„Werde weiter darum kämpfen“
Mit ihrem Ansinnen, bei einer Herren-Abfahrt an den Start zu gehen, hat US-Star Lindsey Vonn die Skiwelt in helle Aufruhr versetzt. Immer noch hofft die vierfache Gesamtweltcup-Siegerin auf ihren Start in der Schussfahrt Ende November in Lake Louise. Doch dafür muss sie einige Hürden überwinden.
Denn noch immer ist der Fall Vonn kein „offizieller Fall“ für die FIS, weil Vonn nur privat bei FIS-Renndirektor Günter Hujara angefragt hat, aber kein offizielles Ansuchen des US-Skiverbandes (USSA) vorliegt. Bis zum Council-Meeting Anfang November müsste dieses eingebracht werden. Doch es ist fraglich, ob der US-Verband ausgerechnet seinen Topstar am Wochenende der Damen-Rennen in Aspen, die zeitgleich mit Lake Louise in Szene gehen, frei gibt.
Unterstützung vom Verband
Verbandspressemann Doug Haney durfte in Sölden lediglich ausrichten, dass man Vonns Vorhaben bestmöglich unterstützen werde. Vonn selbst hat sich in dieses Thema ziemlich verbissen. Dass sie gegebenenfalls die Damen-Bewerbe in Lake Louise, die eine Woche später stattfinden, wegen des Wettbewerbsvorteils nicht bestreiten dürfe, stößt ihr sauer auf. Angesichts ihrer Hoffnungen auf den fünften Gesamtweltcup wäre der Herren-Start dann wohl obsolet.

GEPA/Andreas Pranter
Vonn nimmt Kurs auf die neue Saison
Dazu sagte Vonn am Donnerstag in Sölden: „Ich weiß, dass ich bei einem Rennen mit den Männern nicht gleichzeitig in Aspen starten kann. Aber wenn ich dann auch noch bei den Frauen in Lake Louise nicht fahren kann, ist es für mich keine Frage, dass ich bei den Frauen starte.“ Die große Kristallkugel sei für sie genauso wichtig wie die kleine in der Abfahrt, erklärte sie. Und so hätte sie in keiner Phase der Saison Punkte zu verschenken.
Verzicht auf Damen-Trainings
Vonn werde als Kompromissangebot notfalls auf die Damen-Trainings in Lake Louise verzichten, um sich keinen Vorteil zu verschaffen. Sie ist aber auch der Meinung, dass ihr trotz fehlender Herren-Punkte eine Startnummer unmittelbar nach den Top 30 zustünde. „Es ist weiter ein Ziel von mir, mit den Männern zu fahren, und ich werde weiter darum kämpfen, dass es einmal klappen wird“, gab sich die 28-Jährige einmal mehr kämpferisch. Von einem PR-Gag, wie u. a. Peter Schröcksnadel vermutete, könne keine Rede sein.
„Das ist ein ernster Wunsch von mir. Ich habe es schon vor einigen Jahren mit meinen Coaches diskutiert. Das ist für mich das nächste Niveau. Die Männer fahren mit so viel mehr Kraft und Geschwindigkeit als die Damen. Ich bin beim Training dabei, aber im Rennen ist es eine andere Geschichte. Ich möchte es einmal probieren, und überhaupt nicht die ganze Saison mit den Männern fahren“, erklärte die US-Amerikanerin. PR-Gag? „Das ist Quatsch.“
„Schaut nicht so gut aus“
Ausrüster Head zeigte sich jedenfalls kooperativ. „Wir werden ihr einen Servicemann mitgeben, wenn sie fahren kann“, sagte Rennleiter Rainer Salzgeber. „Aber prinzipiell bin ich schon der Meinung, Herren-Weltcup ist Herren-Weltcup und Damen-Weltcup ist Damen-Weltcup.“ Das letzte Wort hat die FIS bei ihrem November-Meeting. „Dann müssen sie eine Entscheidung treffen“, sagte Vonn, deren Hoffnungen allerdings gering sind. „So viel ich gehört habe, schaut es nicht so gut aus.“
Dass Vonn gegen Ende ihrer Karriere auch die Streif im Renntempo bezwingen will, wie sie vor einigen Tagen bekanntgab, kommentierte übrigens Brian Stemmle sarkastisch. Der Kanadier, der im Jahr 1989 einen Abfahrtssturz in Kitzbühel nur mit viel Glück überlebt hatte, sagte dazu: „Ich mag diese Aussage, denn es würde womöglich tatsächlich das Ende ihrer Karriere bedeuten.“
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