von der UEFA verordneten „Geister“ aus dem Heimspiel gegen Rosenborg Trondheim zu vertreiben. Auch die Rapid-Spieler waren zumindest gewillt, ihren Fans mehr zu bieten als noch gegen die Austria - vor allem in Sachen Einsatz. Michal Kadlec bekam den Willen der Rapidler als Erster zu spüren. Der Tscheche erlitt nach einem Zweikampf mit Muhammed Ildiz eine Knieverletzung und musste vom Feld (10.).
ORF.at/Christian ÖserHinter dem Rapid-Tor erstrahlte ein riesiger SchriftzugRapid versuchte, auch ohne Regisseur Steffen Hofmann das Spiel zu gestalten, aber ohne Erfolg. Die Derby-Pleite steckte den Hütteldorfern noch sichtlich in den Beinen. Eine - feuerfreie - Fanchoreografie blieb das einzige Highlight aus grün-weißer Sicht. Mit Fortdauer der ersten Hälfte übernahm Leverkusen wie erwartet das Kommando. Der leichte Anfangsschwung der Rapidler war dahin. Zu groß schien die Angst, in einen Konter der Deutschen zu laufen. Solospitze Alar sah den Ball meist nur aus der Ferne.
Abwehr nicht im Bilde
In der 28. Minute herrschte erstmals Alarmstufe Rot im Strafraum der Wiener. Karim Bellarabi trickste sich locker durch die Abwehr, passte den Ball zur Mitte, doch Stefan Kießling schob den Ball knapp am Tor vorbei, statt in die Maschen. Im Gegenzug agierte Drazan bei der ersten echten Rapid-Chance zu umständlich. Ein Haken zu viel, anstatt den Schuss aufs Tor zu versuchen, ließ die Zuschauer im Happel-Stadion enttäuscht aufraunen.
Debatte:
Was ist für Rapid noch drin?
Fast hätte Andre Schürrle für noch größere Enttäuschung gesorgt. Doch der deutsche Teamspieler kam nach Traumpass des für Kadlec eingewechselten Lars Bender gegen Torhüter Lukas Königshofer einen Schritt zu kurz. Dafür stand Verteidiger Philipp Wollscheid nur wenig später nach einem Eckball goldrichtig und köpfelte den Ball zum 1:0 wuchtig ins Netz (37.). Die Rapid-Abwehr sah dabei alles andere als gut aus. Leverkusen machte in der Folge weiter Druck, der Pausenpfiff von Referee Fernando Teixeira aus Spanien kam keine Minute zu früh.
Doppelter K.-o.-Schlag
Schöttel reagierte zur Pause und brachte mit Terrence Boyd anstelle von Heikkinen einen zweiten Stürmer. Am Spielverlauf änderte sich aber wenig. Leverkusen bestimmte das Geschehen. Die Wiener bemühten sich zwar, brachten sich mit leichtfertigen Fehlern jedoch immer wieder im Spielaufbau aus dem Konzept. Trotzdem ergab sich aus einer Standardsituation die Chance zum Ausgleich. Drazan wurde von Daniel Schwaab in der linken Ecke gefoult, Alar trat den Freistoß, doch Gerson setzte den Ball knapp über das Tor.
ORF.at/Christian ÖserDie Rapid-Defensive war an diesem Abend machtlosMit der ersten großen Chance für Rapid wachten zumindest die Hütteldorfer Fans wieder auf. Der sprichwörtliche Funke wollte jedoch einfach nicht überspringen. In der 56. Minute kühlte die Euphorie der Rapid-Anhänger endgültig ab. Gonzalo Castro und Bender spielten die Abwehr mit einem Doppelpass aus und Erstgenannter schob zum zweiten Tor der Gäste ein. Nur drei Minuten später stand die Rapid-Abwehr wieder neben sich, Bellarabi sagte Danke und schoss aus kurzer Distanz zur Entscheidung ein (59.).
„Irisches“ Flair auf den Rängen
Die Deutschen kontrollierten mit dem Vorsprung im Rücken die Partie klar und kamen auch immer wieder gefährlich vor das Tor der Gastgeber. Die Bemühungen Rapids, zumindest den Anschlusstreffer zu erzielen, verfingen sich meist an der sicher stehenden Leverkusener Abwehr oder wurden vom eigenen Unvermögen gebremst. Einzig die Rapid-Fans bewiesen an diesem Abend europäische Reife.
Nachdem der Schock über den Doppelschlag überwunden war, sorgten die Anhänger für „irische“ Szenen im Stadion. Mit Dauergesang bis zum Schlusspfiff vertrieben sich die Rapid-Fans, nach dem Vorbild der Iren bei der EM 2012, die Zeit und lenkten sich vom Gezeigten auf dem Rasen ab. Viele Fans drehten dem Spielfeld auch den Rücken zu und versäumten damit auch eine Riesenchance von Boyd auf den Ehrentreffer in der 76. Minute. Den Schlusspunkt setzten dann die Deutschen mit dem 4:0 durch Castro in der Nachspielzeit (92.).
Ärger durch Gästefans?
Während Leverkusen mit dem zweiten Sieg auf Aufstiegskurs bleibt ist der Zug für Rapid bereits abgefahren. Detail am Rande: Auch vonseiten der UEFA könnte Ungemach drohen. Denn anders als die Rapid-Fans, die mit den Ereignissen von Thessaloniki im Kopf wie erwartet auf bengalische Feuer verzichteten, brannten die mitgereisten deutschen Fans vor dem Anpfiff mehrere Leuchtraketen ab. Was Rapid als Veranstalter auf den Kopf fallen könnte, wenn der europäische Verband erneut hart durchgreift.
Karl Huber, ORF.at
Europa League, Gruppe K, dritter Spieltag
Donnerstag:
Rapid Wien - Bayer Leverkusen 0:4 (0:1)
Ernst-Happel-Stadion, 43.200 Zuschauer, SR Teixeira (ESP)
Torefolge:
0:1 Wollscheid (37.)
0:2 Castro (56.)
0:3 Bellarabi (58.)
0:4 Castro (92.)
Rapid: Königshofer - Trimmel, Sonnleitner, Gerson, Katzer - Heikkinen (46./Boyd), Ildiz (63./Schimpelsberger), Kulovits, Prager, Drazan - Alar (78./Schrammel)
Leverkusen: Leno - Schwaab, Wollscheid, Friedrich, Kadlec (10./Bender) - Rolfes, Schürrle (60./Hegeler), Castro, Hosogai, Bellarabi - Kießling (70./Fernandes)
Gelbe Karte: Schwaab
Links:
Publiziert am 26.10.2012