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„Besser könnte es nicht laufen“

Das unglaubliche Comeback des Roger Federer geht weiter. Der 35-jährige Schweizer, der im Jänner nach einem halben Jahr Verletzungspause bei den Australian Open sein 18. Major-Turnier gewonnen hatte, siegte auch in Indian Wells. Mit einem 6:4 7:5 im Finale des ersten Masters-1000-Turniers des Jahres über seinen Landsmann Stan Wawrinka holte Federer seinen bereits 90. Titel und katapultierte sich in der Weltrangliste auf Platz sechs.

„Es war einfach wieder eine märchenhafte Woche“, sagte Federer, der sein Glück kaum fassen kann. „Das Comeback nach der Pause verläuft weiter wie ein Traum. Besser könnte es für mich gar nicht laufen“, sagte der vierfache Familienvater, der das Jahr noch als ATP-Nummer 17 begonnen hatte, unter Tränen.

Roger Federer siegt weiter

Der Schweizer holt sich nach dem Titel bei den Australian Open auch den Sieg beim ersten Masters-1000-Turnier des Jahres in Indian Wells gegen Stan Wawrinka.

Comeback wie aus dem Bilderbuch

Federer erinnerte daran, dass er 2016 gar kein Turnier gewonnen hat. „Die Unterschiede sind dramatisch. Aber es fühlt sich großartig an“, freute sich der Schweizer, der Monate mit Zweifeln und Skepsis hinter sich hat. Das Jahr 2016 mit einer Knieoperation und Rückenschmerzen, mit nur sieben Turnierteilnahmen und ohne Titel endete für ihn - gezwungenermaßen - frühzeitig. Beim Baden seiner Töchter hatte er sich nach den Australian Open einen Meniskusriss zugezogen und danach nicht mehr zur gewohnten Form gefunden.

Roger Federer

APA/AP/Mark J. Terrill

Roger Federer bejubelte in Indian Wells seinen bereits zweiten Turniersieg 2017

Völlig unerwartet sicherte er sich gleich bei seinem Comeback seinen 18. Grand-Slam-Titel, den ersten seit Wimbledon 2012. Nun triumphierte er auch nach einem erneuten Sieg über Melbourne-Finalist Rafael Nadal in Indian Wells, das als wichtigstes Turnier nach den vier Grand-Slam-Events gilt. Nicht der Weltranglistenerste Andy Murray und nicht dessen Vorgänger Novak Djokovic dominieren den ersten Saisonabschnitt, sondern Altmeister Federer.

„Jeder liebt es, dir zuzuschauen“

Vor 17 Jahren war Federer erstmals zu einem seiner Lieblingsturniere in die kalifornische Wüste gekommen, jetzt hat er es zum fünften Mal gewonnen. Auf Masters-1000-Ebene ist er nun überhaupt der älteste Sieger aller Zeiten und löste Andre Agassi ab, der mit 34 in Cincinnati gewonnen hatte. Der unterlegene Wawrinka liegt im Head-to-Head mit Federer jetzt 3:20 zurück.

Der US-Open-Sieger, der im Viertelfinale Dominic Thiem ausgeschaltet hatte, war voll des Lobes für seinen Landsmann. „Er hat wirklich schnell gespielt. Er hatte immer eine Antwort. Ich hatte ein paar wenige Möglichkeiten, die ich vielleicht hätte besser spielen können, aber es war nicht genug“, sagte die 31-jährige Nummer drei der Welt.

Und direkt zu Federer gewandt erinnerte sich Wawrinka auch an das in fünf Sätzen verlorene Melbourne-Halbfinale: „Ich habe ein hartes Match gegen dich verloren, aber als du das Finale in Australien gespielt hast, war ich immer noch dein größter Fan. Jeder, der Tennis kennt, liebt es, dir zuzuschauen. Darum ist es gut, dass du wieder auf diesem Level spielen kannst, hoffentlich noch für viele Jahre.“

Nächste Station Miami

Mit einer Form wie dieser ist Federer, wenn sein Körper weiter mitspielt, auch diese Woche in Miami Favorit. „Ich hoffe, dass mir mein Körper weiter erlauben wird zu spielen“, sagte Federer über seine nächste Station auf der Tour. Hinzukommt, dass mit Andy Murray und Novak Djokovic die zwei bestgereihten Spieler wegen Ellbogenproblemen abgesagt haben. Der Weltranglistenzehnte Jo-Wilfried Tsonga tritt ebenso nicht an, da der Franzose und seine Freundin demnächst ihr erstes Baby erwarten.

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