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Eine Bestzeit für ein „Halleluja“

Marcel Hirscher war nach dem Riesentorlauf der Herren bei der WM in St. Moritz zwar der strahlende Sieger, ebenso hell leuchteten aber die Augen seines Vizes Roland Leitinger. Der 25-jährige Salzburger, der im Weltcup bisher noch nie auf dem Podest gestanden war, eroberte mit einer famosen Fahrt im zweiten Durchgang die Silbermedaille und machte aus dem Freitag einen rot-weiß-roten Feiertag.

Viel hatte nicht gefehlt und Leitinger hätte so wie Nicole Schmidhofer im Super-G seinen ersten Erfolg gleich auf der großen Bühne namens Weltmeisterschaft gefeiert. Um 25 Hundertstelsekunden musste der Mann aus St. Martin bei Lofer im Salzburger Pinzgau seinem prominenten Landsmann Hirscher den Vortritt lassen. „Halleluja, Oida“ schrie Leitinger in den Schweizer Himmel, als nach der Fahrt des Drittplatzierten nach dem ersten Durchgang Alexis Pinturault die Medaille feststand.

„Habe gewusst, es funktioniert“

„Heute ist mir einfach alles aufgegangen“, sagte der 25-Jährige, „ich war schon im Training schnell, und ich habe gewusst, wenn alles zusammenpasst, funktioniert es auch im Rennen.“ Schon im ersten Lauf passte es bei Leitinger. Der Salzburger klassierte sich mit der relativ hohen Nummer 22 auf dem sechsten Rang. Sein Rückstand auf den bereits zur Halbzeit führenden Hirscher: 0,53 Sekunden.

Roland Leitinger und Marcel Hirscher

APA/AP/Keystone/Gian Ehrenzeller

Auch als Zweiter fühlte sich Leitinger (l.) wie ein Weltmeister

Im zweiten Durchgang legte Leitinger, dessen bestes Weltcup-Ergebnis bisher ein sechster Platz 2015 in Sölden war, noch eines drauf. „Ich habe nach dem ersten Durchgang gewusst, es funktioniert, ich bin gut drauf und habe sogar noch Reserven“, so der Salzburger, „nach dem zweiten Lauf hatte ich diese Reserven nicht mehr. Ich habe aber im Ziel schon gewusst, dass es ein sehr guter Lauf war.“ An Leitingers Laufbestzeit kam auch der spätere Weltmeister nicht heran.

Ohne Druck zum Erfolg

Obwohl zum ersten Mal bei einer Weltmeisterschaft am Start, war bei Leitinger von Nervosität keine Spur. „Es war überraschend für mich, dass ich so locker war, wie selten zuvor. Ich hatte überhaupt keinen Druck, keiner hat etwas von mir erwartet. Ich habe aber gewusst, mit einem guten Rennen bin ich sicher in den Top Ten“, sagte der 25-Jährige. Es sollte deutlich mehr werden.

„Silberner“ Husarenritt von Leitinger

Der 25-Jährige katapultiert sich mit Laufbestzeit im zweiten Durchgang von Platz sechs noch zur Silbermedaille.

Schon als der nach ihm gestartete Norweger Henrik Kristoffersen, immerhin schon Sieger eines Riesentorlaufs im Weltcup, hinter ihm blieb, verwandelte sich der Traum von Edelmetall in Leitingers Kopf schon langsam in Realität. „Als Kristoffersen eine halbe Sekunde hinter mir war, habe ich schon mit einer Medaille geliebäugelt“, so der Salzburger, „es ist noch immer unglaublich, wenn ich daran denke.“

Silber als Balsam für den Rücken

Auch Herren-Cheftrainer Andreas Puelacher hatte mit seinem Schützling nicht wirklich gerechnet - so wie die Mehrheit der ORF.at-User: Nur etwas mehr als vier Prozent trauten Leitinger Edelmetall zu. „Die Medaille war überraschend, er hat noch nie ein Podest gehabt im Weltcup“, sagte der Hauptverantwortliche für die Herren-Mannschaft im Österreichischen Skiverband (ÖSV), „aber er hat einen schnellen Schwung, er ist ein super Skifahrer, das hat er letztes Jahr gezeigt.“

Nach seinem überraschenden Platz sechs in beim Weltcup-Auftakt in Sölden vor zwei Jahren hatte der 25-Jährige aber vor allem mit gesundheitlichen Schwierigkeiten zu kämpfen. „Er hat immer wieder die Probleme mit dem Rücken“, so Puelacher. Auch in der Vorbereitung auf den aktuellen Weltcup-Winter wurde Leitinger von Rückenschmerzen gebremst. In Garmisch-Partenkirchen knapp vor der WM in St. Moritz zog sich der Salzburger zudem eine Schuhrandprellung zu. Am Freitag war Leitinger das alles wurscht: „Ich habe in zwei Läufen keinen Fehler gemacht, und jetzt stehe ich mit einer Silbermedaille da, nur zwei Zehntel hinter Gold.“

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