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„Da ist noch Luft nach oben“

Für Österreichs Herren ist am Sonntag beim Weltcup-Finale in Aspen eine erfolgreichere Saison als in den letzten Jahren zu Ende gegangen. Mit insgesamt 5.048 Punkten ist der Abstand in der Nationenwertung zu den Verfolgern Frankreich (3.668) und Norwegen (3.589) deutlich vergrößert worden. In 36 Rennen standen elf Siege, 13 zweite und vier dritte Plätze zu Buche.

In der vorigen Saison waren es bei insgesamt acht Einzelrennen mehr acht Siege, 13 zweite und acht dritte Ränge. Überragender Athlet bei den ÖSV-Herren war einmal mehr Marcel Hirscher. Der 28-jährige Salzburger gewann auf dem Weg zu seinem sechsten Triumph im Gesamtweltcup in Serie sechs Rennen, wurde neunmal Zweiter und einmal Dritter. Damit sorgte Hirscher bei den ÖSV-Herren für über 50 Prozent der Podestplätze.

Marcel Hirscher

APA/AP/Nathan Bilow

Marcel Hirscher blieb auch in dieser Saison das ÖSV-Aushängeschild

ÖSV-Sportdirektor Hans Pum wusste entsprechend, wer die ÖSV-Herren in dieser Saison auf seinen Schultern getragen hat. „Im Sog von Marcel Hirscher hat das Team wirklich eine großartige Leistung geboten. Wir haben fünf verschiedene Sieger, das ist wieder sehr erfreulich. Wir wissen, dass da noch Luft nach oben ist und wir noch einiges bewegen können. Aber es war eine gute Saison“, bilanzierte Pum im ORF-Interview.

Grafik zu Hirschers Erfolgen

Grafik: ORF.at; Quelle: APA

Puelacher lobt und fordert mehr Konstanz

Über die „größere Kluft“ beim insgesamt 25. Sieg im Nationencup zu den Mitbewerbern freute sich auch Herren-Rennsportleiter Andreas Puelacher. „Das Gesamtbild zeigt, dass wir uns in eine gute Richtung entwickeln“, sagte der Tiroler gegenüber der APA. Generell wünscht er sich aber mehr Konstanz, sowohl was jene in den Läufen betrifft - nur starke Teilzeiten in den Speed-Rennen seien zu wenig - als auch bei den Technikern jene über den gesamten Winter.

In der Abfahrt steuerten Routinier Hannes Reichelt (Garmisch-Partenkirchen) und als Premierensieger Max Franz (Gröden), der auch bei der WM Bronze eroberte, erste Plätze bei. Im Super-G schlugen Matthias Mayer (Kitzbühel) und Reichelt (Aspen) zu. „Die Mannschaft fährt schnell Ski, aber wir sind zu unkonstant, zu fehleranfällig. Das ist ein Kritikpunkt, das müssen wir in den Griff bekommen“, so Puelacher, der weiß, wo es anzusetzen gilt.

Sportlicher Leiter ÖSV Ski Alpin Herren Andreas Puelacher

APA/EXPA/Johann Groder

Chefcoach Andreas Puelacher sieht für nächste Saison noch viel Potenzial

Für Pum standen indes die Comebacks von Mayer und Reichelt im Mittelpunkt. „Gerade im Speed-Bereich bin ich sehr froh, dass ein Matthias Mayer zurückgekommen ist, und dass ein Hannes Reichelt nach seiner schweren Verletzung wieder Fuß gefasst hat. Sie haben beide gewonnen, aber auch Fehler gemacht. Vor allem in der Abfahrt wäre viel möglich gewesen“, sagte der ÖSV-Sportdirektor.

Aufschwung in Slalom und RTL

In den technischen Bewerben überragte Hirscher als Gewinner der Riesentorlauf- und Slalom-Kugel alles. Mit Michael Matt gibt es im Slalom aber auch ein neues Siegergesicht. Der 23-jährige Tiroler gewann in Kranjska Gora, wurde in Levi Zweiter und beim Weltcup-Finale in Aspen Dritter. Bei der WM in St. Moritz jubelten jeweils hinter Hirscher im Riesentorlauf Roland Leitinger und im Slalom Manuel Feller über Silbermedaillen.

Michael Matt

APA/EXPA/Johann Groder

Michael Matt etablierte sich in dieser Saison in der Slalom-Weltspitze

„Im Riesentorlauf hat sich Leitinger entwickelt. Bei Feller ist es ein Auf und Ab, schön langsam stabilisiert er sich. Der Abstand zu den Franzosen hat sich im RTL verringert, wir gehören zu den Topnationen“, sagte Puelacher. Im Slalom sei es das gleiche Spiel, da liegt das ÖSV-Team im Nationencup wie in den Speed-Bewerben aber an erster Stelle. „Noch etwas mehr Konstanz in die Mannschaft zu bekommen, ist das Ziel. Dann bin ich überzeugt, sind wir überall voll dabei“, gibt sich der Herren-Chefcoach optimistisch.

Im Europacup eroberten Johannes Kröll (Abfahrt), Niklas Köck (Super-G) und Daniel Danklmaier (Kombination) Fixplätze für die nächste Weltcup-Saison. Im Slalom ist die Entscheidung noch offen. Auch mit der Junioren-WM durfte Puelacher zufrieden sein, Slalom-Gold gab es durch Adrian Pertl, Super-G-Silber und Abfahrtsbronze durch Raphael Haaser.

Materialumstellung für die Riesentorläufer

Auf dem Trainersektor dürfte es für die nächste Saison keine großen Änderungen geben. Puelacher will aber Verschiebungen bei der Gruppeneinteilung der Athleten vornehmen. Eine große Änderung kommt jedoch auf die Riesentorläufer zu, der Radius der Ski wird auf 30 Meter verkürzt. „Dafür braucht man gute Testtage, das kann man nicht auf Gletscherschnee machen. Da muss man in die südliche Hemisphäre denken. Es wird eine Challenge für uns“, blickte Puelacher auf die Vorbereitung im Sommer.

Dass es wie bei der vorherigen Materialumstellung wieder einen Athleten wie damals den US-Amerikaner Ted Ligety geben werde, der die Szene dominiert, glaubt Puelacher nicht. „Es wird leichter, die Schwünge zu fahren, aber viel wird auch von der Kurssetzung abhängen.“ Der Chefcoach kann sich aber vorstellen, dass wieder mehr Athleten aus dem Speed-Bereich in den RTL zurückkehren. Im eigenen Lager denkt er an Mayer, Reichelt und Vincent Kriechmayr.

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