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Hoffnung auf Rückkehr von Stars

Gemessen an Podiumsplätzen haben die ÖSV-Ski-Damen den schwächsten Weltcup-Winter seit mehr als zwanzig Jahren absolviert. Nur sieben Mal fand sich eine Österreicherin auf dem Stockerl wieder. Ein Sieg von Christine Scheyer bei der Abfahrt in Altenmarkt-Zauchensee, zwei zweite und vier dritte Plätze lautet die Bilanz. In der Vorsaison waren es immerhin noch 19 Podestplätze.

In der Saison 2006/07 stellten die ÖSV-Damen mit 54 Plätzen auf dem Podium noch einen Rekord auf. Diesmal konnten vor allem die verletzungsbedingten Ausfälle von Leistungsträgerinnen nicht kompensiert werden.

Beste Österreicherin in der Gesamtwertung wurde mit 448 Zählern Super-G-Weltmeisterin Nicole Schmidhofer als 15. Fast 1.200 Punkte mehr als die 27-jährige Steirerin schaffte die US-amerikanische Gesamtsiegerin Mikaela Shiffrin. Die Damen-Nationencup-Wertung ging erstmals nach 18 Erfolgen en suite verloren. Auf die erfolgreichen Italienerinnen fehlten am Ende 993 Punkte. In keiner Disziplin wurden die ÖSV-Damen Erster. Die Saison stand für die heimischen Ski-Damen aber auch unter keinem guten Stern.

Prominente Ausfälle

Der Reihe nach fielen die regierende Riesentorlauf-Disziplinsiegerin Eva-Maria Brem (doppelter Unterschenkelbruch im linken Bein), Slalom-Ass Carmen Thalmann (Riss des vorderen Kreuzbandes im linken Knie) und Speed-Spezialistin Cornelia Hütter (Riss des vorderen Kreuzbandes sowie Riss des Innen- und Außenmeniskus im rechten Knie) aus. Anna Veith gab erst Ende Dezember ihr Comeback, musste die Saison aber im Februar beenden und sich einer weiteren Knieoperation (Patellarsehne) unterziehen.

Anna Veith

GEPA/Amir Beganovic

Ob Anna Veith wieder zu alter Stärke zurückfindet, ist eine der spannenden Fragen für die Zukunft des österreichischen Damen-Teams

ÖSV-Sportdirektor Hans Pum zog im ORF-Interview daher mit gemischten Gefühlen Bilanz: „Mich hat gefreut, dass sich die Anna (Veith, Anm.) für die Weltmeisterschaft wieder so zurückgekämpft hat. Aber Athletinnen wie Eva-Maria Brem oder Cornelia Hütter kann man nicht einfach vorgeben. Sie haben in den letzten Jahren großartige Erfolge gefeiert.“

„Vielleicht ein bisschen zu früh“

Pum verteidigte das Damen-Team gegenüber Kritik und glaubt an das Potenzial der Fahrerinnen: „Für die Jungen war es vielleicht noch ein bisschen zu früh. Der ganze Druck hat auf ihnen gelastet, aber sie haben einen Schritt nach vorne gemacht. Ich bin überzeugt, dass uns diese Damen-Mannschaft noch sehr viel Freude bereiten wird.“

Bei den Titelkämpfen in St. Moritz trugen die Damen dreimal Edelmetall zum ÖSV-Ergebnis von neun Medaillen bei. Neben Schmidhofer und Stephanie Venier (Abfahrtssilber) holte Michaela Kirchgasser Bronze in der Kombination. Für Pum war dieses Abschneiden ein Erfolg: „Weltmeisterschaften haben andere Gesetze. Die Italienerinnen sind sehr stark gefahren, haben aber bei der WM nicht sehr erfolgreich abgeschnitten. Mich freut, dass wir im Medaillenspiegel ganz oben waren. Das hätte ich nach diesen Verletzungen nicht erwartet. Da haben mich die Damen überrascht.“

