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Fans sehen Aufstockung skeptisch

Die historische Entscheidung für eine Weltmeisterschaft im XXL-Format mit 48 Teams trifft zwar bei den auf mehr Profit hoffenden Verbänden auf große Zustimmung, hat jedoch bei Clubs und Fans Unverständnis ausgelöst. Vor allem aus Deutschland kommt klare Kritik. FIFA-Präsident Gianni Infantino, der die Aufstockung initiierte, verspricht unterdessen keine Mehrbelastung für Spieler und Clubs.

„Ich finde das bisherige WM-Format mit 32 Mannschaften immer noch gut und kann aus rein sportlicher Sicht einer Aufstockung gar nichts abgewinnen“, sagte der Joachim Löw kurz nach dem Beschluss des FIFA-Councils, die Teilnehmerzahl vom Turnier 2026 an zu erhöhen. Auch durch die Steigerung der Teilnehmerzahl bei der EM 2016 von 16 auf 24 sei der Fußball „nicht attraktiver geworden. Man sollte das Rad nicht überdrehen.“

„Das verlängert nur die Agonie“

Deutliche Worte fand auch die Rapid-Legende Antonin Panenka. „Das ist keine Weltmeisterschaft mehr - wenn fast die ganze Welt dabei ist, dann ist es keine Meisterschaft mehr“, sagte der 68-jährige Tscheche der Agentur CTK. „Es werden sich Mannschaften qualifizieren, die ohnehin nur die zweite Geige spielen - das verlängert nur die Agonie.“

Antonin Panenka

APA/AFP/Michal Cizek

Antonin Panenka sieht schwarz für die Zukunft der Fußball-WM

Infantino konterte den vor allem aus Deutschland vorgebrachten Bedenken am Dienstag in seiner Stellungnahme zur Aufstockung entsprechend: „Deutschland ist immer bei einer WM, selbst wenn nur zwei Teams mitspielen. Aber für andere Länder ist das eine große Chance, und ich weiß, dass wir damit vielen Ländern eine Freude machen können.“

„Vorfreude“ auf Liechtenstein gegen Fidschi

Doch auch die Fußballfans befürchten durch die Aufblähung der Teilnehmerzahl eine höhere Zahl an unattraktiven Spielen. Provokante Meinungen wie „Wer freut sich nicht auf Nepal gegen Aserbaidschan oder Liechtenstein gegen Fidschi“ geistern durch die Sozialen Netzwerke.

In der Umfrage von ORF.at waren rund 61,5 Prozent der Abstimmungsteilnehmer gegen eine Erweiterung. Manche Fans machen sich über die Aufstockung auf ihre Art lustig und fürchten humoristisch gar um die Zukunft der beliebten „Pickerl“-Alben.

Politische und ökonomische Gründe

Das FIFA-Council verstand da weniger Spaß und beschloss die Aufstockung um satte 50 Prozent bei seiner Sitzung in Zürich jedenfalls einstimmig und im Blitzverfahren. Nach nur etwas mehr als 90 Minuten wurde die Nachricht vom Weltverband per Kurznachrichtendienst Twitter verkündet. Das Megaturnier soll der FIFA Mehreinnahmen von rund einer Milliarde Dollar bringen. Politische und ökonomische Gründe sprachen für die Aufblähung - sportlich ist das Format höchst diskutabel.

Gianni Infantino

GEPA/Sputnik/Grigoriy Sisoev

Infantino hat sein Wahlversprechen gegenüber den Verbänden eingelöst und für eine Vergrößerung der WM gesorgt

Statt der bisher acht Gruppen mit jeweils vier Teams wird es in neun Jahren in der Vorrunde 16 Gruppen mit je drei Mannschaften geben. Voraussichtlich werden die Teams auf den Plätzen eins und zwei jeder Gruppe in die neue K.-o.-Zwischenrunde mit 32 Teams einziehen. Danach geht es wie beim bisher üblichen 16er-Format mit dem Achtelfinale weiter. Der Weltmeister muss somit bis zum Titel wie derzeit sieben Spiele absolvieren. Darauf hatten die Kritiker aus Europa stark gedrängt. Die Gesamtzahl der WM-Spiele steigt voraussichtlich von 64 auf 80 Partien.

Elferschießen bei Unentschieden?

Viele Fragen zum Modus ließ auch FIFA-Boss Infantino am Dienstag noch offen. So sei beispielsweise noch nicht entschieden, ob es ein Elfmeterschießen nach Unentschieden in der Gruppenphase geben werde. „Es gibt verschiedene Modelle, über die entschieden werden kann“, erklärte Infantino.

Neuer Fußball-WM-Modus

Der Fußballweltverband (FIFA) hat eine Aufstockung der WM-Teilnehmerzahl beschlossen. Bernhard Stöhr (ORF) informiert über den neuen Modus.

So könne man beispielsweise die Weltrangliste heranziehen, um bei Punkte- und Torgleichheit die endgültige Tabelle zu bestimmen. Die zwei Bestplatzierten kommen jeweils weiter, sodass 32 Teams die erste K.-o.-Runde bestreiten. Das Turnier solle weiterhin 32 Tage dauern und in zwölf Stadien stattfinden, erklärte Infantino im Rahmen einer Pressekonferenz. „Der Sieger wird auch weiter sieben Spiele zu absolvieren haben“, betonte der Schweizer.

Kampf um die Plätze

Die Verteilung der Startplätze nach Konföderationen ist ebenfalls noch offen. Hier fürchten vor allem die europäischen Verbände zu kurz zu kommen. Derzeit sind 13 Europäer startberechtigt. „Wir haben beschlossen, dass das sehr bald untersucht wird“, sagte der FIFA-Chef. Ein mögliches Szenario ist eine endgültige Abstimmung beim FIFA-Council am 9. Mai in Bahrain.

Ungewiss ist weiterhin, wo die WM stattfinden wird. Der FIFA-Kongress wird den oder die Gastgeber nach derzeitigem Stand erst im Jahr 2020 bestimmen. Als Favoriten gelten die USA und Kanada, eventuell als Koausrichter. Auch Mexiko könnte dazustoßen.

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