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Keine Nutzung seit Paralympics

Im August 2016 ist das Maracana-Stadion von Rio de Janeiro das Prunkstück der ersten Olympischen Sommerspiele in Südamerika gewesen. Ein halbes Jahr später droht der legendäre „Fußballtempel“ zu verfallen. Denn niemand fühlt sich für die Instandhaltung der Arena verantwortlich. Auch Plünderer setzen dem sportlichen Wahrzeichen Rios zu.

Seit der Abschlussfeier der Paralympics wird das Maracana - mit Ausnahme eines Benefizspiels für die Opfer des Flugzeugabsturzes in Bolivien, bei dem das Fußballteam von Chapecoense ums Leben kam - nicht mehr genutzt. Davor war das 78.000 Zuschauer fassende Stadion Schauplatz der Eröffnungsfeiern und stand auch am Anfang und am Ende der Olympischen Spiele farbenfroh im Mittelpunkt.

Rasen im Maracana-Stadion in Rio

Reuters

Der Rasen im Maracana wurde schon lange nicht mehr gepflegt

2014 hatte Mario Götze im Maracana Deutschland gegen Argentinien zum vierten WM-Titel geschossen. Bei beiden Großveranstaltungen stand das vor seinem Umbau fast 200.000 Zuschauer fassende Stadion symbolisch für die Fähigkeit Brasiliens, trotz aller Krisen rauschende Sportfeste zu veranstalten.

Diebe räumen Stadion leer

Von Ruhm und Glanz ist ein halbes Jahr nach Ende des olympischen Zaubers nichts mehr über. Erschreckende Bilder über den Zustand der Arena machen die Runde: Ausgedünnte Sitzreihen auf den Tribünen, die herausgerissenen Sitze auf einem Haufen gesammelt und eine ausgetrocknete Rasenfläche, die von Furchen und Löchern übersät war, sind zu sehen. Laut Medienberichten wurden auch die Fenster im Stadion eingeschlagen und die Kupferverkabelung aus den Wänden und Decken gestohlen.

Plünderer setzen der Arena überhaupt zu. Feuerlöscher, Schläuche, TV-Geräte und sogar eine Bronzebüste von Mario Filho, dem Journalisten, nach dem das Stadion benannt wurde, gehören zum Diebesgut. Lokale Fußballfunktionäre haben am Dienstag die Polizei in Rio de Janeiro zum schnellen Handeln aufgefordert, um die „Zerstörung des Maracana“ zu stoppen. Der Fußballverband von Rio de Janeiro hat für 17. Jänner ein Krisentreffen einberufen, das aber laut den lokalen Funktionären zu spät kommen könnte.

Niemand fühlt sich zuständig

Für die Instandhaltung des Stadions fühlt sich in Rio niemand zuständig. Das Management der Arena, die um rund 600 Mio. Euro von einer riesigen Betonschüssel in ein modernes Stadion verwandelt wurde, verweist laut einem Bericht der englischen „Sun“ auf die olympischen Organisatoren, die aus ihrer Sicht für die Sanierung zuständig sind. Die Olympia-Verantwortlichen halten dagegen, das Stadion im Oktober ordnungsgemäß übergeben zu haben - auch wenn „einige Reparaturen noch offen“ seien.

Der Zustand des Stadions verhindert auch die Gastspiele der drei großen Rio-Clubs Flamengo, Fluminese und Vasco da Gama, die das Maracana früher für Schlagerspiele nutzten. Im Vorfeld der WM wurde die Arena jedoch für die Clubs gesperrt. Mittlerweile übersteigen die Veranstaltungskosten für Spiele im Maracana die Budgets der Vereine. „Das Stadion war drei Jahre geschlossen und kann jetzt nur mit sehr hohen Kosten wieder eröffnet werden“, wird Rubens Lopes, der Chef des Stadtverbandes in der „Sun“ zitiert. „Für den Fußball in Rio war die WM das Schlimmste, was passieren konnte.“

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