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Serbien und Schweiz legen sich quer

Das Kosovo will beim Kongress der Europäischen Fußballunion in Budapest zum 55. UEFA-Mitglied werden. Angesichts von Protesten aus Serbien ist das ein Politikum. Auch die Schweiz hat Bedenken, sie will ein Abwandern einiger ihrer Spitzenspieler für die WM-Qualifikation verhindern.

Erst seit 2014 sind Testspiele des Kosovo vom Fußballweltverband (FIFA) erlaubt. Beim Debüt gab es ein 0:0 gegen Haiti, schon bald könnten Bewerbsspiele folgen. Die UEFA entscheidet am Dienstag bei ihrem Kongress über die Aufnahme. Notwendig dafür ist eine Zweidrittelmehrheit. Eine Woche später könnte beim FIFA-Kongress in Mexiko-Stadt schon die FIFA-Mitgliedschaft anstehen.

„Das Warten hat sich gelohnt. Das ganze Land freut sich. Ich kann es noch gar nicht fassen, dass wir im Herbst wohl WM-Quali spielen dürfen“, sagte Albert Bunjaku der Schweizer Zeitung „Blick“. Der Profi des FC St. Gallen spielt nicht mehr für die Schweizer „Nati“, sondern für die Heimat seiner Vorfahren.

„Nati“ droht großer Aderlass

Wird das Kosovo UEFA- und FIFA-Mitglied, dürfte man schon an der Ausscheidungsrunde für die WM 2018 in Russland teilnehmen. Die vage Hoffnung Bunjakus: Andere prominente Profis könnten seinem Vorbild folgen.

Auch Xherdan Shaqiri (Stoke City), Granit Xhaka (Borussia Mönchengladbach) und Valon Behrami (Watford) haben Wurzeln im Kosovo. Das Trio spielt für die Schweiz, die wie einige skandinavische Länder sportliche Bedenken formuliert. Man drängt auf eine Regelung, dass ein Nationenwechsel wie jener Bunjakus nicht mehr möglich sein soll.

Xherdan Shaqiri (Schweiz)

GEPA/Philipp Brem

Für Xherdan Shaqiri könnte die EM das letzte Turnier als Schweizer sein

Serbien will „Ungerechtigkeit“ verhindern

Großer Widerstand kommt aus Serbien, das die Abspaltung der Republik nicht akzeptieren will. Bereits die Anerkennung durch das Internationale Olympische Komitee (IOC), die Athleten aus dem Kosovo den Start in Rio ermöglicht, wurde als „Schlag“ empfunden. „Viermal haben wir es geschafft, das Thema von der Agenda zu nehmen und die große Ungerechtigkeit zu verhindern“, sagte Serbiens Verbandschef Tomislav Karadzic.

Erol Salihu, Generalsekretär des kosovarischen Fußballverbandes (FFK), spricht hingegen von einem historischen Moment. Unaufhörlich habe man bei der UEFA an die „Tür geklopft“. Die Hoffnungen wuchsen, als auch Gibraltar 2013 die Mitgliedschaft erhielt. Bedenken, es fehle in Pristina an der nötigen Fußballinfrastruktur wie einem adäquaten Stadion, werden zerstreut.

Gibraltar soll laut CAS FIFA-Mitglied werden

Für Gibraltar gab es unterdessen am Montag einen wichtigen Erfolg im Rechtsstreit mit der FIFA. Der Internationale Sportgerichtshof (CAS) in Lausanne wies den Weltverband an, unverzüglich alle nötigen Schritte zur Aufnahme des Verbandes von Gibraltar (GFA) in die Wege zu leiten. Bereits beim FIFA-Kongress kommende Woche in Mexiko muss das Thema auf die Tagesordnung genommen werden.

Gibraltar könnte dann noch an der WM-Qualifikation teilnehmen, die im September beginnt. Seit mehr als 20 Jahren hatte das britische Überseegebiet um die Anerkennung im internationalen Fußball gekämpft, seit Mai 2013 ist man nach einer CAS-Entscheidung UEFA-Mitglied - gegen den Widerstand Spaniens. In der Ausscheidung für die EM 2016 in Frankreich gab Gibraltar sein Bewerbsdebüt, verlor in einer Gruppe mit Weltmeister Deutschland, Polen, Irland, Schottland und Georgien aber bei einem Torverhältnis von 2:56 alle zehn Spiele.

Gibraltar ist mit rund 28.000 Einwohnern das kleinste UEFA-Mitglied. Seine Heimspiele trägt die Kronkolonie Großbritanniens im portugiesischen Faro aus, weil in Gibraltar kein international taugliches Stadion steht. Die FIFA hatte 2014 die Voraussetzungen für eine Aufnahme als nicht gegeben angesehen und den Antrag auf Mitgliedschaft erst gar nicht für den Kongress zugelassen. Gegen diese Entscheidung war der GFA vor den CAS gezogen.

Drohende Probleme in der WM-Qualifikation

Für die WM-Qualifikation könnten der FIFA nun ungeahnte Probleme entstehen. Wird auch das Kosovo in Mexiko zum FIFA-Mitglied ernannt, müssten die zwei Teams in den bereits ausgelosten Gruppen ergänzt werden. In einer der beiden Fünfergruppen ist allerdings schon Russland platziert, damit der WM-Gastgeber zu den offiziellen Länderspielterminen antreten kann. Möglicherweise müsste die „Sbornaja“ sich nun andere Gegner suchen, um für Gibraltar und das Kosovo in der Gruppe H Platz zu machen.

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