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Pressestimmen zur WM-Aufstockung

Deutschland

„Bild“: „Nur ein Jahr nach seiner Wahl hat Fifa-Präsident Infantino eindrucksvoll unter Beweis gestellt, dass er keinen Deut besser als sein Vorgänger Blatter ist. Eine Fußballweltmeisterschaft mit 48 Mannschaften statt derzeit 32 ist nichts als Schwachsinn! Warum nicht gleich alle 211 Länder? Oder kleinere Tore für die kleinen Nationen für mehr Chancengleichheit? Dass Niveau und Spannung sinken, ist Infantino egal.“

„Süddeutsche Zeitung“: „Das große Jedermann-Turnier. 48 Teilnehmer, 80 Spiele: Fifa-Präsident Infantino bringt im Eiltempo sein Projekt einer aufgeblähten WM ins Ziel. Die Reform, die von 2026 an gilt, dient aber eher seinen eigenen Interessen als den kleinen Nationen.“

„Hamburger Morgenpost“: „Der Leidtragende ist natürlich mal wieder der Fan. Wer zum Beispiel gerne die beliebten Panini-Bilder sammelt, der sollte für die WM 2026 schon mal einen Bausparvertrag abschließen. Zur EM 2016 hatte Mathematiker Paul Harper (Cardiff) errechnet, dass es durchschnittlich 676 Euro kostet, das Album komplett zu füllen. Bei der EM spielten 24 Teams, das Album zur WM 2026 wird also den doppelten Umfang haben - Panini jubelt ... Noch viel schlimmer aber ist, dass der neue Modus mit 16 Dreiergruppen die Teams zum Mauern animieren wird.“

„Die Welt“: „Uganda, Usbekistan, Tahiti, Panama. Die WM-Turniere werden stark aufgebläht. (...) Aus einem Zusammentreffen der besten Fußballer weltweit wird, überspitzt gesagt, ein Konvent für jedermann. Uganda, Usbekistan, Panama, Tahiti. Herzlich willkommen. Für solche Nationen ist, bei allem Respekt, eine Qualifikation bald absolut machbar. Gut möglich also, dass die deutsche Nationalmannschaft im Jahr 2026 in der Vorrunde gegen Burkina Faso antreten muss. In Gruppe P. P wie Paula.“

„Abendzeitung“: „Es gibt keine Kleinen mehr", hat einmal Berti Vogts, Bundestrainer der deutschen Europameisterschaftsgewinner von 1996, mit Blick auf den Weltfußball gesagt. Was natürlich so nicht ganz richtig ist, siehe die Spiele der DFB-Elf zur WM-Qualifikation gegen San Marino oder Aserbaidschan, deren Konsum meist so erquicklich ist wie der Verzehr eines DIN-A4-Blockes. Und ähnlich gehaltvoll. Das droht nun auch bei der Weltmeisterschaft.“

Russland

„Rossijskaja Gaseta“: „Natürlich ist die FIFA nicht nur um die Emotionen der Fans besorgt. Die Weltmeisterschaft ist in erster Linie ein Multimilliardengeschäft und eines der lukrativsten Sportereignisse auf dem Planeten. Tatsächlich ist das Turnier der Motor und die Lokomotive des gesamten Fußballs - durch die Einnahmen der Meisterschaft kann die FIFA leben und sich weiterentwickeln. Deshalb ist die Erweiterung der Teilnehmerzahl in erster Linie eine kommerzielle Frage. Je größer der Umfang des Ereignisses wird, desto größer kann der Gewinn sein.“

„Kommersant“: „Diese Idee hat viele Mängel. Und die sind sehr offensichtlich. Zum einem wird sich sicherlich das Niveau des Turniers verdünnen, sollte sich Gianni Infantino nicht auf die Teams konzentrieren, die in vergangenen Spielen gute Ergebnisse erzielt haben. (...) Zum anderem haben schon viele Experten darauf hingewiesen, dass dadurch auch die Kosten explodieren könnten. Und wahrscheinlich müsste man noch mehr investieren: Man braucht mehr Stadien, eine andere Infrastruktur und mehr Sicherheitspersonal. Schon jetzt sind nur wenige Länder bereit, die Spiele auszutragen. Bald könnte die Auswahl noch kleiner werden.“

Großbritannien

„Daily Telegraph“: „Die FIFA denkt, sie belebt die Fußballweltmeisterschaft, in Wirklichkeit wird sie nach und nach abgetötet. Russland, Katar und nun eine überhastete Erweiterung werden das Vertrauen der Öffentlichkeit über einen Zeitraum von acht Jahren aller Wahrscheinlichkeit nach auslöschen.“

„Financial Times“: „Bei der Weltmeisterschaft 1978 waren nur 16 Mannschaften dabei. Seitdem wurden immer mehr schwache Teams zugelassen. Die meisten sind zu dem Turnier gekommen, um zu verteidigen, herumzurennen und zu foulen. Für Fans ist das, als würden sie 90 Minuten lang jemanden dabei zuschauen, einen Bus einzuparken.“

„Guardian“: „Der europäische Fußball sollte sich hüten, diese Erweiterung allzu heftig zu verdammen. Die ECA (European Club Association), die für die Interessen der reichsten Clubs der Welt eintritt, und Rummenigge, Vorsitzender des fünftreichsten, Bayern München, der in der Saison 2015/16 627 Millionen Euro eingenommen hat, machen keine gute Figur, wenn sie eine Entscheidung kritisieren, die den ‚Kommerz‘ vorne anstellt.“

Spanien

„La Vanguardia“: „Es geht um mehr Quantität, um mehr Spektakel (...). Mit dem gestrigen Beschluss der FIFA hat deren Präsident Gianni Infantino eine persönliche Wette gewonnen. (...) Erst vor einem Jahr ins Amt gewählt, hatte er tiefgreifende Reformen versprochen. Jetzt hat Infantino seine Autorität unter Beweis gestellt, indem er der Fußballwelt seinen Willen aufgezwungen hat, obwohl diese dem erstmals im vergangenen Dezember eingebrachten Vorschlag gar nicht offen gegenüberstand.“

„El Mundo“: „Die Erweiterung der Weltmeisterschaft ist eine willkürliche Maßnahme der FIFA und wird den Wettbewerb deutlich entwerten. (...) Die Entscheidung der FIFA basiert auf zwei Gründen, und keiner davon hat rein mit dem sportlichen Wettbewerb zu tun. Der erste ist die Gefräßigkeit dieser Institution, die das Fußballgeschäft mästen will. (...) Der zweite Grund ist geopolitischer Natur, und gegen ihn war die FIFA - ebenso wie andere Institutionen, wie etwa das IOC - noch nie immun. Mehr Mannschaften bei der WM bedeuten höhere wirtschaftliche Einnahmen für die FIFA durch neue Länder und somit neue Sponsoren.“

„Marca“: „Die Entscheidung der FIFA, die Zahl ihrer ‚Kronjuwelen‘ zu vergrößern, hat unendlich viele Pro- und Kontrareaktionen hervorgerufen. Aber nur die Zeit wird zeigen, ob eine solch radikale Änderung des WM-Formats zu Recht oder zu Unrecht eingeführt wurde.“

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