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Athleten reagieren mit Unverständnis

Ausgerechnet die Passage, wo der Franzose Johan Clarey mit 161,9 km/h den Geschwindigkeitsweltrekord im Skiweltcup hält, ist vorerst einmal Geschichte. Im Hanneggschuss auf dem Lauberhorn wurde in dieser Saison zur Tempokontrolle ein Sprung eingebaut. Dieser missfällt den Speed-Spezialisten. „Komplett sinnlos, voll für die Fisch“, sagte etwa der Vorjahresdritte Klaus Kröll in Wengen.

Auch Gröden-Sieger Max Franz findet den neuen Sprung „unnötig“. Denn es sei ja cool, mit 160 km/h fahren zu können, meinte er. Das wird sich diesmal bei Weitem nicht ausgehen, die Organisatoren und der Internationale Skiverband (FIS) entschieden sich zur Speed-Reduktion.

Klaus Kröll

GEPA/Thomas Bachun

Routinier Kröll konnte sich mit dem Sprung im Hanneggschuss nicht anfreunden

„Bei dem neuen Sprung müssen die Rennläufer arbeiten, damit können wir das Tempo reduzieren“, hatte FIS-Renndirektor Markus Waldner am Montagabend in der Mannschaftführersitzung erklärt. Im Rennen dürfte es etwa um zehn Stundenkilometer langsamer werden.

Reichelt erstmals über 160 km/h

2013 war Hannes Reichelt in Wengen zum ersten Läufer der Weltcup-Geschichte avanciert, der mit mehr als 160 km/h gemessen wurde. Den Weltrekord nahm ihm sogleich Clarey mit 161,9 km/h wieder ab. Der damalige Renndirektor Günter Hujara hatte sich über die Rekordjagd wenig begeistert gezeigt. „Das ist reine Datenermittlung. Das sind keine Weltrekorde. Das ist eine hirnrissige Diskussion, die von den Medien inszeniert wird.“ Den Läufern aber machte es Spaß.

Und laut Reaktionen - Kritik äußerten auch die Schweizer Beat Feuz, Carlo Janko und Patrick Küng - würden sie gerne schneller unterwegs sein. Stattdessen gibt es jetzt einen weiteren Sprung, der auch in der TV-Übertragung zu sehen sein wird - eine neue Kameraposition wurde eingerichtet.

Abfahrer brauchen Geschwindigkeit

Vincent Kriechmayr war ob des neuen Sprungs verwundert. „Ich weiß nicht, was das Problem ist. Dort ist noch nie jemand zu Sturz gekommen. Ich finde es sogar cool, wenn wir 160 km/h drauf haben. Und es war immer super Werbung für unseren Sport. Für uns Abfahrer ist es das Geilste überhaupt, so einen Speed drauf zu haben. Deshalb ist man ja Abfahrer geworden“, meinte der Oberösterreicher.

„Ich verstehe es nicht, dort ist nie was passiert. Warum soll man nicht 150, 160 fahren, wenn es kein Problem ist, keine Gefahr?“, fragte Kröll. Reichelt erläuterte: „Es geht fein zum Fahren, bis auf den einen Sprung in Hanneggschuss, der ist Schwachsinn. Weil erstens ist nie was passiert und zweitens ist es, wenn du einen Fehler machst, beim Sprung schlimmer, als wenn du nur gerade runterfahren würdest. Der Sprung ist auch ungut, schlecht gebaut, er hat so einen Kick.“ Die 160 km/h hätten ihn nie gestört. „Da sind wir schneller herunten und braucht man nicht so viel Kraft.“

Olympiasieger Mayer sagte abschließend: „Die Charakteristik von Wengen ist der Hanneggschuss, die hohe Geschwindigkeit. Ich kann mich nicht erinnern, dass jemals was passiert ist dort. Es geht nur geradeaus, und danach ist eine Kurve. Es war lässig, jeder hat sich gefreut und probiert, noch schneller zu fahren, das fällt jetzt weg.“

„Idee war die Speed-Reduktion“

„Die Idee war die Speed-Reduktion. Das ist der Sinn dahinter. Es macht Sinn, wir behalten den Sprung bei“, ließ Waldner die Reaktionen der Rennläufer in der Mannschaftsführersitzung nicht unkommentiert. Zuletzt seien die Läufer in dieser Sektion immer schneller geworden, es habe in den vergangen Jahren zwar keine Stürze gegeben, aber das wäre in Zukunft möglich gewesen, meinte Waldner.

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