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„Der geht echt verdammt weit“

Stefan Kraft hat seiner großartigen Saison ein weiteres absolutes Highlight hinzugefügt. Der 23-jährige Salzburger flog am Samstag auf dem riesigen Bakken von Vikersund im ersten Durchgang des Teambewerbs 253,5 Meter und schien dabei die Möglichkeiten der Schanze mit einer Hillsize von 225 Metern voll ausgereizt zu haben.

Bei der Landung wurde Kraft in die Knie gezwungen und berührte dabei beinahe mit seinem Gesäß den Boden. Ein Sprungrichter hatte Krafts Landung als Sturz bewertet. Es hätten allerdings schon zwei weitere seiner Kollegen diese Entscheidung treffen müssen, damit der Weltrekord Krafts nicht gewertet worden wäre.

Kraft hatte bereits während des Fluges gemerkt, dass ihm hier ein besonderer Sprung gelungen war. „Ich habe gemerkt, der geht echt verdammt weit. Ab 100, 150 Meter checkst du dann, dass es richtig dahingeht, und da habe ich gewusst, das ist jetzt meine Chance: Wenn ich den stehe, dann habe ich Weltrekord. Dann denkst nur noch: ’Den muss ich jetzt stehen, stehen, stehen!“

Kraft macht sich nicht nass

Die TV-Bilder ließen jedenfalls den Schluss zu, dass der Doppelweltmeister von Lahti den Sprung völlig regulär gestanden hatte und dabei nicht mit dem Boden in Kontakt kam. „Ich habe gemerkt, dass ich etwas berührt habe, und ich glaube, dass es der Ski war, weil der Anzug war komplett trocken und nirgends nass“, meinte der Salzburger in der APA.

Kraft fliegt neuen Weltrekord

Stefan Kraft verbesserte am Samstag beim Skiflug-Teambewerb in Vikersund den Weltrekord auf 253,5 Meter.

Er selbst war jedenfalls „total aus dem Häuschen. Da bekommt man einen vollen Adrenalinstoß, und man muss sich dann mal hinsetzen. Echt voll geil.“ Seine Meisterleistung sorgte für viel Jubel im Skiflugstadion. „Ich habe mir gar nicht gedacht, dass es da so rundgeht, wenn man Weltrekord fliegt. Ich bin gerade auch ein bisserl überrascht, was das für einen Rummel auslöst.“

Rekordspringen nach zähem Beginn

Dabei hatte der Bewerb bedingt durch zahlreiche Verzögerungen einen zähen Beginn. Nach Zuwarten, Abbruch und Verschiebung entwickelte sich im Teambewerb noch ein hochklassiger Bewerb. Überstrahlt von zwei Weltrekorden, allen voran dem nun gültigen von Stefan Kraft, der auf 253,5 m segelte und im Finale mit 244 m nachlegte.

„Ja, es war unglaublich“, freute sich Kraft. Er ist damit als erster Österreicher seit Andreas Goldberger vor 17 Jahren (225 m) Weltrekordhalter. Die bisherige Bestmarke vor diesem Wochenende hatte der Norweger Anders Fannemel gehalten, der am 15. Februar 2015 ebenfalls in Vikersund 251,5 m weit gesegelt war.

Stefan Kraft

GEPA/Matic Klansek

Für die Fotografen posierte Kraft noch einmal bei 253,5 Metern

Rund 40 Minuten vor Kraft war der Norweger Robert Johansson bei 252 Metern gelandet und hatte damit Fannemels Bestmarke verbessert. „Unfassbar. Den Sprung hat er optimal getroffen. Da ist maximal noch ein Meter mehr möglich, dann wird es gefährlich“, sagte Norwegens Trainer Alexander Stöckl über Johanssons Flug.

20, 30 Meter weiter möglich

Wenige Minuten später wurde diese Prognose durch Kraft widerlegt, der noch einmal eineinhalb Meter weiter sprang als der Norweger. Die Konkurrenz war von dem Kraftakt beeindruckt und applaudierte verbal. „Das war eine fantastische Leistung. Ich hatte das nicht für möglich gehalten, aber man wird immer wieder überrascht“, kommentierte Deutschlands Trainer Werner Schuster den Rekordflug. „Ich glaube, das ist jetzt aber das absolute Limit.“

Für Kraft ist die Grenze noch nicht erreicht, auch wenn die Flüge eine Herausforderung sind: „Ja, man muss sich schon überwinden, dass man vorne bleibt.“ Neue Weltrekorde sind für ihn nur eine Frage der Schanzen: „Ich würde mir nichts denken, wenn du da noch 20, 30 Meter weiter fliegen würdest. Ich glaube nicht, dass das nicht möglich wäre. Da werden sich die Architekten langsam herantasten (lacht).“

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