Themenüberblick

Jubel nach dramatischem Bewerb

Österreichs Biathlon-Herren haben am Samstag vor über 20.000 Fans für die erste Medaille bei der Heim-WM in Hochfilzen gesorgte. In einem dramatischen Staffel-Bewerb landete das Quartett des Österreichischen Skiverbands (ÖSV) Daniel Mesotitsch, Julian Eberhard, Simon Eder und Dominik Landertinger auf Platz drei und holte mit Bronze das erste WM-Edelmetall in dieser Disziplin seit dem Jahr 2009 in Pyeongchang.

Zum Helden avancierte Schlussläufer Landertinger. Der Tiroler Lokalmatador konnte auf der letzten Runde den Deutschen Simon Schempp distanzieren und sorgte vor einer Rekordkulisse für großen Jubel im Zielraum. Gold in der Staffel ging erstmals seit 2008 an Russland, das sich mit einem Vorsprung 5,8 Sekunden auf Frankreich durchsetzte. Österreich, das mit zehn Nachladern die meisten des Spitzentrios hatte, lag 20,1 Sekunden zurück. Deutschland hatte einen Rückstand von 8,5 Sekunden auf die ÖSV-Equipe.

ÖSV-Biathleten holen Staffel-Bronze

Mit einer überragenden Laufleistung hängt Schlussläufer Dominik Landertinger den Deutschen Simon Schempp auf den letzten Metern ab und holt die erhoffte Medaille.

„Schlussläufer ist das grauslichste, was es gibt. Ich habe das Schießen gut durchgezogen, obwohl meine Form nicht die beste ist. Am letzten Anstieg bin ich volle Attacke gegangen. Ich habe alles rausgeholt, zum Glück bin ich noch ins Ziel gekommen. Das ist geil. Es ist wirklich, wirklich wunderschön. Ich bin stolz, dass ich hier laufen durfte. Schon beim Einlaufen hat es mir vor diesen Fans die Gänsehaut aufgezogen. Dass es geklappt hat, ist für alle schön“, jubelte Landertinger nach dem spannenden Finale.

Mesotitsch und Eberhard erfüllen Aufgabe

Der Bewerb stand für Österreich von Beginn an unter einem guten Stern. Jeder Läufer erfüllte seine Vorgaben. Startläufer Mesotitsch musste nur einmal nachladen und übergab hinter Deutschland (+21,1) an der achten Stelle. „Sehr zufrieden wäre ich mit null Fehlern gewesen. Auf der Schlussrunde habe ich mich brutal quälen müssen, aber ich habe gute Arbeit geleistet“, bilanzierte der 40-jährige Routinier aus Kärnten seine Vorstellung.

Mesotitsch beim ersten Schießen

Beim ersten Liegend-Schießen gelingt Daniel Mesotitsch als einzigem Österreicher eine fehlerfreie Serie.

Eberhard benötigte insgesamt vier Zusatzpatronen, behielt dabei aber die Nerven und spielte seine Laufstärke voll aus. Der 30-jährige Salzburger arbeitete sich auf den sechsten Platz vor und übergab mit einem Rückstand von 14,1 Sekunden auf die zu diesem Zeitpunkt führenden Franzosen. „Das waren nicht meine Verhältnisse, aber ich hatte eine klare Aufgabe. Ich musste so nahe wie möglich an die Spitzengruppe heran. Die habe ich gelöst“, erklärte Eberhard.

Eder kämpft sich auf Rang zwei vor

Als Nächster war dann Eder an der Reihe. Der 33-Jährige musste zwar ebenfalls dreimal nachladen, nutzte aber die Fehler der Konkurrenz aus. Nach seinem Stehendanschlag lag der Salzburger bereits auf dem zweiten Rang. Die Lücke zum Russen Anton Babikow konnte Eder mit einer starken Laufleistung schließen. „Ich habe gutes Tempo gemacht. Die ganze Mannschaft war taktisch sehr stark“, erklärte Eder, der mit dem Minimalrückstand von 0,5 Sekunden Schlussläufer Landertinger ins Rennen schickte.