ÖSV musste Ziele revidieren

„Unterm Strich zählen die Stockerlplätze und Siege und da waren wir natürlich nicht so gut aufgestellt“, sagte Rennsportleiter Jürgen Kriechbaum zur APA in seiner Analyse der Weltcup-Saison. „Die Ziele waren natürlich wesentlich höher gesteckt, aber die haben sich mit den Verletzungen sehr stark geändert. Man musste sie revidieren.“

Christine Scheyer

GEPA/Daniel Goetzhaber

Christine Scheyer sorgte in der Zauchensee-Abfahrt für den einzigen Sieg

Die Entwicklung der Mannschaft sah er im Speed-Bereich gut, Läuferinnen wie Schmidhofer, Scheyer und Stephanie Venier (Abfahrts-WM-Silber) sowie ein paar andere hätten aufgezeigt, da sehe er noch viel Entwicklungspotenzial. Im Riesentorlauf merkte Kriechbaum positiv an, dass Stephanie Brunner das Fehlen von Brem und Veith „ein bisserl kompensieren konnte“, auch wenn der große Erfolg noch ausgeblieben sei.

Zu viele Ausfälle

Im Slalom verzeichnete Kirchgasser viele Ausfälle, Bernadette Schild schaffte jedoch den Sprung in die Topgruppe und Katharina Truppe unter die besten 15. Neben den „Teilerfolgen“ fiel auf, dass im Slalom insgesamt elf Damen gepunktet haben, womit viel Potenzial da sei.

Negativ bemerkenswert sind auch die Ausfälle. „Da müssen wir noch viel mehr ins Detail arbeiten, dass Läuferinnen, die das Potenzial haben, dann auch die Zielankunft sehen“, so Kriechbaum. In der Kombination sei man mit einigen Läuferinnen im Mittelfeld drinnen.

Fest hat „enormes Talent“

Auch aus dem Nachwuchs drängen Läuferinnen nach. Im Europacup als Gesamtdritte und Gewinnerin der Super-G- und Kombinations-Wertung sowie bei der Junioren-WM als Goldmedaillengewinnerin in diesen beiden Disziplinen aufgezeigt hat Nadine Fest. Laut Kriechbaum ist die Kärntnerin „ein enormes Talent mit großen Fähigkeiten auch im Riesentorlauf und Slalom“.

Nadine Fest

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Nadine Fest ist ein Versprechen für die nächsten Jahre

Während die 18-Jährige als Zukunftshoffnung gilt, steuern die arrivierten Läuferinnen auf das Ende ihrer Laufbahn zu. Die Salzburgerin Kirchgasser hat bereits bekanntgegeben, dass sie ihre Karriere um eine Saison fortsetzen wird, die Steirerin Elisabeth Görgl will bis Ende Mai eine Entscheidung treffen.

Vorbereiten auf Pyeongchang

Umstellungen im Trainerbereich sind nicht zu erwarten, die großen Änderungen passierten schon im vergangenen Jahr. Viel Arbeit wartet im Hinblick auf die Olympischen Spiele 2018 in Pyeongchang. Auf den Pisten in Südkorea sei es wichtig, den Ski ganz fein zu ziehen, Übergänge und Wellen zu schlucken und die Geschwindigkeit zu halten. „Das ist eine Schwäche bei vielen von uns, das versuchen wir zu beheben.“

Außerdem wünscht sich Kriechbaum eine starke Rückkehr der derzeit verletzten Athletinnen. „Wenn der Heilungsverlauf positiv fortschreitet, bin ich guter Dinge, dass Anna fitter, als sie es heuer war, zurückkommen kann“, sagte der Damen-Chef über Veith. Bei Brem und Thalmann seien die Verletzungen im Frühwinter passiert, für die Rehabilitation sei sehr viel Zeit und es durchaus möglich, dass sie einigermaßen normal in die Saison starten können. Wenn es wieder um Weltcup-Punkte und Olympiamedaillen geht.

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