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Siegerlose Zeit

Der Radsport-Weltverband (UCI) hat am Freitag in Genf beschlossen, dass die Tour-de-France-Siegerliste der Jahre 1999 bis 2005 nach der Streichung der Titel von Lance Armstrong leer bleibt. Armstrong waren am Montag alle Rennergebnisse seit 1998, darunter auch seine sieben Siege bei der Frankreich-Rundfahrt, wegen Dopings aberkannt worden.

Da auch viele der möglichen Nachrücker des US-Amerikaners wie Jan Ullrich und Ivan Basso nachträglich Dopingsperren erhalten haben oder zumindest unter Betrugsverdacht stehen, entschied sich die UCI, die Ära zur siegerlosen Zeit zu erklären. Die Titel werden nicht neu vergeben.

Im Gegensatz zur Armstrong-Ära bleibt der Tour-Sieg von Bjarne Riis 1996 weiterhin bestehen. Der Däne, mittlerweile Teamchef bei Saxo Bank, hatte 2007 Doping gestanden, sein einziger Titel bei der Frankreich-Rundfahrt wurde ihm wegen Verjährung von mehr als acht Jahren damals aber nicht aberkannt.

„Das UCI Management Committee anerkennt, dass der Verdacht weiterhin über dieser dunklen Periode hängt. Für diejenigen, die sauber gefahren sind, mag es hart erscheinen, aber sie würden verstehen, dass durch die Neuvergabe von Plätzen wenig Ehre gewonnen worden wäre“, begründete der Weltverband in einer Stellungnahme. Auch Tour-Direktor Christian Prud’homme hatte sich zuletzt für diese Vorgehensweise ausgesprochen.

Preisgelder werden zurückgefordert

Spannend könnten sich weiterhin auch die Regressforderungen entwickeln. In einer Sondersitzung entschied die UCI zudem, von den wegen Dopings verurteilten Fahrern die Preisgelder zurückzufordern. Allein bei der Tour hatte Armstrong mehr als drei Millionen Euro gewonnen. „Das Komitee fordert Armstrong und alle anderen betroffenen Fahrer auf, das Preisgeld, das sie erhalten haben, zurückzuzahlen“, betonte die UCI.

Das von der US-Anti-Doping-Agentur (USADA) aufgedeckte Dopingsystem um Lance Armstrong hat in den vergangenen Wochen zu Geständnissen zahlreicher Profis geführt. Diese zogen wiederum die Annullierung ihrer Ergebnisse nach sich.

Untersuchungskommission geplant

Außerdem reagiert die UCI auf die heftigen Vorwürfe gegen den Verband im Zuge der Affäre und will nach eigenen Worten eine unabhängige Untersuchungskommission einsetzen. Details sollen in der ersten November-Woche mitgeteilt werden.

„Wie ich schon am Montag gesagt habe: Die UCI ist bestrebt, diese schmerzhafte Episode in der Geschichte unseres Sportes zu retten“, betonte UCI-Präsident Pat McQuaid. „Wir werden alles von der unabhängigen Kommission für notwendig Erachtete unternehmen, um den Radsport wieder fit zu machen. Schon heute ist der Radsport ein ganz anderer Sport als er es zwischen 1998 und 2005 gewesen ist.“

Die Mitglieder der Untersuchungskommission sollen von einer unabhängigen Sportbehörde nominiert werden. Um welche Organisation es sich dabei handelt, will die UCI übernächste Wochen bekanntgeben. Eine Aufgabe der Kommission werde es auch sein, Wege zu finden, um sicherzustellen, dass überführte Doper auch nach ihrer Karriere nicht mehr im Sport tätig sein können, auch nicht in anderen Funktionen.

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Publiziert am 26.10.2012