Landertinger hält dem Druck stand

Der Tiroler war extrem gefordert, kämpfte er doch gegen die besten Biathleten um die Medaille. Vorne Weg diktierte Anton Schipulin das Tempo, von hinten erhöhten Martin Fourcade und Schempp den Druck. Nach einem Nachlader beim Liegend-Schießen ging Landertinger gemeinsam mit Fourcade vom Schießstand. Nach einem weiteren Fehlschuss stehend, wurde das Rennen für den Tiroler zum Kampf um Bronze.

Das Stehend-Schießen von Landertinger

Kopf an Kopf mit dem Deutschen Simon Schempp geht Dominik Landertinger in den Kampf um Bronze in die entscheidende Phase.

Russland und Frankreich waren weg, Schempp keine zwei Sekunden hinter dem 28-Jährigen. Landertinger und der Deutsche gingen lange Zeit synchron. Doch beim letzten langen Anstieg drehte der Österreicher an der Temposchraube und holte den entscheidenden Vorsprung heraus. Schempp war gebrochen und konnte nicht mehr zusetzen. Das Quartett sorgte für die erst dritte ÖSV-Staffel-Medaille in der WM-Geschichte nach Bronze vor zwölf Jahren in Hochfilzen und Silber 2009. Insgesamt war es Nummer 15.

Mesotitsch „von den Emotionen überwältigt“

Für Landertinger, Eberhard und Eder wartete am Sonntag noch der abschließende Massenstart. Mesotitsch kann dagegen schon feiern. „Es fühlt sich genauso genial an wie damals (2005, Anm.). Es gibt kein schöneres Gefühl, als daheim mit der Mannschaft eine Medaille zu machen. Wir sind alle überwältigt von den Emotionen“, sagte der Kärntner, dem das Mitzittern im Zielraum auf den Magen schlug: „Unvorstellbar, mir war kurz übel beim Zuschauen. Ich war viel nervöser als beim Laufen selbst.“

Jubel (v.l.n.r.) von Daniel Mesotitsch, Julian Eberhard, Simon Eder und Dominik Landertinger

APA/Barbara Gindl

Mesotitsch, Eberhard, Eder und Landertinger feiern ausgelassen

„Unbeschreiblich, wir haben schon von dieser Medaille geträumt, seit wir wissen, dass die WM in Hochfilzen ist. Wir haben darauf sehr lange warten müssen, aber jetzt ist es umso schöner“, sagte Eder. Eberhard, der bisher mit zwei Top-Ten-Ergebnissen in den Einzel-Rennen der beste ÖSV-Mann gewesen war, durfte sich über seine erste Medaille freuen. „Ich war dreimal knapp dran, diese Medaille gehört aber der ganzen Mannschaft. Darum freue ich mich für alle umso mehr, dass wir heute endlich mal etwas in der Hand haben“, sagte Eberhard.

Lob von Chefcoach und Präsidenten

ÖSV-Cheftrainer Reinhard Gösweiner atmete nach der Entscheidung kräftig durch. „Die Erleichterung ist riesengroß, weil man darf sich echt nichts leisten, das hat man heute wieder gesehen“, sagte Gösweiner. Landertinger habe wieder einmal bewiesen, welch bärenstarker Schlussläufer er ist. Auch der aus St. Moritz eingeflogene ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel gratulierte. „Wenn wir als Veranstalter ÖSV keine Medaille gewonnen hätten, wäre das natürlich bitter gewesen, jetzt haben wir eine und sind sehr zufrieden. Vielleicht gibt es ja noch eine“, meinte Schröcksnadel.

Biathlon-WM in Hochfilzen

Herren-Staffel (4 x 7,5 km):
1. Russland Wolkow, Zwetkow, Babikow, Schipulin 1:14:15,0 0/3*
2. Frankreich Beatrix, Fillon Maillet, Desthieux, M. Fourcade + 5,8 0/4
3. Österreich Mesotitsch, Eberhard, Eder, Landertinger 20,1 0/10
4. Deutschland 29,6 0/8
5. Italien 1:30,8 0/5
6. Ukraine 1:41,3 0/10
7. USA 1:50,5 0/8
8. Norwegen 2:22,3 1/8
9. Bulgarien 2:50,3 1/7
10. Tschechien 3:10,0 1/15
* Strafrunden/Nachlader

Links: