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Auch Westernreiter mit Medaillenchancen

Mit einem Aufgebot wie noch nie reist der Österreichische Pferdesportverband (OEPS) bei den bis 7. September laufenden siebenten Weltreiterspielen in die Normandie rund um Caen. Insgesamt 34 Sportler sollen dafür sorgen, dass Österreich erstmals überhaupt in allen acht FEI-Disziplinen vertreten ist. Medaillenchancen sieht der Verband vor allem in drei Bewerben.

Sportdirektor Franz Kager freute sich, dass der Verband bei den nur alle vier Jahre ausgetragenen Weltreiterspielen in allen Weltverbandssparten vertreten ist. „Wir sind auch sicher, dass es die erfolgreichsten Weltreiterspiele für uns werden“, glaubt der Funktionär. Mit den Voltigierern, den Western- und den Parareitern hat die rot-weiß-rote Equipe gleich mehrere heiße Eisen im Kampf um Medaillen im Feuer.

Lindner/Wacha dominierten Szene zuletzt

Allen voran die Voltigierer, die mit einmal Silber und zweimal Bronze 2006 in Aachen bzw. 2010 in Kentucky auch für die bisher einzigen Medaillen für Österreich bei dieser seit 1990 ausgetragenen Veranstaltung gesorgt haben. Vor allem Jasmin Lindner/Lukas Wacha haben im Pas de deux zuletzt die Szene dominiert. „Es wäre ein Wunder, wenn Gold an ihnen vorbeiginge“, lehnte sich Teamkollege Stefan Csandl, selbst im Einzel am Start, diesbezüglich weit aus dem Fenster. Auch mit der Gruppe rechnen sich die Voltigierer einiges aus.

Jasmin Lindner und Lukas Wacha beim Voltigieren

GEPA/Florian Ertl

Lindner/Wacha zählen zu den Favoriten

Aber auch die Westernreiter, die als junger Sport noch ein bisschen ein Schattendasein führen, haben große Hoffnungen auf Edelmetall. Martin Mühlstätter hat in diesem Jahr in den USA ein großes Derby und nicht weniger als eine Million Dollar Preisgeld gewonnen. „Medaillenanwärter im Team sind wir sicher, im Einzel möchte ich nicht zu verwegen sein“, sagte der für die Westernreiter zuständige Gerold Dautzenberg. Immerhin scheint im Team mit Rudi Kronsteiner auch ein zweifacher Weltmeister auf, allerdings war dies nicht im Rahmen von Weltreiterspielen.

Martin Mühlstätter beim Westernreiten

GEPA/US Presswire/Mark Zerof

Das Westernreitteam um Mühlstätter zählt zu den Medaillenanwärtern

Als dritte Sparte mit Medaillenhoffnungen gelten die Parareiter mit Paralympics-Sieger 2012 Pepo Puch. In den nicht olympischen Disziplinen sind im Vierergespann Josef Leibetseder bzw. im Distanzreiten Steffi Kunz und Helga Wunderer nominiert.

In olympischen Disziplinen nicht in der Spitze

In den drei olympischen Disziplinen Springreiten, Dressur und Vielseitigkeit sind absolute Spitzenplätze für Österreichs Athleten hingegen außer Reichweite. „Medaillenträume wären vermessen. Schön wäre es, wenn wir in die zweite Runde kommen“, sagte der rot-weiß-rote Springreitreferent Thomas Istinger gegenüber der APA. Für die erhoffte Qualifikation für die Olympischen Spiele 2016 in Rio gibt es vorerst nur Mannschaftsplätze, und da ist Österreich weder bei den Springreitern noch in der Dressur vorerst im Kreis der Anwärter.

Allerdings werden die OEPS-Athleten den stärksten europäischen Teams bei dieser WM die Daumen drücken. Denn für Österreichs Springreiter ist ein Team-Olympiaplatz erst kommendes Jahr bei der EM in Aachen in Reichweite, wenn möglichst viele Europäer schon in Frankreich das Ticket gelöst haben. „Wenn die vorne sind, sind sie fix qualifiziert. Das bedeutet, dass wir dann in Aachen nicht gegen sie reiten müssen. Wir müssen uns in Aachen gegen die besten (noch nicht qualifizierten, Anm.) europäischen Länder qualifizieren“, erklärte Istinger.

Vier Springreiter am Start

Bei den Springreitern sind Casino-Grand-Prix-Gesamtsieger Dieter Köfler, Nachwuchshoffnung Stefanie Bistan, Astrid Kneifel und Markus Saurugg nominiert, Roland Englbrecht reist als Ersatzmann mit. Köfler, Bistan und Saurugg sind überhaupt erstmals bei den Weltreiterspielen dabei. „Wenn einer es ins Finale schafft, wäre das schon sehr gut“, meinte Istinger. Zumal das Starterfeld groß wie nie ist: Bis zu 42 Mannschaften und rund 300 Pferde sollen in der Normandie einreiten.

„Ich war noch nie bei einer WM. Unsere Pferde sind alle noch relativ jung. Wir werden versuchen, uns mit Anstand zu präsentieren“, sagte Köfler. Die erst 22-jährige Bistan will beim ersten Großereignis bei den Senioren „Erfahrung sammeln“. Im Nationenpreis ist das große Ziel, die zweite Runde zu erreichen, was in Anbetracht großer Starterfelder schwierig genug ist. Die Springreiter müssen auf Österreichs Nummer eins, Stefan Eder, verzichten, weil sein Toppferd Chilli van Dijk wegen einer Zerrung an der Beugesehne pausieren muss.

Stefanie Bistan beim Springreiten

GEPA/Hans Oberlaender

Bistan will bei ihrem Debüt „Erfahrung sammeln“

OEPS-Präsidentin und Olympiasiegerin in der Dressur (1980) Elisabeth Max-Theurer weiß, wie schwierig es im modernen Reitsport gerade auch in den Olympia-Disziplinen geworden ist. „Bei den Weltreiterspielen in Europa ist die Beteiligung viel größer, weil hier das Zentrum des Pferdesports ist. Das wird alles bisher Dagewesene sprengen.“ Normalerweise dürfen zum Beispiel in der Dressur die Richter nur maximal 40 Paare pro Tag bewerten. Bei der WM sollen es bis zu zehn pro Tag mehr werden, dafür muss es eine Ausnahmegenehmigung geben.

Max-Theurer will in zweite Runde kommen

Auch für ihre Tochter Victoria Max-Theurer die bereits dreifache Olympiastarterin in der Dressur ist, sind absolute Spitzenplätze außer Reichweite. „Für mich sind es erst die zweiten Weltreiterspiele nach Aachen 2006. Ich glaube, dass es an der Spitze sehr spannend wird. Vielleicht gibt es die eine oder andere Überraschung“, sagte Victoria Max-Theurer. Sie hatte sich mit zwei Pferden für die Weltreiterspiele qualifiziert und sich nun für Augustin OLD entschieden.

Victoria Max-Theurer beim Dressurreiten

GEPA/Hans Oberlaender

Victoria Max-Theurer ist zum zweiten Mal bei Weltreiterspielen dabei

Ihr persönliches Ziel für Caen: „In die zweite Runde, also den Special, zu kommen, die besten 30.“ Für die Kür der besten 15 werde es sehr knapp werden. „Damit traue ich mich nicht zu spekulieren, da brauche ich einen sehr guten Tag im Special.“ Die Dressur- und Westernreiter werden in der ersten Woche der Weltreiterspiele zuerst ihre Medaillengewinner ermitteln, Springen und Voltigieren stehen in der zweiten auf dem Programm.

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